Deutsche Journalistin Mesale Tolu in Stuttgart gelandet

Sieben Monate lang saß Mesale Tolu im Gefängnis in der Türkei. Seit Dezember durfte sie nicht ausreisen. Jetzt landete die Journalistin in Deutschland - und erklärte, warum sie ihre Rückkehr nur bedingt genießen kann.

Mesale Tolu nach der Ankunft in Stuttgart
RONALD WITTEK/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Mesale Tolu nach der Ankunft in Stuttgart


Die wegen Terrorvorwürfen in der Türkei festgehaltene deutsche Übersetzerin und Journalistin Mesale Tolu ist in Stuttgart gelandet. Noch am Vormittag hatte sie selbst von einem türkischen Flughafen aus getwittert: "Nach 17 Monaten geht es zurück nach Hause." Ein Foto zeigte sie mit ihrem dreijährigen Sohn und einem kleinen Rollkoffer auf dem Weg durch ein Terminal:

Bei einer Pressekonferenz nach ihrer Ankunft in Stuttgart sagte Tolu, sie könne die Rückkehr in die Heimat nur bedingt genießen. Sie sei zwar wieder in Deutschland, aber Hunderte Journalisten, Oppositionelle, Anwälte und Studenten seien immer noch nicht frei. "Es ist nicht so, dass ich mich wirklich über die Ausreise freue, weil ich weiß, dass sich in dem Land, in dem ich eingesperrt war, nichts verändert hat." Tolu kündigte an, sie wolle sich weiter für die Menschen einsetzen, die in der Türkei aus politischen Gründen inhaftiert seien.

Die türkische Regierung wirft Tolu Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation vor - gemeint ist die MLKP, eine linksextreme Gruppe, die in der Türkei verboten ist. Tolu, die die Vorwürfe abstreitet, saß 2017 mehr als sieben Monate lang im Gefängnis. Der Fall Tolu - sowie die Inhaftierungen von "Welt"-Korrespondent Deniz Yücel und Menschenrechtsaktivist Peter Steudtner - hatten die Beziehungen zwischen der Türkei und Deutschland schwer belastet.

Im Dezember war Tolu freigelassen worden, aber die Ausreisesperre wurde erst vor wenigen Tagen überraschend aufgehoben. Der Prozess gegen sie wird in Abwesenheit weitergehen. Der nächste Verhandlungstermin ist für Mitte Oktober angesetzt. Tolus Ehemann, Suat Corlu, ist im selben Verfahren angeklagt. Seine Ausreisesperre besteht jedoch nach wie vor. Tolu und ihr Sohn sollen nach Angaben ihrer Familie nach der Ankunft erst einmal bei ihrem Vater in Neu-Ulm wohnen.

Die Aufhebung von Tolus Ausreisesperre steht exemplarisch für eine Serie von Annäherungsversuchen der Türkei an Europa und speziell Deutschland. Mit den USA hat sich die Regierung wegen des in der Türkei festgehaltenen US-Pastors Andrew Brunson überworfen. US-Präsident Donald Trump hatte Sanktionen und Strafzölle gegen die Türkei verhängt, um Brunson freizubekommen, Ankara erwiderte die Sanktionen. Das befeuert eine Währungskrise, die Präsident Erdogan unter Druck setzt.

eth/dpa



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