Prozessfortsetzung in Istanbul Mesale Tolu fliegt zurück in die Türkei - und will sich verteidigen

Mesale Tolu musste monatelang auf ihre Ausreise aus der Türkei warten - nun kehrt sie zurück. Die deutsche Journalistin will sich vor Gericht gegen die Terrorvorwürfe verteidigen und Freispruch beantragen.

Mesale Tolu
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Mesale Tolu bleibt mutig: Nur knapp zwei Monate nach ihrer Ausreise fliegt die wegen Terrorvorwürfen in der Türkei angeklagte deutsche Journalistin zur Fortsetzung ihres Prozesses zurück. Dieser beginnt an diesem Dienstag um 11.00 Uhr Ortszeit (10.00 Uhr MESZ). Sie wolle sich persönlich gegen alle Vorwürfe verteidigen und Freispruch beantragen, sagte Tolu.

Mit ein Grund für die Reise: Sie will in Istanbul auch ihrem ebenfalls angeklagten Mann Suat Corlu zur Seite stehen. Zur Verhandlung selbst wollte sich Tolu "aus Sicherheitsgründen" nicht äußern. Ihre Anwältin Kader Tonc sagte, sie erwarte am Dienstag kein Urteil.

Der 33-jährigen Tolu wird die Mitgliedschaft in einer Terrororganisation vorgeworfen - gemeint ist die linksextreme Marxistisch-Leninistische Kommunistische Partei MLKP. Die Journalistin und Übersetzerin war Ende April 2017 in Istanbul festgenommen worden und saß mehr als sieben Monate lang in Untersuchungshaft.

"Ihr angebliches Verbrechen ist kritischer Journalismus"

Im Dezember kam sie zwar frei, ihre Ausreisesperre wurde jedoch erst Monate später aufgehoben. Ende August kehrte Tolu dann mit ihrem dreijährigen Sohn nach Deutschland zurück. Ihrem Mann, der türkischer Staatsbürger ist, wurde die Ausreise bislang verwehrt.

"Es wird höchste Zeit, Mesale Tolu von den absurden Terrorvorwürfen freizusprechen und die Ausreisesperre gegen ihren Mann aufzuheben", sagte der Geschäftsführer der Organisation Reporter ohne Grenzen, Christian Mihr. "Ihr angebliches Verbrechen ist kritischer Journalismus, den Präsident Erdogan mit beispielloser Härte unterdrückt."

Die endgültige Entscheidung, persönlich an dem Verfahren teilzunehmen, sei am Sonntag nach Rücksprachen mit ihren Anwälten getroffen worden, sagte ein Sprecher von Tolus Unterstützergruppe.

Tolus Anwälte: Keine Gefahr einer erneuten Festnahme

Die Juristen seien der Meinung, dass keine Gefahr einer erneuten Festnahme der deutschen Staatsbürgerin bestehe. Sollte dies doch geschehen oder sollte sie in dem Gerichtsverfahren eine Gefängnisstrafe erhalten, werde der Solidaritätskreis "Freiheit für Mesale Tolu" in Deutschland erneut Protestaktionen organisieren.

Tolu hatte in Istanbul für die linke Nachrichtenagentur Etha gearbeitet. Ihr Fall hatte im vergangenen Jahr die Beziehungen der Türkei zu Deutschland schwer belastet - ebenso wie die Inhaftierung des "Welt"-Reporters Deniz Yücel und des Menschenrechtlers Peter Steudtner. Beide sind inzwischen ebenfalls frei und zurück in Deutschland.

Noch immer sitzen nach offiziellen Angaben jedoch fünf Deutsche aus politischen Gründen in türkischen Gefängnissen. Darunter ist der Kölner Adil Demirci, der ebenfalls für die Agentur Etha gearbeitet hatte und dem wie Tolu die Mitgliedschaft in der MLKP vorgeworfen wird. Diese gilt in der Türkei als Terrororganisation.

dop/dpa



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