Syrien-Bericht Das unsägliche Leid der Kinder im Krieg

Männer kamen in sein Dorf. Sie packten ihn, hängten ihn an den Händen auf, drückten Zigaretten auf seiner Haut aus: So beschreibt ein 15-Jähriger der Organisation Save the Children, was ihm im syrischen Bürgerkrieg widerfuhr. Unmittelbar vor Beginn der Uno-Generaldebatte legen die Menschenrechtler ihren Bericht vor - darin schildern Kinder, wie sie Opfer von Gewalt und Folter wurden.

Syrische Flüchtlinge an der Grenze zur Türkei: 1,5 Millionen wurden mit Gewalt vertrieben
AP

Syrische Flüchtlinge an der Grenze zur Türkei: 1,5 Millionen wurden mit Gewalt vertrieben


Amman/New York - Sie sind traumatisiert, wurden gefoltert, viele starben: Ein am Dienstag veröffentlichter Bericht der britischen Hilfsorganisation Save the Children dokumentiert Gräueltaten aus dem syrischen Bürgerkrieg. Die Veröffentlichung stützt sich dabei auf 18 Berichte von syrischen Flüchtlingskindern.

So schildert in dem Bericht ein 15-Jähriger, wie er zusammen mit hundert anderen Kindern in seinem Dorf von Männern festgenommen wurde. Sie seien in die Schule gebracht und dort eine Woche lang festgehalten worden. Er sei an den Handgelenken aufgehängt und geschlagen worden, Zigaretten seien auf seiner Haut ausgedrückt worden, wird der Junge zitiert. "Sie haben mich dorthin gebracht, um mich zu foltern, an genau den Ort, wo ich zum Lernen in die Schule ging." Die Männer hätten keinerlei Mitleid gehabt.

Ein 16-Jähriger berichtete vom Tod eines sechsjährigen Jungen: Er sei gefoltert worden, Essen und Trinken habe der Junge, dessen Vater vom Regime gesucht worden sei, nicht bekommen. " Er hatte die ganze Zeit unsägliche Angst", sagte der 16-Jährige. "Ich sah, wie er starb. Er überlebte drei Tage, dann starb er."

"Es ist Terror für die Kinder"

Ein 14-Jähriger berichtete von Kindern als Schutzschilden: "Sie benutzen auch Kinder, um sich selbst zu schützen", sagte der Junge. "Es ist Terror für die Kinder, viele sterben."

In vielen der Berichte wird nicht genannt, welche Seite für die Gräueltaten verantwortlich war. In den meisten Fällen wurden solche Verbrechen bislang den Regierungstruppen oder mit ihnen verbündeten Milizionären zugeschrieben. Die Berichte untermauern nach Angaben von Save the Children ähnliche Geschichten, die die Uno und andere Menschenrechtsgruppen zusammengetragen haben.

"Jedes gegen Kinder gerichtete Verbrechen muss erfasst werden, um eine deutliche Botschaft an alle Seiten in dem Konflikt zu senden, dass diese Gräueltaten nicht geduldet werden", forderte Save the Children. Die Organisation rief die Uno auf, ausreichend Personal nach Syrien zu schicken, um die Verbrechen aufzudecken und zu dokumentieren.

Brahimi sieht kein baldiges Ende der Gewalt

Der Syrien-Konflikt wird auch die Generaldebatte der Uno-Vollversammlung an diesem Dienstag in New York bestimmen.

Der internationale Syrien-Sondergesandte Lakhdar Brahimi zeichnete vor dem Sicherheitsrat ein düsteres Bild der Lage in dem Land. Es gebe "keine Aussicht" auf ein baldiges Ende der Gewalt, sagte Brahimi in der Sitzung des Sicherheitsrats hinter verschlossenen Türen. Die Gewalt sei "eine Gefahr für die Region und eine Gefahr für Frieden und Sicherheit in der Welt". Nach Angaben von Diplomaten berichtete der Sondergesandte den Sicherheitsratsmitgliedern, dass Misshandlungen von Gefangenen zur "Routine" geworden seien.

