Berlin - Bundeskanzlerin Angela Merkel reist am Dienstag nach Griechenland. In der Hauptstadt Athen werde Merkel unter anderem den griechischen Regierungschef Antonis Samaras treffen, kündigte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin an. Das genaue Programm des Besuches stehe noch nicht fest, aber nach dem Gespräch sei eine Pressekonferenz geplant.
Merkel hatte Griechenland zuletzt im Juli 2007 besucht - mehr als zwei Jahre vor dem Beginn der Euro-Krise, von der Griechenland am stärksten betroffen ist.
Samaras war Ende August nach Berlin gereist und hatte Merkel damals eingeladen. Bisher hatte man sich in der Bundesregierung nicht festgelegt, ob und wann die Kanzlerin nach Athen reisen würde.
Nun sagte Seibert: "Wir wollen Griechenland helfen, in der Euro-Zone sich zu stabilisieren." Die Bundesregierung nehme zur Kenntnis, dass es unter Samaras einen verstärkten Reformeifer gebe. "Wir wollen das unterstützen."
Seibert sagte, Deutschland und Griechenland seien enge Partner. "Da ist es normal, dass man einander auch besucht." Die Reise stehe aber selbstverständlich unter dem Eindruck der sehr schwierigen Situation des Landes und den massiven Anpassungs- und Reformmaßnahmen, die Griechenland in den vergangenen Jahren geprägt hätten.
Griechische Gewerkschaften rufen zu Protesten gegen Merkel auf
Zuvor hatte Premier Samaras im "Handelsblatt" vom Freitag in einem dramatischen Appell um Solidarität mit seinem Land geworben und betont, ein Besuch Merkels wäre für das Verhältnis beider Völker sehr wichtig. Merkel "ist uns jederzeit willkommen", sagte Samaras. Während er sein Verhältnis zu Merkel als "sehr positiv" beschrieb, äußerte er sich kritisch zu Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler. "Herr Rösler ist offensichtlich nicht unser bester Verbündeter", sagte er.
Im "Handelsblatt"-Interview zeichnete Samaras ein düsteres Bild von der Situation in Griechenland. Der soziale Zusammenhalt sei durch die steigende Arbeitslosigkeit gefährdet - "so wie es gegen Ende der Weimarer Republik in Deutschland war". Ohne die nächste Hilfstranche habe Griechenland Ende November kein Geld mehr, so Samaras.
Die griechischen Gewerkschaften riefen zu Proteststreiks gegen den Besuch von Merkel am Dienstag auf. Außerdem sollte der Aufenthalt der deutschen Regierungschefin von einer Demonstration am Parlamentsgebäude begleitet werden, erklärten die beiden größten Gewerkschaften des schwer unter der Schuldenkrise leidenden Landes am Freitag. "So werden wir Frau Merkel empfangen", kündigte ein Funktionär an.
fab/heb/dpa/Reuters
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