Treffen mit Merkel Hollande fordert mehr deutsche Unterstützung im Kampf gegen IS

Deutschland schickt mehr Truppen nach Mali und verstärkt die Ausbildung der kurdischen Peschmerga. Doch das reicht nicht im Kampf gegen den IS, sagt Frankreichs Präsident Hollande. Merkel stellt weitere Hilfe in Aussicht.


Frankreich erwartet von Deutschland mehr Unterstützung im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) in Syrien und im Irak. Er wünsche sich, dass Deutschland sich noch mehr engagieren könne, sagte Präsident François Hollande am Mittwochabend vor einem Arbeitsessen mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in Paris. "Falls Deutschland weitergehen könnte, wäre das ein sehr gutes Signal."

Konkrete Forderungen stellte Hollande vor der Presse nicht. Zuletzt war über einen möglichen Einsatz von deutschen Tornado-Aufklärungsflugzeugen spekuliert worden.

Hollande begrüßte die deutsche Bereitschaft, 650 Soldaten ins westafrikanische Mali zu schicken, um damit die französischen Streitkräfte im Anti-Terror-Kampf zu entlasten. Zudem sollen künftig 150 statt 100 Bundeswehrsoldaten kurdische Peschmerga-Kämpfer im Irak ausbilden.

Merkel stellte Hollande auf der gemeinsamen Pressekonferenz weitere Hilfe in Aussicht. Wenn ihr Gastgeber sie bitte, darüber nachzudenken, "was wir mehr tun können, dann ist das für uns eine Aufgabe, darüber nachzudenken", sagte die Kanzlerin. "Und wir werden hierauf sehr schnell reagieren."

Merkel: IS muss mit militärischen Mitteln bekämpft werden

Ins Detail ging Merkel nicht, sie sagte aber, der IS müsse mit militärischen Mitteln bekämpft werden. Ein solches Vorgehen schließe den notwendigen politischen Prozess nicht aus.

Merkel und Hollande zeigten sich besorgt über die Entwicklungen in der Beziehung zwischen Russland und der Türkei. "Wir müssen zusammenarbeiten und dafür sorgen, dass sich die Situation beruhigt", sagte Frankreichs Präsident. Am Dienstag hatte das türkische Militär an der Grenze zu Syrien einen russischen Kampfjet abgeschossen.

Die Kanzlerin wollte Frankreich mit dem Besuch ihre Solidarität ausdrücken. Im Vorfeld der Pressekonferenz hat sie auf dem Platz der Republik der Opfer der Pariser Terroranschläge gedacht. An der Seite des französischen Präsidenten Hollande legte Merkel dort am Mittwochabend eine Rose nieder. Der Platz liegt in der Nähe der Konzerthalle Bataclan und mehreren weiteren Tatorten der Mordserie mit 130 Toten. An der Statue der französischen Nationalfigur Marianne hatten dort seitdem zahlreiche Menschen Blumen niedergelegt und Kerzen aufgestellt.

Obama beruhigt die Amerikaner

Nach den Anschlägen von Paris ist die Angst vor Terrorattacken weltweit gestiegen. Im Weißen Haus hielt US-Präsident Barack Obama eine kurzfristig angesetzte Rede an die Nation, in der er versuchte, die Amerikaner vor dem langen Thanksgiving-Wochenende zu beruhigen. Es gebe "keine belastbaren Informationen über eine spezifische Bedrohung unseres Landes", sagte Obama. Sollte es zu einer Bedrohung kommen, werde dies umgehend veröffentlicht.

Die Vereinigten Staaten feiern am Donnerstag das Thanksgiving-Fest. Millionen Amerikaner reisen dafür mit Flugzeug, Auto oder Bahn zu ihren Familien. Die Sicherheitsvorkehrungen etwa an Flughäfen wurden nach den Anschlägen von Paris erhöht.

asc/AP/Reuters/dpa



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