Deutsche Journalistin Mesale Tolu darf Türkei nicht verlassen

Die deutsche Journalistin Mesale Tolu muss auch vier Monate nach der Entlassung aus der Untersuchungshaft in der Türkei bleiben. Das entschied ein Gericht in Istanbul.

Mesale Tolu
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Mesale Tolu


Mesale Tolu darf die Türkei weiterhin nicht verlassen. Ein Gericht in Istanbul lehnte die Forderung der deutschen Journalistin ab, die Ausreisesperre für sie und ihren ebenfalls angeklagten Ehemann Suat Corlu aufzuheben.

Das Gericht entband Tolu aber von ihrer wöchentlichen Meldepflicht bei der Polizei. Sie war vor vier Monaten aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Der Prozess gegen Tolu, Corlu und 25 weitere Angeklagte wegen Terrorvorwürfen wird am 16. Oktober fortgesetzt.

Zum Auftakt des Prozesstages hatte Tolu ihren Freispruch gefordert. Sie und ihr Ehemann hatten das Gericht außerdem dazu aufgerufen, ihnen die Ausreise zu gestatten. "Als deutsche Staatsbürgerin will ich, dass mein Kind in dem Land, aus dem ich komme, in den Kindergarten geht", sagte Tolu. Tolu und Corlu haben einen dreijährigen Sohn, für den in Tolus Heimatstadt Ulm nach ihren Angaben ein Kindergartenplatz reserviert ist.

Die Staatsanwaltschaft wirft Tolu und den anderen Beschuldigten Terrorpropaganda und Mitgliedschaft in einer Terrororganisation vor. Die Angeklagten weisen das zurück. An dem Prozess nahm der deutsche Botschafter Martin Erdmann als Beobachter teil.

Im vergangenen Jahr war es wegen der Inhaftierung von Tolu, dem "Welt"-Korrespondenten Deniz Yücel und dem Menschenrechtler Peter Steudtner zu einer Krise zwischen Berlin und Ankara gekommen. Als letzter dieser drei deutschen Gefangenen wurde im Februar Yücel freigelassen. Er konnte - wie zuvor auch Steudtner - ausreisen. Immer noch sitzen aber nach Angaben des Auswärtigen Amtes mindestens fünf Deutsche aus politischen Gründen in der Türkei in Haft. Erst in der vergangenen Woche war gegen den deutsch-türkischen Sozialarbeiter Adil Demirci U-Haft wegen Terrorpropaganda verhängt worden.

als/dpa



insgesamt 18 Beiträge
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magehulu 26.04.2018
1. Türkische Politiker bleibt wo ihr seit
Ganz einfach, jeder weitere Besuch eines Türkischen Politikers, der Regierungspartei in Deutschland wird abgesagt. Ein solche, menschenverachtende Staat in Europa hat kein Recht hier demokratische Rechte zu fordern.
bwk 26.04.2018
2. Deutsche Journalistin
Hat sie nur den deutschen oder auch den türkischen Pass? Wenn ja, kann ich die türkische Justiz z.T. verstehen, denn damit ist sie ja in beiden Staaten justiziabel.
PaulchenGB 26.04.2018
3. Kritik an Erdogan und Justiz vom Journalistenverband,
Internationaler Presse, EU usw. prallen ab. Es stehen Wahlen an. Und was machen die türkischen Wähler einschließlich der wahlberechtigten Deutsch-Türken? Erdogan und seine Schergen werden wieder die absolute Mehrheit erreichen. Die Türken scheinen demnach mit der Diktatur zufrieden zu sein oder sind einfach zu einfältig und uninformiert.
Affenhirn 26.04.2018
4. Doppelte Staatsbürgerschaft
Zumindest Herr Yücel ist deutscher und türkischer Staatsbürger. Bei der ganzen Aufregung bei den Medien einschließlich SPON und auch den dabei eingespannten Politikern wird leider stets unterschlagen, dass die deutsche Politik bei türkischen Staatsbürgern - auch wenn sie gleichzeitig die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen - keinerlei Handlungsspielraum haben. Darauf wird jeder Bundesbürger hingewiesen, der eine doppelte Staatsbürgerschaft besitzt - egal für welches Zweitland. Das ist eben die mögliche Kehrseite doppelter Staatsbürgerschaft. Warum wird hier also immer wieder solch ein Geschrei gemacht?
BlasiusW 26.04.2018
5. Nur-Deutsche
Zitat von bwkHat sie nur den deutschen oder auch den türkischen Pass? Wenn ja, kann ich die türkische Justiz z.T. verstehen, denn damit ist sie ja in beiden Staaten justiziabel.
Nein, hat sie - im Unterschied zu Deniz Yücel - nicht.
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