Menschenrechte Nordkorea lässt US-Gesandten erstmals einreisen

Zum ersten Mal hat das abgeschottete Nordkorea den Menschenrechtsbeauftragten der US-Regierung ins Land gelassen. Die Delegation soll sich auch ein Bild von der mutmaßlich desaströse Versorgungslage machen. Staatschef Kim fährt derweil mit dem Zug durch China.

US-Gesandter King in Pjöngjang: Gespräche über Menschenrechte und Nahrungsmittel
REUTERS/KCNA

US-Gesandter King in Pjöngjang: Gespräche über Menschenrechte und Nahrungsmittel


Seoul - Angesichts der Probleme mit der Versorgung der eigenen Bevölkerung hat Nordkorea den Menschenrechtsbeauftragten der USA für das kommunistische Land einreisen lassen. Die US-Delegation sei in Pjöngjang eingetroffen, um mit Nordkorea über "humanitäre Angelegenheiten" zu beraten, berichteten die staatlichen nordkoreanischen Medien am Dienstag. Der Sondergesandte Robert King soll nach Angaben des US-Außenministeriums die Versorgungslage erkunden und Menschenrechtsfragen ansprechen.

Es ist das erste Mal, dass das atomar gerüstete, aber verarmte Land Nordkorea den US-Sonderbeauftragten für die Menschenrechte einreisen lässt, seitdem der Posten vor sieben Jahren eingerichtet wurde. Die USA werfen dem Regime schwerste Menschenrechtsverletzungen vor.

Das Welternährungsprogramms (WFP) hatte vor zwei Monaten in einem Bericht gewarnt, dass sich die Nahrungsmittelknappheit in dem Land angesichts aufgebrauchter Vorräte bald verschärfen werde. Sechs der 23 Millionen Nordkoreaner seien dringend auf Nahrungsmittelhilfen angewiesen. Das öffentliche Verteilsystem werde im Mai oder Juni zusammenbrechen, prophezeiten die Experten.

Der verfeindete Nachbarstaat Südkorea hingegen geht davon aus, dass genügend Lebensmittel im Norden vorhanden sind - und die Regierung das Angebot künstlich knapp hält. Der vermutete Hintergrund: 2012 wäre Staatsgründer Kim Il Sung 100 Jahre alt geworden, und zu diesem Anlass horteten die Machthaber in Pjöngjang Vorräte.

Bis zum Samstag wird die Delegation um King nach Angaben Washingtons nicht nur Regierungsvertreter in Pjöngjang treffen, sondern auch in andere Regionen reisen können. Das US-Außenministerium hatte betont, dass die Erkundungsmission nicht notwendigerweise zu einer Wiederaufnahme der seit mehr als zwei Jahren unterbrochenen Nahrungshilfe in Nordkorea führt.

Kings Besuch in Nordkorea kommt zur gleichen Zeit, da der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Il mit einem Sonderzug durch China reist. Nach chinesischen Angaben wurde Kim eingeladen, um die wirtschaftliche Entwicklung des Landes studieren zu können.

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Über den Besuchs Kims gibt es nur wenige, bisher offiziell nicht bestätigte Details. Einzig, dass er im Lande ist, bestätigte Chinas Premier Wen Jiabao. Gerade soll Kim von der Stadt Nanjing aus in das nahe Yangzhou gereist sein, wo er am Montag angeblich ein Gewerbegebiet und ein Einkaufszentrum besucht hat. Von dort aus sei er Richtung Norden mit dem Zug weitergefahren. Kim soll außerdem mit Vizepräsident Xi Jinping und Ex-Präsident Jiang Zemin zusammengetroffen sein. Der nordkoreanische Machthaber will dem Vernehmen nach Shanghai besuchen.

ffr/dpa/AP



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