Mesale Tolu "Wenn man in seiner Zelle ausharrt und schweigt, passiert nichts"

Mehrere Monate lang war Mesale Tolu in der Türkei inhaftiert. Damals sei ihr geraten worden, "der stillen Diplomatie" zu vertrauen. Nun rät die deutsche Journalistin zum Gegenteil.

Mesale Tolu
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Mesale Tolu


In der Türkei befinden sich noch mindestens fünf Deutsche aus politischen Gründen in Haft. Nun hat Mesale Tolu sie aufgefordert, auf ihr Schicksal aufmerksam zu machen. Die über mehrere Monate in der Türkei inhaftierte deutsche Journalistin rät ihnen, an die Öffentlichkeit zu gehen.

"Tatsächlich wurde mir von deutschen Vertretern immer wieder mal geraten, doch der stillen Diplomatie eine Chance zu geben", sagte Tolu der "Welt am Sonntag". Dies sei ihrer Erfahrung nach aber der falsche Weg.

"Wenn man einfach in seiner Zelle ausharrt und schweigt, passiert nichts. Die Türkei ist kein Rechtsstaat. Abwarten heißt, sein Schicksal anderen in die Hand legen. Und jeder Tag da drinnen ist ein Tag zu viel", sagte Tolu, die unter Terrorvorwürfen angeklagt war, das Land aber Ende August verlassen durfte. "Wenn man Unrecht erfährt, muss man das auf die Tagesordnung setzen."

Im vergangenen Jahr hatte eine Reihe von Festnahmen deutscher Staatsbürger in der Türkei eine schwere Krise zwischen Berlin und Ankara ausgelöst. Die prominentesten Fälle waren neben Tolu jene des "Welt"-Reporters Deniz Yücel und des Menschenrechtlers Peter Steudtner, die beide inzwischen wieder ausreisen durften.

Die Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei haben sich zwar entspannt, die Bundesregierung hat aber mehrfach betont, dass es keine Normalisierung geben werde, solange die verbliebenen Häftlinge nicht frei seien.

kha/dpa

insgesamt 7 Beiträge
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anno231 18.11.2018
1. Terrorvorwürfe
sind immer wieder der Grund für willkürliche, grundlose Verhaftungen in der Türkei. Kritiker sollen mundtot gemacht und dadurch Angst verbreitet werden. Aus meiner Sicht ist deshalb die AKP und der Familienclan Erdogan eine Terrororganisation und müßte sanktioniert werden. Es ist erschreckend, wie trotzdem viele deutsche Politiker diesen Depoten hofieren und für seine Besuche in Deutschland auch noch Steuergelder verschleudert werden. Dieses Geld sollte lieber den Opfern dieser Organisation zu Gute kommen......
sarapo29 18.11.2018
2. Frau Tolu hat ja recht
Die Tatsache dass sie auf die "stille Diplomatie" verwiesen wurde bedeutet aber halt leider nur eins: Die Unfähigkeit und Unwillen des Auswärtigen Amtes den Bürgern der Bundesrepublik Deutschland zu ihrem Recht zu verhelfen- stört dieses Recht doch die Geschäfte weniger, für Erdöl, Milliardenumsätze in der Rüstung oder politische Deals in der Flüchtlingspolitik ist man halt immer gerne sehr schnell bereit beide Augen zuzudrücken & wegzuschauen wenn es um Menschenrechte geht
phermana 18.11.2018
3. Gemeinschaftliche Taten
Die sog. Sicherheitsbehörden der beiden Staaten arbeiten seit Jahren zusammen. Es wird die Denunziationen ausschließlich auf die staatlichen oder halbstaatlichen Organzationen des ErdoganLandes geschoben. Insbesonders werden die linken und kurdischen Aktivisten regelrecht von den beiden staatlich organisierten Behörden verfolgt, in den Falle gelockt, inhaftiert und dann spielen die beiden Regierungen vor der Öffentlichkeit ihres schmutzige Spiel der Vertäuschung weiter. Nun interessiert sich ehrenwürdigerweise Bundesregierung für die Inhaftierung und Kasernierung der Uiguren in China, um den Preis des Schweigens in die Höhe zu treiben, während für die politischen deutschen Gefangenen in der Türkei die stille Diplomatie demonstriert wird. Anscheinend läuft das Geschäft reibungslos.
alterknacker54 18.11.2018
4. Zweierlei:
Frau Tolu hat natürlich recht! Dennoch möchte ich auf zwei Umstände hinweisen, die den Umgang mit diesem Komplex nicht gerade vereinfachen: 1. Wenn ein Deutschtürke in der Türkei im Knast landet, ist es für die Freilassungsbemühungen nicht besonders hilfreich, wenn er/sie auch noch einen türkischen Pass besitzt. In diesem Kontext ist der Doppelpass m.E. ziemlich kontraproduktiv! 2. Es wundert mich doch immer wieder, mit welcher Naivität Mitglieder der Kurdischen Diaspora in die Türkei reisen und dann im Knast landen. Das ist nicht korekt - klar! Aber das sollten auch die Kurden mittlerweile begriffen haben, dass sie um Kurdistan, soweit es in der Türkei liegt und um die gesamte Türkei einen großen Bogen machen müssen. Ungeachtet dieser beiden "Einwände" finde ich es natürlich alles andere als zielführend, wenn sich sie Außenminister der beiden Länder in Deutschland zu einer gemütlichen Teatime treffen, um irgendwelche Waffenlieferdeals zu vereinbaren. Es ist ein Hohn, wenn daraufhin nach mehr als 52 Wochen Haft in der Türkei der Weltjournalist Deniz Yzel freigelassen wird. Womöglich sollen wir dafür auch noch dankbar sein. Ich entschuldige mich somit in aller Form für diese Gro-KO-Regierungen, Frau Tolu, die ich übrigens nie gewählt habe.
geotie 18.11.2018
5.
Zitat von anno231sind immer wieder der Grund für willkürliche, grundlose Verhaftungen in der Türkei. Kritiker sollen mundtot gemacht und dadurch Angst verbreitet werden. Aus meiner Sicht ist deshalb die AKP und der Familienclan Erdogan eine Terrororganisation und müßte sanktioniert werden. Es ist erschreckend, wie trotzdem viele deutsche Politiker diesen Depoten hofieren und für seine Besuche in Deutschland auch noch Steuergelder verschleudert werden. Dieses Geld sollte lieber den Opfern dieser Organisation zu Gute kommen......
Es ist erschreckend, wie trotzdem viele deutsche Touristen noch in diesem Land Urlaub machen! Wenn man nicht gerade wirklich beruflich dorthin muss, dann sollte man es einfach meiden. Nur weil der Urlaub dort zurzeit so günstig ist, so eine Urlaubsverlängerung auf Staatskosten ist auch mit Leichtigkeit erreichbar, ist das noch lange kein Grund dort hinzufahren.
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