Mesale Tolu nach Freilassung "Ich bin müde, aber glücklich"

Sie lächelt, sieht glücklich aus: Mesale Tolu ist auf freiem Fuß - und selbst überrascht darüber. Die deutsche Journalistin hofft, dass nun auch Deniz Yücel freikommt.

Mesale Tolu
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Mesale Tolu


Nach mehr als sieben Monaten Untersuchungshaft in der Türkei hat sich die deutsche Journalistin Mesale Tolu erleichtert über ihre Freilassung gezeigt. "Ich bin müde, aber glücklich", sagte Tolu am Abend in der Kanzlei ihrer Anwälte in Istanbul.

Ein Gericht in Istanbul hatte am Montag die Freilassung von Tolu und fünf türkischen Angeklagten aus der Untersuchungshaft angeordnet. Gegen sie wurde eine Ausreisesperre verhängt. Der Prozess wegen Mitgliedschaft in einer Terrorvereinigung läuft weiter. Der nächste Termin ist am 26. April.

"Ich bin sehr glücklich, dass ich auf freiem Fuß bin", sagte sie im Büro ihres Anwalts. "Ich habe acht schwierige Monate durchgemacht." Die Freilassung sei für sie überraschend gekommen, weil sich in der Türkei "nicht immer das Recht durchsetzt". Ihre Behandlung durch die türkischen Behörden bezeichnete Tolu als "Skandal".

Die Journalistin äußerte die Hoffnung, dass nun auch der "Welt"-Korrespondent Deniz Yücel freigelassen wird. "Wir sind beide Journalisten, die dem Staat ein Dorn im Auge sind", sagte die 33-Jährige aus Ulm. "Ich hoffe, dass auch er so bald wie möglich seine Freiheit genießen kann."

Deniz Yücel gehört zu nun noch acht Deutschen, die in der Türkei aus politischen Gründen in U-Haft sitzen und deren Freilassung die Bundesregierung fordert. Tolu sagte, zwar werfe die Anklage ihr vor, Mitglied einer Terrororganisation zu sein. Der wahre Grund ihrer Inhaftierung sei aber gewesen, "dass ich Mitglied einer freien Presse bin. Sie haben versucht, mich zu ängstigen, weil sie wussten, dass ich einen kleinen Sohn habe." Der inzwischen dreijährige Sohn hatte knapp ein halbes Jahr bei der Mutter im Gefängnis verbracht.

kry/dpa/AFP

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recepcik 19.12.2017
1. Woher dieser Sinneswandel ?
Erdogan scheint in wirtschaftliche und politische Nöte geraten zu sein. Er persönlich hat diese Geiselnahmen angeordnet um in der Not sie zu barer Münze umzuwandeln. Sein engster Umfeld ist in den Paradise Paper Skandal verwickelt , in den USA läuft der Prozeß gegen den iranischen Unternehmer Reza Zarraf, der mit Hilfe der türkischen Regierung und der Staatsbank Halkbank, das Embargo gegen den Iran umgangen ist. Glück hat er, daß ihm Trump mit der Jerusalem Entscheidung zur Hilfe geeilt ist und somit er von den Skandalen ablenken konnte. Aber mit den USA erlebt die Türkei ihre größte Krise seit der Besatzung von Zypern. Die Aussicht auf USA Visa wurde auf Januar 2019 vertagt. Klar lässt Erdogan jetzt die europäischen Geiseln frei um seine Wirtschaft anzukurbeln und damit auch wieder europäisches Kapital in die Türkei fließt. Blöd ist nur daß viele europäische Politiker diese Spielchen mit dem Paten von Bosporus mitmachen.
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