Militärschlag gegen Kurden Merkel mahnt Türkei

Nach dem türkischen Militärschlag gegen kurdische Stellungen mahnt Kanzlerin Merkel "Verhältnismäßigkeit" an. Im Kampf gegen Terroristen sichert sie der Türkei aber Unterstützung zu.

Kanzlerin Merkel im Bundestag (Archivbild): "Gebot der Verhältnismäßigkeit"
DPA

Kanzlerin Merkel im Bundestag (Archivbild): "Gebot der Verhältnismäßigkeit"


Trotz der militärischen Eskalation soll die Türkei am Friedensprozess mit den Kurden festhalten. Das hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in einem Telefonat mit dem türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu deutlich gemacht. Trotz aller Schwierigkeiten solle der eingeleitete Prozess nicht aufgegeben werden, sagte Merkel nach Angaben eines Regierungssprechers.

Davutoglu hat Merkel demnach telefonisch über das Vorgehen der türkischen Regierung im Kampf gegen den Terrorismus nach dem Anschlag in Suruc informiert. Merkel soll ihn in dem Gespräch an das "Gebot der Verhältnismäßigkeit" erinnert haben. Sie sicherte ihm die Solidarität und Unterstützung Deutschlands im Kampf gegen den Terrorismus zu.

Beide hätten zudem einen engen Austausch zwischen den jeweiligen Außen- und Verteidigungsministerien vereinbart. Sie wollen sowohl beim Vorgehen gegen dschihadistische Kämpfer, aber auch bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise eng kooperieren.

Die Türkei hatte ihre Militäraktionen in den Nachbarstaaten Syrien und Irak am Wochenende als Reaktion auf den Anschlag in der Stadt Suruc ausgeweitet und neben den Extremisten des "Islamischen Staates" (IS) auch Lager der Kurdische Arbeiterpartei PKK angegriffen. Der militärische Flügel der PKK, die kurdischen Volksverteidigungskräfte (HPG), erklärten daraufhin, der seit 2013 geltende Waffenstillstand habe "keine Bedeutung mehr".

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte sich dazu noch vor der Kanzlerin zu Wort gemeldet - war dafür aber in die Kritik geraten, weil sie die Attacke gegen den IS ausdrücklich gelobt hatte, ohne auf den Militärschlag gegen die Kurden einzugehen. Erst in der "Bild am Sonntag" rückte sie ihre Aussage dann zurecht: "Genauso, wie es richtig ist, dass die Türkei das Recht hat, sich gegen den IS zu wehren, genauso wichtig ist es, dass sie den eingeschlagenen Pfad der Versöhnung mit der kurdischen Arbeiterpartei nicht verlässt."

Wo das türkische Militär angreift

(Auswahl, da nicht alle Orte bekannt; Stand: 27. Juli)

Quellen: Reuters, AFP, dpa


vks/dpa/AFP/Reuters

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 78 Beiträge
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Seite 1
Rüdiger IHLE, Dresden 26.07.2015
1. Ist das alles kompliziert !
Müssen die PKK-Kämpfer nun eigentlich die Waffen zurückgeben , die sie letztes Jahr unter grossem Tamtam von Frau vdLeyen erhalten haben ? Nicht dass die damit noch auf die Türken ... !
ficino 26.07.2015
2. Da ist die Uschi
von ihrer Chefin aber kräftig zurück gepfiffen worden. Wen wundert`s, wenn man die Zusammenhänge trotz einschlägigem Ministersessel einfach nicht begreift. Die Aktionen der Türkei, so wie sie jetzt angelegt sind, werden die Lage in der Region nur weiter verschlimmern und das Chaos vergrößern. Aus Irak und Afghanistan einfach nichts gelernt: Nicht die militärische Feuerkraft entscheidet einen Guerillakrieg, sondern die Überzeugung der Akteure. Wenn zum Guerillakampf von IS/Daesh jetzt auch noch ein wild entschlossener, kurdischer Guerillakrieg kommt, dann aber gute Nacht! Wie kann man nur so endlos blöde sein, einen asymmetrischen Zweifronten-Kampf in einer solchen Gemengelage zu eröffnen ... Und das zu erkennen und besonnen zu kommentieren, hätte man eigentlich von einer deutschen Verteidigungsministerin erwarten können, nein, müssen! Jetzt muss es Merkel wieder richten ...
nichtdoch 26.07.2015
3.
Wesshalb giebt die Bundesregierung ein statement ab? Ansonsten haelt sich diese regierung aus Konflikten raus ,wartet aber bis die anderen die Kartoffeln aus dem feuer holen und wenn irgend etwas schief leuft werden dise dann kritisiert,so wesshalb haelt die Bundesregierung nicht mal die Klappe wenn sie sich immer raushalten? Und nebenbei bemerkt das mit der Unterstützung moechte ich erst mal sehen Da giebt es einen schoenen Spruch "Auser Spesen nichts gewesen" past sehr gut zu dieser Regierung entweder ich mische mit,uder halte die Klappe!
jetluck 26.07.2015
4. ein Lehrstück für Fehlinformation
Die ganzen Gazetten der deutschen Medien schreiben rauf und runter, das die Pkk die Waffenruhe erst gekündigt hat, nachdem die Türkei ihre Stellungen bombardiert haben soll. Das ist eine bewusste Fehlinformation. Tatsache ist, das die Bombardierung der PKK-Stellungen Reaktion auf Mordanschläge auf Staatsbedienstete ist.
tailspin 26.07.2015
5. Wenn sich ein Fehler unerklaerlich vervielfaeltigt:
Zitat von jetluckDie ganzen Gazetten der deutschen Medien schreiben rauf und runter, das die Pkk die Waffenruhe erst gekündigt hat, nachdem die Türkei ihre Stellungen bombardiert haben soll. Das ist eine bewusste Fehlinformation. Tatsache ist, das die Bombardierung der PKK-Stellungen Reaktion auf Mordanschläge auf Staatsbedienstete ist.
Wenn es denn so stimmt: In der Schule haetten alle Gazetten dafuer eine 6 gekriegt, weil jeder vom anderen abgeschrieben hat.
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