Mesale Tolu Türkische Staatsanwaltschaft fordert offenbar 15 Jahre Haft für deutsche Journalistin

Die deutsche Journalistin Mesale Tolu sitzt seit Monaten in einem türkischen Gefängnis, bei ihr ist ihr zweijähriger Sohn. Laut Medienberichten droht ihr wegen "Terrorpropaganda" eine lange Gefängnisstrafe.

Kampagne für die Freilassung von Mesale Tolu
DPA

Kampagne für die Freilassung von Mesale Tolu


Die deutsche Journalistin Mesale Tolu muss womöglich für Jahre in der Türkei in Haft. Laut der regierungskritischen Nachrichtenagentur Etkin News Agency (ETHA), für die Tolu gearbeitet hat, forderte die Staatsanwaltschaft 15 Jahre Gefängnis für die deutsche Journalistin. Ein Gericht habe die Anklageschrift bereits angenommen. Zuvor hatte die "Bild" über den Fall berichtet.

Tolu war am 30. April in Istanbul festgenommen worden, ihr werden "Terrorpropaganda" und "Mitgliedschaft in einer Terrororganisation" vorgeworfen. Ihr Ehemann Suat Corlu befindet sich ebenfalls in Untersuchungshaft. Ihr gemeinsamer, zweijähriger Sohn lebt abwechselnd bei einem Elternteil im Gefängnis.

Die 33-Jährige hat in Istanbul als Journalistin und Übersetzerin für die linke Nachrichtenagentur Etkin News Agency und den Radiosender Özgür Radyo gearbeitet, der nach dem Putschversuch geschlossen wurde. Sie hat vor allem in ihren Tweets regelmäßig die türkische Regierung kritisiert.

Prozess soll im Oktober beginnen

Der Fall ähnelt jenem des "Welt"-Korrespondenten Deniz Yücel, der sich seit Februar in der Türkei in Untersuchungshaft befindet - mit einem Unterschied: Tolu besitzt ausschließlich die deutsche Staatsbürgerschaft. Sie hat ihren türkischen Pass 2007 abgegeben. Seit dem gescheiterten Putschversuch vom 15. Juli 2016 wurden mehr als 150 Journalisten in der Türkei verhaftet.

Die Türkei hatte die Bundesregierung erst Wochen später über die Verhaftung Tolus informiert und damit gegen internationales Recht verstoßen. Erst Anfang Juni durften deutsche Diplomaten Tolu in einem Istanbuler Frauengefängnis besuchen.

Der Prozess gegen Tolu soll am 11. Oktober beginnen, sagte ihr Vater Ali Riza Tolu der Nachrichtenagentur dpa. Zuvor soll am 22. August ein Richter entscheiden, ob die Journalistin vorübergehend aus der Haft entlassen werden kann.

koe



insgesamt 78 Beiträge
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Benjowi 05.08.2017
1. Was lässt sich Deutschland und die EU noch alles bieten?
Man kann nur hoffen, dass sich die deutsche Regierung sowas nicht mehr bieten lässt -so es denn ausgeht wie beschrieben- und den Preis für die Türkei in angemessene Höhen schraubt. Ansonsten geht der Wert der Pressefreiheit auch hierzulande langsam gegen Null. Dieses Land entwickelt sich für Deutsche zur NoGo-Area!
fredo_scs 05.08.2017
2. Eigentlich
Eigentlich erwarte ich an dieser Stelle von unseren türkischstämmigen Mitbewohnern Meinungsäußerungen. Ganz besonders wäre ich gespannt auf Stellungnahmen von Denjenigen, welche auf deutschem Boden Erdogan zugejubelt haben.
raimundo 05.08.2017
3. Gesisteskranke an der Macht
Da kann man schon sehen was für Idioten durch Erdogan an die Macht gebracht werden. Und Unsere Regierung lässt sich von dem noch verarschen! Ich warte nur noch bis er die Todesstrafe einführt,dann hoffe ich, das sie bei ihm auch exerziert wird wenn sich der Spiess beim volk umdreht und die merken was sie da an die Macht gehieft haben.
sb411 05.08.2017
4. peinliche Bundesregierung
Deutsche Staatsbürger einfach wegzusperren wäre eigentlich Grund genug, die Beziehungen mit der Türkei grundlegend zu überdenken. Derzeit gibt es kein Land der Welt, dass sich Deutschland gegenüber so feindselig verhält. Und was macht die Bundesregierung? Sie begnügt sich mit einer Reisewarnung. Dabei wären massive Sanktionen nötig. Wie man es richtig macht, hat Russland gezeigt. Die haben heftig, aber offensichtlich richtig reagiert, denn binnen Wochen wurde aus dem Wolf Erdogan ein Schoßhund.
pit66 05.08.2017
5. Jedesmal wenn ich einen Artikel dieser Art lese ...
... dann frage ich mich, wie man es mit seinem Gewissen vereinbaren kann, in der Türkei Urlaub zu machen und damit indirekt auch Erdogan zu unterstützen. Aber mit dem "Argument" das einfache Volk kann ja nichts dafür, kann man sich alles schön reden.
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