Türkischer Minister zum Streit um Incirlik "Wenn die Deutschen gehen wollen, ist das ihre Sache"

Berlin solle aufhören, sein Land herablassend zu behandeln: Der türkische Außenminister hat auf die Kritik am Besuchsverbot für deutsche Abgeordnete in Incirlik reagiert. Den Abzug der 260 Bundeswehrsoldaten würde Ankara "nicht behindern".

Mevlüt Cavusoglu
AFP

Mevlüt Cavusoglu


Deutschland steht es nach den Worten des türkischen Außenministers Mevlüt Cavusoglu frei, seine Truppen vom türkischen Stützpunkt Incirlik abzuziehen. In einem Interview mit dem türkischen TV-Sender NTV sagte der Minister, Deutschland solle aufhören, sein Land herablassend zu behandeln. Die Türkei werde nicht darum "betteln", dass die Deutschen bleiben: "Wenn sie gehen wollen, ist das ihre Sache."

Zum wiederholten Mal hatte die türkische Regierung in dieser Woche Mitgliedern des Verteidigungsausschusses einen Besuch in Incirlik verweigert.

Möglicherweise steht dies im Zusammenhang mit der in Deutschland erfolgten Gewährung von politischem Asyl für mehrere türkische Soldaten und deren Angehörige. Sie werden wegen ihrer mutmaßlichen Verstrickung in den Putschversuch vom Juli 2016 in der Türkei gesucht.

Die Bundesregierung erwägt jetzt erstmals den Abzug der rund 260 Soldaten, die sich von Incirlik aus mit "Tornado"- Aufklärungsflugzeugen am Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) beteiligen.

Der favorisierte Alternativstandort liegt in Jordanien. Kommende Woche findet ein Nato-Gipfel in Brüssel statt, bei dem es zu einem Treffen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan kommen könnte.

mho/dpa/Reuters/AP

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Seite 1
hugetin 18.05.2017
1. Zypern
Statt nach Jordanien wäre eine Verlegung der Truppen nach Zypern die bessere Antwort auf die ständigen Provokationen aus Ankara.
harms 18.05.2017
2. Na bitte,
das ist doch mal ne klare Aussage des Erdogan Vasallen: der Abzug wird nicht behindert. Also: nix wie weg aus Incirlik, bevor es sich der Sultan anders überlegt. Schnelle Lösung ohne Streß.
Graphite 18.05.2017
3. höflicher Ruaswurf?
darf das als höflicher rauswurf gewertet werden? Natopartner haben ein Recht darauf Ihre Truppen auf den Nato-Stützpunkten zu besuchen. dieses Recht wurde nun zum wiederholten male verwehrt. ich finde es gut, dass wir uns mit den USA über dieses Verhalten abstimmen wie es weiter geht. Der Abzug sollte als letztes Mittel in Erwägung gezogen aber nicht ausgeschlossen werden! Wenn die Sultanregierung in der Türkei so weiter macht isolieren sie sich vollständig. die versprochenen Investoren bleiben ja jetzt schon weg! Aber eine sarkastische Gegenfrage muss erlaubt sein: Wenn deutschtürken in Ihre heimat fahren und Deutschland verweigert Ihnen die Wiedereinreise nach Deutschland schreit dann der Sultan auch nach Gerechtigkeit?
Analog 18.05.2017
4. Soldaten abziehen,
fertig und dann nicht auf jede Provokation reagieren. Die Türken entfernen sich dem Westen, schade eigentlich, aber wenn die das so wollen, dann haben wir das zu akzeptieren. Wird vielleicht auch mal wieder anders...
archivdoktor 18.05.2017
5. In Ordnung!
Ist doch okay! Die Bundeswehr zieht sich aus Incirlik zurück und die Welt dreht sich weiter....Es war ein Fehler, die BuWe auf Bitten der Türken dorthin zu schicken so etwas ist immer mit Risiko verbunden, vor allem bei so "sensiblen" Staatsmännern wie Erdogan. Auf der anderen Seite sollte man sich nicht überall einmischen - egal ob TR, Russland, USA, Österreich oder Ungarn. Die Welt sollte nicht am deutschen Wesen genesen.....Wir haben gebug Probleme im eigenen Land - und man sollte die anpacken und alle anderen Länder in Ruhe lassen!
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