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Miami: Exilkubaner bejubeln Castros Erkrankung

Jubel auf den Straßen in Florida: Die Nachricht von der Erkrankung Fidel Castros beglückt die Exilkubaner. Jetzt hoffen sie auf den Tod des verhassten Machthabers - und auf ihre baldige Rückkehr in die Heimat.

Havanna/Washington - Sie haben Jahrzehnte auf diese Nachricht gewartet: Fidel Castro ist nicht mehr das Oberhaupt von Kuba - zumindest vorübergehend nicht. Binnen Minuten hat sich die Neuigkeit von der schweren Krankheit Fidel Castros in der kubanischen Gemeinde in Miami herumgesprochen. Tausende Exilkubaner versammeln sich auf den Straßen im Viertel "Little Havanna". "Kuba! Kuba! Kuba!"- Rufe schallen durch die Straßen, Autos hupen. Ungläubigkeit vermischt sich mit Nostalgie.

Viele Menschen hoffen, nach Jahrzehnten erstmals wieder in ihr Heimatland Kuba zurückkehren zu können. Sie erinnern sich an ihre eigene Flucht - rauchen Zigarren, tanzen ausgelassen. Tausende kubanische Flaggen wehen durch die Sommerluft. "Wir wünschen ihm einen langsamen und schmerzhaften Tod", sagt Lourdes Cambo, der vor einem Restaurant in Havanna feiert, der Zeitung "Miami Herald".

In den fünf Jahrzehnten von Castros Herrschaft sind Hundertausende Kubaner aus ihrer Heimat geflohen. Zehntausende ließen sich im Süden Floridas nieder.

Auch in Hialeah, einer Stadt im Nordwesten Miamis, in der viele Kubaner leben, wird gefeiert. Unter den Jubelnden ist Armando Telles. Der 33-Jährige sitzt auf der Motorhaube seines roten Trucks und sagt: "Das ist ein einzigartiges Erlebnis in der Geschichte Kubas, nie hatten die Menschen mehr Hoffnung." Glücklich sieht er den vorbeifahrenden Autokorsos zu. Zuerst habe er die Nachricht von der Krankheit Castros nicht geglaubt. "Meine zweite Reaktion aber war Hoffnung", sagt auch der 34-jährige Orlando Pino, der einhändig mit dem Fahrrad die Straße entlang fährt - in der anderen Hand hat er eine kubanische Flagge. Wenn Castro stirbt, werde er nach Kuba zurückgehen, sagt er.

In seiner Heimat aber, glaubt Pino, gebe es große Trauer. Viele Menschen hätten Castro geliebt, und es werde lange dauern bis die Kubaner aus ihrem Traum aufwachen würden. Schließlich hätten seine Landsleute lange Zeit unter dem Diktator gelebt und sich an ihn gewöhnt - im Guten wie im Schlechten.

Nachdem die Nachricht von der Krankheit Fidel Castros und der Übernahme der Amtsgeschäfte durch seinen Bruder Raul die Runde gemacht hat, verbreitet sich in den kubanischen Hochburgen in Süd-Florida das Gerücht, Fidel sei bereits tot. Isabel Aguero Kling glaubt, man wolle die Menschen einfach nur langsam auf seinen Tod vorbereiten. Ihre Großmutter sei in Kuba 15 Jahre im Gefängnis gewesen. "Den Rest ihres Lebens hat sie auf einen Tag wie diesen gewartet", sagt Isabel Aguero Kling.

Andere vermuten das Gegenteil: Castro sei nicht krank, sondern man wolle nur austesten, wer auf Kuba die Feinde und wer die Freunde des Diktators seien, sagt Arturo Cobo, ein exilkubanischer Aktivist. Es komme ihm seltsam vor, dass die kubanische Regierung die Operation Castros publik gemacht habe.

Lincoln Diaz-Balart, ein republikanischer Politiker aus Miami, nennt die Nachricht von Castros Krankheit eine "Erinnerung daran, dass das Regime des Diktators sich dem Ende nähert." Er mahnt, die einzige Lösung für die Zukunft seien freie Wahlen und die Herrschaft der Gesetze.

Die US-Regierung, die seit Jahrzehnten einen Führungswechsel in Kuba anstrebt, äußerte sich zurückhaltend. Der Sprecher des Weißen Hauses, Peter Watkins, erklärte: "Wir beobachten die Situation. Wir können über Castros Gesundheit nicht spekulieren, aber wir arbeiten weiter für den Tag, an dem Kuba seine Freiheit erlangt."

Vorsicht in Washington - Menschenmassen auf den Straßen in Miami. Die Polizei rechnet aber nicht mit Ausschreitungen. Es habe in den letzten Jahren immer wieder Gerüchte über den Tod Castros gegeben. "Wir haben immer damit gerechnet, dass es zu großen fröhlichen Feiern kommt - und nicht zu Massenunruhen," sagt Polizeisprecher Delrish Moss.

"Auf diesen Moment hat die Gemeinde der Exilkubaner schon immer gewartet!", sagt der Aktivist Cobo. Das ist der glücklichste Tag in meinem Leben!" ruft eine Frau in die Nacht hinein.

anr/AP/dpa/Miami Herald

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