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Großbritannien: "Times" kürt Merkel zur Person des Jahres 2014

Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Bundesparteitag der CDU (Archivfoto): "Die mächtigste Frau der Welt" Zur Großansicht
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Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Bundesparteitag der CDU (Archivfoto): "Die mächtigste Frau der Welt"

Im Angesicht der Ukraine-Krise und des Dschihadisten-Terrors habe sich international nur ein Weltpolitiker profiliert: Angela Merkel. Für ihre Verdienste kürt die britische "Times" die Kanzlerin zur Person des Jahres 2014.

London - Angela Merkel hat in diesem Jahr eine zentrale Rolle in der Ukraine-Krise und bei der Vermittlung zwischen Russland, den USA und Europa gespielt. "Dafür verdient Frau Merkel unseren Applaus", schreibt die britische "Times" und kürt die Bundeskanzlerin zur Person des Jahres 2014:

"Der Westen hat sich mit ihrer Hilfe auf seine Grundwerte konzentriert und hat erkannt, worum es sich zu kämpfen lohnt. Merkel ist die herausragende Politikerin Europas, die mächtigste Frau der Welt".

In dem "Mrs. Indispensible" (Frau Unentbehrlich) betitelten Kommentar begründet die konservative "Times" ihre Meinung damit, dass "zunehmend ungeschickte Nachkriegsinstitutionen wie Nato, EU und Uno-Sicherheitsrat den Krisen wie der um die Ukraine und dem Dschihadisten-Terror in den letzten zwölf Monaten kaum gewachsen" seien. Politiker seien der Bedrohung durch Schurkenstaaten und plündernde Armeen nicht entgegengetreten.

"In diesem Kreis hat sich nur ein Weltpolitiker profiliert: die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie ist zu einer Vermittlerin der Macht zwischen Ost und West geworden."

Offene Türen oder unversöhnliche Politik?

Hervorzuheben sei vor allem Merkels "natürlicher Instinkt", mit dem sie Putins Raubgier und die Krim-Annexion nicht ausschließlich verteufelt, sondern sich auch darum bemüht habe, seinem Ehrgeiz Grenzen zu setzen. Merkel sagte einmal: "Putin lebt in einer anderen Welt." Dennoch sei es ihr gelungen, ihn in zahlreichen direkten Gesprächen zurück in ein internationales System mit geltenden Gesetzen zu locken. "Es wurden keine Türen verschlossen", lobt die "Times".

Anders als die Zeitung halten viele die Russland-Politik Merkels für unversöhnlich. Die Linke in Deutschland etwa warf der Bundeskanzlerin vor, sie habe Deutschland in die "Neuauflage eines Kalten Krieges mit Russland hineingetrieben", der den Frieden in Europa gefährde, wie Fraktionsvizechefin Sahra Wagenknecht sagte. Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier mahnte zuletzt zu verbaler Mäßigung, nachdem Merkel Putin scharf angegriffen hatte.

Die "Times" hingegen findet, dass Merkel das Spannungsfeld außerordentlich gut fülle, das sich zwischen jenen EU-Mitgliedern auftut, die sich für eine Lockerung der Sanktionen gegen Russland aussprechen, und den USA, die die "Schlinge um den russischen Präsidenten und seinen inneren Kreis enger ziehen" wollen. Kein anderer Staatschef spreche so oft mit Putin wie sie, und kein Politiker aus Europa sei in so engem Kontakt mit Obama wie Merkel.

Ihre Lobeshymne auf die Bundeskanzlerin schließt die "Times" mit der Bemerkung, Merkel müsse sich demnächst entscheiden, ob sie für eine Kanzlerkandidatur im Jahr 2017 erneut zur Verfügung stehe: "Wir drängen sie zu bleiben."

Im Jahr 2013 kürte die "Times" Wladimir Putin zur Person des Jahres.

hei/dpa

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insgesamt 173 Beiträge
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1. Glückwunsch Angela
Hank Hill 26.12.2014
Die Times zeigt den ganzen Hassern hier den Respekt, den Frau Merkel in großen Teilen der Welt genießt. Viele Amerikaner beneiden uns um Frau Merkel. Ihre Weitsicht, Diplomatie und Intelligenz bewirken weit mehr als sich der kleingeistige deutsche Linke nur vorstellen kann. Im Zweifelsfall Merkel.
2. In Summe: sehr gut gemacht!
alsterhai 26.12.2014
Natürlich starten gleich all die Kritiker und auch SPON versucht lieblos Kritik unterzustreuen: doch die TIMES sieht es schon ganz realistisch. In Summe hat Angela Merkel exzellente Arbeit geleistet in 2014. Und wer trotzdem schimpft und flucht: erstmal selber besser machen :)
3. oh weh
angst+money 26.12.2014
jetzt werden hier die Messer gewetzt. Bei aller berechtigten Kritik ist mir Frau Merkel lieber als der ganze Haufen hysterischer Politverdrossener.
4. Frau Merkel soll bleiben, wo sie ist
monolithos 26.12.2014
Natürlich drängt die konservative Times Frau Merkel zu bleiben: nämlich da, wo sie ist. Man kann über Frau Merkel denken, was man will. Sie wird die Karrieretreppe nicht runter-, sondern hochfallen, wenn sie keine Bundeskanzlerin mehr ist, das wissen auch die Briten. Dann wird sie entweder die EU-Spitze oder die UN-Spitze übernehmen. Auf beiden Posten dürfte sie dann den Briten weit weniger gefallen als im Kanzleramt. Deswegen soll sie auch mal schön da bleiben und deswegen auch die Lobeshymne auf ihre Arbeit in genau diesem Amt. Blöd sind die Briten nämlich auch nicht.
5. Wenn die Engländer
Badischer Revoluzzer 26.12.2014
einen deutschen Politiker loben, dann er zum Nachteil von Deutschland Fehler gemacht. Ich wäre da extrem misstrauisch.
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