Seit Beginn des Aufstands gegen Präsident Baschar al-Assad im März 2011 wurden nach Oppositionsangaben etwa 29.000 Menschen getötet. Nach neuen Schätzungen von Brahimi wurden 1,5 Millionen Menschen von der Gewalt aus ihren Häusern vertrieben. Außerdem warnte der frühere algerische Außenminister vor einer drohenden Nahrungsmittelkrise in Syrien, weil die Kämpfe die Ernte beeinträchtigt hätten. Brahimi kündigte einen neuen Vermittlungsversuch an, räumte allerdings ein, dass der Plan noch ausstehe.

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad wies Vorwürfe zurück, dass seine Regierung die syrische Regierung mit Waffen und Ausbildung unterstütze, und schloss zugleich eine rasche Lösung des Atomkonflikts seines Landes mit dem Westen aus. "Wir erwarten nicht, dass ein 33 Jahre altes Problem zwischen den USA und Iran in eiligen Diskussionen gelöst wird, aber wir glauben an einen Dialog", sagte Ahmadinedschad am Rande der am Dienstag beginnenden jährlichen Generaldebatte der Vollversammlung. Das iranische Atomprogramm sorgt auch in der arabischen Welt für Unruhe. Das wurde am Montagabend bei einem Treffen von Bundesaußenminister Guido Westerwelle mit Vertretern der sechs Staaten des Golfkooperationsrates in New York deutlich. "Wir teilen mit den Golfstaaten die große Sorge über das iranische Atomprogramm", sagte Westerwelle nach dem Treffen. Er bekräftigte dabei die deutsche Position, dass eine nukleare Bewaffnung Irans verhindert werden müsse, weil sie die gesamte Region destabilisieren würde.

