Affäre um Playmate US-Präsident soll von Schweigegeld gewusst haben

Anwalt Michael Cohen schnitt 2016 ein Telefonat mit seinem Mandanten Donald Trump mit, CNN veröffentlichte nun Auszüge. Sie legen nahe, dass der US-Präsident über Zahlungen an ein Ex-Playmate informiert war.

Michael Cohen
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Michael Cohen


Der Sender CNN hat eine Audiodatei veröffentlicht, deren Existenz in den USA seit Tagen für Schlagzeilen sorgt: Anwalt Michael Cohen hatte im September 2016 mindestens ein Telefonat mit seinem damaligen Klienten Donald Trump zu einer Schweigegeldzahlung an ein Ex-Playmate in Teilen aufgezeichnet. CNN veröffentlichte die Aufnahme nun in der Sendung "Cuomo Prime Time" und außerdem online. Cohens Anwalt Lanny Davis stellte sie dem Sender zur Verfügung.

Die Aufnahme ist von schlechter Qualität, häufig ist nur teilweise oder gar nicht zu verstehen, was genau Trump und Cohen besprechen. Der Mitschnitt legt aber nahe, dass Trump über mögliche Zahlungen an das ehemalige Playmate Karen McDougal im Bilde war.

Donald Trump und Karen McDougal
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Donald Trump und Karen McDougal

McDougal hat angegeben, im Jahr 2006 eine Affäre mit Trump gehabt zu haben, da war dieser bereits mit Melania verheiratet. Wenige Monate vor der Wahl wollte McDougal die Geschichte in der Boulevardzeitschrift "The National Enquirer" platzieren. Der Verlag des Enquirer, AMI, gab ihr für die Exklusivrechte im August 2016 gut 150.000 Dollar. Doch die Geschichte wurde nicht veröffentlicht - offenbar wollte der Verlag die unangenehme Geschichte aus Rücksicht auf Trump beerdigen. AMI steht unter der Kontrolle des langjährigen Trump-Freundes David Pecker.

In dem Telefonat zwischen Trump und Cohen sprechen die beiden darüber, ob Trump die Rechte an der Geschichte von AMI kaufen sollte. "Wir müssen zahlen", sagt Cohen an einer Stelle. Von Trump ist ein "mit Bargeld" zu hören, allerdings ist anhand der Aufnahme unklar, ob er das befürwortet oder ablehnt. Cohen sagt daraufhin "nein, nein", dann bricht die Aufzeichnung ab. Die Rechte an der Geschichte hatten Trump und Cohen damals nicht gekauft.

Trumps Anwalt Rudolph Giuliani sagte nach der Veröffentlichung durch CNN, Trump habe niemals vorgeschlagen, bar zu bezahlen. Er habe mit einem Scheck zahlen wollen, um die Sache sauber zu dokumentieren. "Der Präsident wollte es richtig machen", sagte Giuliani.

Cohens Anwalt Davis interpretiert die Aufzeichnung anders. "Hören Sie sich das Tape an. Donald Trump ist nicht schockiert, dass im Zusammenhang mit einer Karen McDougal Geld fließt", sagte er CNN. Sein Mandant habe "die Wahrheit auf seiner Seite und werde auch weiterhin die Wahrheit sagen".

Cohen, der jahrelang eng mit Trump zusammenarbeitete, ist seit Monaten Ziel einer umfangreichen FBI-Untersuchung. Fahnder hatten im April bei Durchsuchungen von Cohens Büros und seinem Hotelzimmer in New York zahlreiche Beweismittel sichergestellt - darunter die sogenannten Trump-Tapes (mehr dazu lesen Sie hier).

aar

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Seite 1
antelatis 25.07.2018
1. Was mich bei der Sache interessiert...
...was würde denn passieren, wenn es so wäre? Bei Trump war es bis jetzt ja immer so, dass seine ganzen Skandale keinerlei Auswirkungen gehabt haben - er kann praktisch machen, was er will. Wie ist das hier, hätte er da irgendwas zu befürchten, oder wäre es auch nur ein weiterer Fettnapf in seiner Sammlung, den eigentlich niemand mehr interessiert?
San Celeste 25.07.2018
2. Moralische
Inferiorität an allen Ecken und Enden. Für Die Gefahr ist, sich einfach daran zu gewöhnen. Man sollte das nicht. Auch die unterstützende Polit-Entourage sollte man nicht vergessen und in der Zeit nach D. T. nicht aus der Verantwortlichkeit entlassen.
vitalik 25.07.2018
3.
Zitat von antelatis...was würde denn passieren, wenn es so wäre? Bei Trump war es bis jetzt ja immer so, dass seine ganzen Skandale keinerlei Auswirkungen gehabt haben - er kann praktisch machen, was er will. Wie ist das hier, hätte er da irgendwas zu befürchten, oder wäre es auch nur ein weiterer Fettnapf in seiner Sammlung, den eigentlich niemand mehr interessiert?
Wie kommen Sie darauf, dass Trump machen kann was er will? Es ist doch eher so, dass jede Nebensächlichkeit einfach breitgetreten wird, aber in der Realität eben weiterhin eine Nebensächlichkeit bleibt. Sollte es in der nahen Zukunft bei den "richtigen" Themen (Russland-Affäre usw.) Beweise/Anklage geben, dann wird man Trump schon absetzen. Aber aktuell wird jeder Fettnapf zum Absetzungsgrund sterilisiert.
Pfaffenwinkel 25.07.2018
4. Käufliche Liebe
ist für Trump nicht ungewöhnlich. Schon seine Eltern haben ihm als jungen Mann solche Mädchen zugeführt, wie aus seiner Biographie hervorgeht. Was ihm wirklich schadet, sind seine Lügen in dieser Sache.
aljoschu 25.07.2018
5. Präsidentiale Vorrechte
Wir sollten einfach anerkennen, was in viele präsidentialen Demokratien und Monarchien der Welt, siehe Frankreich, Spanien und besonders die USA, ein weitgehend akzeptiertes Vorrecht des Präsidenten bzw Monarchen ist, nämlich sich trotz bürgerlicher Ehe ein rein auf sexuellen Lustgewinn ausgerichtete Nebenbeziehung zu verschaffen. Spätestens seit Kennedy ist das sogar - neben der Entschlossenheit zum militärischen Angriff auf ein fremdes Land - der Ausweis präsidentialer Potenz und Amtsreife. Dabei gab es sogar Präsidenten, die die Schutzbedürftigkeit und Abhängigkeit von heranwachsenden Praktikantinnen schamlos für ihre eigene phallische Befriedigung ausbeuteten. Trump hatte dagegen lediglich ein bezahltes Verhältnis zu einer erwachsenen Hure. So what? Es gibt nichts, aber auch gar nichts, was wir oder die Amerikaner ihm vorzuwerfen hätten! Er hat seinen von uns geforderten Beweis für Männlichkeit geliefert. Der Beweis für seine amtliche Skrupellosigkeit ist er uns noch schuldig. Aber, soweit man vernimmt, arbeitet er gerade mit dem Iran auch daran. Alles andere ist Heuchelei und dient nur dazu, die Öffentlichkeit zu manipulieren.
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