MH17-Opfer Separatisten übergeben nur 200 Leichen

Von jedem dritten Passagier fehlen die sterblichen Überreste: Die prorussischen Separatisten haben deutlich weniger Todesopfer von Flug MH17 in die ostukrainische Stadt Charkiw gebracht als erwartet.

Eintreffen des Zuges in Charkiw: Weniger Leichen als erwartet in den Kühlwaggons
DPA

Eintreffen des Zuges in Charkiw: Weniger Leichen als erwartet in den Kühlwaggons


Hamburg - Die Übergabe erfolgte am Dienstagmittag: In der ostukrainischen Stadt Charkiw, die von der Kiewer Regierung kontrolliert wird, rollte ein Zug mit Kühlwaggons voller Leichen ein. Allerdings waren es deutlich weniger Tote, als westliche Experten erhofft hatten.

In den Kühlwaggons befanden sich die sterblichen Überreste von lediglich 200 Passagieren des Unglücksfluges MH17, wie Interpol am Abend mitteilte. Erwartet worden waren rund 280 Tote sowie Leichenteile weiterer Personen. Wie es zu der Diskrepanz kommen konnte, war zunächst unklar.

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hatte sogar mit einer Übergabe von 290 Leichen gerechnet, wie die "Washington Post" berichtet. Das sei die letzte Anzahl an geborgenen Körpern, die der OSZE genannt worden sei, berichtet die Zeitung unter Berufung auf OSZE-Sprecher Michael Bociurkiw. "Wir haben keine Möglichkeit, diese Zahl zu verifizieren", zitiert ihn das Blatt.

Insgesamt waren bei dem Absturz von Flug MH17 alle 298 Menschen an Bord ums Leben gekommen, die meisten von ihnen Niederländer. Das Flugzeug des Malaysia Airlines war in der vergangenen Woche auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur ganz offensichtlich abgeschossen worden. Die genauen Hintergründe sind allerdings noch unklar.

Die sterblichen Überreste der getöteten Passagiere von Flug MH17 waren nach Angaben von Interpol vor der Abfahrt des Zuges in der Rebellenhochburg Donezk gekennzeichnet worden. In Charkiw würden sie nun von einem Team der internationalen Polizeiorganisation und anderen internationalen Experten vorläufig untersucht. Danach ist vorgesehen, die Opfer in die Niederlande zu bringen.

Die prorussischen Milizen hatten einen Großteil der Opfer des Flugzeugabschusses geborgen und zunächst in den gekühlten Zug bei Donezk gebracht. Die Ukraine und die USA hatten die Separatisten dafür kritisiert, internationalen Ermittlern keinen Zugang zur Absturzstelle zu gewähren. Erst am Montag durfte eine internationale Expertenkommission um niederländische Ermittler mit der ersten Untersuchung der Toten beginnen und die Kühlwaggons des Zuges öffnen. Am Dienstagmittag erfolgte dann die Übergabe des Zuges in Charkiw. Bereits in der Nacht von Montag auf Dienstag hatten die Separatisten die Blackboxes von Flug MH17 an malaysische Experten ausgehändigt.

jbe/dpa

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bambus 22.07.2014
1. Hat wirklich jemand erwartet
die Terroristen würden plötzlich offen und ehrlich agieren? Vermutlich werden sie auch noch eine Rechnung stellen, nach deren Begleichung erst sie die restlichen Toten freigeben... Die Leichen haben sie ja schon geplündert, jetzt läßt sich vlt. so noch etwas mehr rausholen
Aegir 22.07.2014
2. .
Hmm, komisch, die ukrainischen Behörden hatten ja gestern gemeldet, alle Toten seien gefunden und schienen sich da ziemlich sicher zu sein.
Hans58 22.07.2014
3.
Zitat von bambusdie Terroristen würden plötzlich offen und ehrlich agieren? Vermutlich werden sie auch noch eine Rechnung stellen, nach deren Begleichung erst sie die restlichen Toten freigeben... Die Leichen haben sie ja schon geplündert, jetzt läßt sich vlt. so noch etwas mehr rausholen
Wenn "Laien" versuchen, in einem riesigen Absturzgebiet Leichen oder Leichenteile zusammen zu tragen, dann wundert es nicht, dass bisher nicht alle Leichen gefunden wurden. Es fehlt erkennbar an dem Willen oder an der Möglichkeit, systematisch in dem Gebiet zu suchen.
sebfierce 22.07.2014
4. Warum solche Aktionen wenns die Ukrainer waren?
Wenn ein ukrainisches Jagdflugzeug MH17 abgeschossen hat, wie es die aktuelle russische Verschwörungstheorie will, warum werden dann Beweismittel zurück gehalten? Warum geben die Separatisten nicht die Absturzstelle und alle Beweismittel frei um sich von den Vorwürfen rein zu waschen? Stattdessen werden Leichen von diesen Verbrechern zurück gehalten, ferngehalten ihrer Heimat, einem pietätvollen Umgang und einem Begräbnis. Zu welchem Zweck? Wahrscheinlich um zu verschleiern, dass die Menschen von Schrapnell getroffen wurden, wie es ausgestoßen wird bei der Detonation einer SAM.
fab64 22.07.2014
5.
Zitat von AegirHmm, komisch, die ukrainischen Behörden hatten ja gestern gemeldet, alle Toten seien gefunden und schienen sich da ziemlich sicher zu sein.
Wer hat denn gezählt? Waren ukrainische Behörden vor Ort?
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