hen/dpa/dapd/AFP

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Neinsowas 25.09.2012
1. Kinder dieser Welt....
...die Zukunft: Immer das schwächste Glied in der Reihe, misshandelt, missbraucht, weggeworfen....wie viele müssen dafür geboren werden? - Ich schäme mich!
frubi 25.09.2012
2. Der Missbrauch der Kinder im Krieg.
Zitat von sysopAPMänner kamen in sein Dorf. Sie packten ihn, hängten ihn an den Händen auf, drückten Zigaretten auf seiner Haut aus: So beschreibt ein 15-Jähriger der Organisation "Save the Children", was ihm im syrischen Bürgerkrieg widerfuhr. Unmittelbar vor Beginn der Uno-Generaldebatte legen die Menschenrechtler ihren Bericht vor - darin schildern Kinder, wie sie Opfer von Gewalt und Folter wurden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/menschenrechtler-prangern-gewalt-gegen-kinder-in-syrien-an-a-857711.html
Bei allem Respekt aber hier haben die Journalisten mal wieder ordentlich an der Tinte vorbei gegriffen. Ein 15 jähriger wird nicht überall auf der Welt als Kind betrachtet. In weiten Teilen Afrikas ist ein 15 jähriger bereits ein Mann. Bei den Frauen ist es ähnlich. Das ändert natürlich nichts an der Folter, die niemand erleiden sollte. Aber ein 15 jähriger in Deutschland hat nicht den selben Schutzstatus durch sein Alter wie ein 15 jähriger in Syrien oder Nigeria. Und dann kommen wir wieder auf den Missbrauch der Kinder durch diese Debatten zurück. In einem solchen Krieg wie in Syrien, wie in Lybien oder selbst bei einer Revolution wie in Ägypten werden Kinder doch nur für die Propaganda missbraucht. Innerhalb der Konfliktparteien werden die Kinder der Gegenseite als Gegner gesehen und entsprechend wird ihnen kein extra Schutz gewährt. Für die Konfliktparteien sind die Kinder und deren Schicksal eher zweitrangig. Es geht in erster Linie um die Macht. Die Schicksale der Kinder werden UNS aufgetischt, damit wir für eine militärische Intervention oder zumindest für eine bewaffnung der von uns favorisierten Seite gewonnen werden können. Das ist billig, durchschaubar und leider Gewohnheit (man bedenke die Lügengeschichten über den Irak 1991).
johndoe14 25.09.2012
3.
Zitat von sysopAPMänner kamen in sein Dorf. Sie packten ihn, hängten ihn an den Händen auf, drückten Zigaretten auf seiner Haut aus: So beschreibt ein 15-Jähriger der Organisation "Save the Children", was ihm im syrischen Bürgerkrieg widerfuhr. Unmittelbar vor Beginn der Uno-Generaldebatte legen die Menschenrechtler ihren Bericht vor - darin schildern Kinder, wie sie Opfer von Gewalt und Folter wurden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/menschenrechtler-prangern-gewalt-gegen-kinder-in-syrien-an-a-857711.html
homo homini lupus - die geistigen brandstifter, die den assad-clan in schutz nehmen, werden sich sicherlich bald zu wort melden. die verschwörungstheoretiker werden diesen bericht sofort als propaganda ins reich der märchen verweisen und die wahrheit zum höchsten gut erheben. hoffentlich vergessen diese durch bildung und wohlstand priviligierten leute nicht, dass unsere zukunft nicht auf einem gegeinander aufgebaut werden kann. egal ob christ, moslem, buddhist, hindu, atheist, schwarz, weiß, gelb, braun - werte wie respekt, brüderlichkeit, hilfsbreitschaft, nächstenliebe wurden in anderen teilen der welt durch gewalt und ausbeutung zu nichte gemacht. hier wurden diese werte durch exzessiven hedonismus, individualität bis zum äußersten und eine augenscheinliche meinungsfreiheit erodiert. bleibt zu hoffen, dass die menschheit irgendwann wieder auf kurs kommt und an einem strang zieht. bisher kann ich leider keine solchen tendenzen beim durchforsten der foren zur außenpolitik erkennen....
Spiegelleserin57 25.09.2012
4. Krieg
Zitat von sysopAPMänner kamen in sein Dorf. Sie packten ihn, hängten ihn an den Händen auf, drückten Zigaretten auf seiner Haut aus: So beschreibt ein 15-Jähriger der Organisation "Save the Children", was ihm im syrischen Bürgerkrieg widerfuhr. Unmittelbar vor Beginn der Uno-Generaldebatte legen die Menschenrechtler ihren Bericht vor - darin schildern Kinder, wie sie Opfer von Gewalt und Folter wurden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/menschenrechtler-prangern-gewalt-gegen-kinder-in-syrien-an-a-857711.html
das sind die Grausamkeiten des Krieges , das ist nichts Neues. Viel schlimmer ist dass bis heute keine Regierung dies bedenkt. Es wird einfach ignoriert, leiden muss immer die Zivilbevölkerung. Egal welche Religion, dagegen tut keiner etwas!
topodoro 25.09.2012
5. Wer verhindert den Frieden ? Wer will keine friedlichen Verhandlungen ?
Zitat von sysopAPMänner kamen in sein Dorf. Sie packten ihn, hängten ihn an den Händen auf, drückten Zigaretten auf seiner Haut aus: So beschreibt ein 15-Jähriger der Organisation "Save the Children", was ihm im syrischen Bürgerkrieg widerfuhr. Unmittelbar vor Beginn der Uno-Generaldebatte legen die Menschenrechtler ihren Bericht vor - darin schildern Kinder, wie sie Opfer von Gewalt und Folter wurden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/menschenrechtler-prangern-gewalt-gegen-kinder-in-syrien-an-a-857711.html
Die "Freunde Syriens" und die anderen Unterstützer der FSA "Aktivisten" und "Handwerker des Todes", die keine friedlichen Verhandlungen, sondern den Krieg gewählt haben, sehen nun die Resultate. In einem Krieg sind es immer die Kinder und Frauen, die am meisten leiden. Deshalb: Ein Ende der Kämpfe. Es waren die "Aktivisten" der FSA" die den Krieg nach Aleppo trugen. Sollen sie ihn doch auch wieder weg tragen.
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