Berlin - Mindestens 28.000 Menschen sind nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten seit Beginn des Syrien-Konflikts verschleppt worden und verschwunden. Niemand sei vor der Terrorkampagne des Regimes sicher, erklärte die Aktivistengruppe Avaaz gegenüber der britischen BBC. Sie habe die Namen von 18.000 Vermissten und wisse von 10.000 weiteren Fällen, in denen Menschen seit Beginn der Proteste vor 19 Monaten von Soldaten oder Milizionären entführt wurden. "Syrer werden von Sicherheitskräften und paramilitärischen Einheiten von der Straße aufgelesen und verschwinden in Folterzellen", sagte die Direktorin der Avaaz-Kampagne, Alice Jay.
Auch Fadel Abdulghani vom Syrischen Netzwerk für Menschenrechte bezifferte die Zahl der Verschwundenen mit 28.000. Muhannad al-Hasani von der syrischen Menschenrechtsorganisation Sawasja setzte die Zahl im Gespräch mit der BBC noch höher an. "Nach den Informationen, die wir durch unsere Kontakte in Dörfer in ganz Syrien haben, denken wir, dass bis zu 80.000 Menschen unter Gewaltanwendung verschwunden sind", sagte er.
Brahimi in Damaskus erwartet
Am Samstag wird der Syrien-Sondergesandte Lakhdar Brahimi erneut in Damaskus zu Verhandlungen erwartet. Brahimi hatte in den Tagen zuvor bereits verschiedene Nachbarländer Syriens besucht, um über einen Ausweg aus dem seit März 2011 anhaltenden Konflikt in dem Land zu beraten.
Syrischen Medienberichten zufolge scheint die Führung in Damaskus die Politik Brahimis zu begrüßen. Der Gesandte von Uno und Arabischer Liga verfolge eine "Diplomatie der kleinen Schritte", um "Hindernisse zu überwinden", schrieb die amtliche Tageszeitung "Al-Baas" in einem Leitartikel. Brahimi hatte zuletzt einen Waffenstillstand anlässlich des islamischen Opferfestes Id al-Adha Ende Oktober vorgeschlagen.
Die Kämpfe in Syrien hielten am Donnerstag unvermindert an. Die Luftwaffe bombardierte Stellungen im Norden, um die Aufständischen daran zu hindern, ihren Einfluss auszuweiten. Luftangriffe gab es vor allem auf die von Rebellen kontrollierte Stadt Maaret al-Numan. Die Aufständischen versuchten vergeblich, die Flugzeuge mit Maschinengewehrfeuer zu treffen. Die oppositionelle Freie Syrische Armee (FSA) und Dschihadisten der Al-Nusra-Front griffen die Militärbasis Wadi Daif an, die noch von der Armee kontrolliert wird, aber unter Belagerung der Rebellen steht.
In der zentralsyrischen Region von Homs bombardierten die Truppen nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte die Stadt Kusair, die von der Armee komplett belagert wird. In der Metropole Aleppo gingen die Regierungstruppen gegen die Rebellenhochburgen Schaar und Sukkari vor. Laut der in London ansässigen Beobachtungsstelle, die sich auf ein breites Netz von Ärzten und Aktivisten in Syrien beruft, wurden im Viertel Jarmuk in der Hauptstadt Damaskus neun Leichen gefunden.
ler/dapd/AFP
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