Trumps Sicherheitsberater Flynn Hardliner mit Putin-Connection

Michael Flynns Kontakte nach Russland sind umstritten, er nennt Angst vor dem Islam "rational": Trotzdem wird der einstige Drei-Sterne-General und Geheimdienstchef Sicherheitsberater von Donald Trump.

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Die Nachricht klingt zunächst gar nicht mal so beunruhigend: Der ehemalige Drei-Sterne-General Michael Flynn wird der nationale Sicherheitsberater von Donald Trump. Als Ex-Geheimdienstmann und hochrangiger Militär bringt er jahrelange Erfahrung (unter anderem aus Afghanistan und dem Irak) ins Kabinett des ganz und gar unerfahrenen Präsidenten.

Aber dann sieht man dieses Video vom Parteitag der Republikaner in Cleveland im Sommer: Flynn beschimpft in seiner Rede Trumps Rivalin Hillary Clinton und stachelt die Menge erfolgreich immer wieder zu "Lock-her-up"-Rufen auf - "Sperrt sie ein!" Flynn behauptet auch: "Wenn ich nur ein Zehntel von dem getan hätte, was sie getan hat, säße ich längst im Gefängnis".

Als National Security Adviser wird der 57-Jährige Chef von 400 Mitarbeitern und berät den US-Präsidenten in der Außen- und Sicherheitspolitik. Schon zu Wahlkampfzeiten gab Flynn dem Immobilienmilliardär Tipps bei Sicherheitsfragen und trat auch oft als Vorredner von "The Donald" auf.

Mehr als 30 Jahre diente Flynn in der US-Armee, zuletzt war er Chef des Militärgeheimdienstes DIA, ab 2004 jagte er als Kommandeur der US-Spezialkräfte im Irak den Top-Terroristen Abu Mussab al-Sarkawi, der schließlich zwei Jahre später getötet wurde.

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Michael Flynn: Drei Sterne für Trump

Doch 2014 war seine Karriere bei dem Geheimdienst beendet. Er sei in den Ruhestand gedrängt worden, behauptete Flynn, weil er unbequeme Wahrheiten über den Kampf gegen islamische Extremisten ausgesprochen habe. Barack Obama und seine damalige Außenministerin Hillary Clinton hätten ein Treffen mit ihm abgelehnt, bei dem er über die Gefahren habe sprechen wollen. Seitdem kritisierte er regelmäßig Obamas angebliche Fehler.

Flynn schrieb das Buch "Field of Fight" über den "globalen Krieg gegen den radikalen Islam und seine Verbündeten". Auch in einem Interview mit SPIEGEL ONLINE sprach er über die Versäumnisse, die im Kampf gegen den "Islamischen Staat" und im Irak-Krieg gemacht wurden. "Angst vor dem Islam ist RATIONAL", twitterte er im Februar.

Die Amerikaner seien nicht in der Lage, auf die Bedrohung durch "die kranke Komponente des Islam" zu reagieren. "Warum haben wir die Sicherheit auf den Flughäfen erhöht?", fragte er und gab auch gleich die Antwort: "Es ist nicht, weil die katholische Kirche auseinanderfällt."

Beste Beziehungen nach Russland

Da war er schon längst ein Anhänger von Trump, den er als Mann beschrieb, der ein "sehr ernstzunehmender Typ" und ein "guter Zuhörer" sei. Andere ehemalige hochrangige Militärs hätten Flynn aufgefordert, sich mit seinen Aussagen zu mäßigen, weil sie das Vertrauen des Weißen Hauses in das Militär gefährdeten, berichtet die "Washington Post". Doch Flynn habe nur geantwortet: "Wenn jemand sagt: Du bist ein General, also musst Du die Klappe halten, sage ich: Muss ich aufhören, ein Amerikaner zu sein?"

Umstritten sind auch Flynns Kontakte nach Russland. Wie Trump tritt auch er für eine Entspannung im Verhältnis zu Moskau ein. Trump und Kremlchef Wladimir Putin hatten in einem Telefonat Anfang der Woche einen partnerschaftlichen Dialog vereinbart. Flynn mit seinen guten Beziehungen nach Moskau passt da gut ins Team: Der ehemalige General ist ein gern gesehener Gast in Russland, auch weil er äußert, dass Washington nur gemeinsam mit Moskau den Syrien-Krieg beenden kann. In russischen Medien wird er als "wahrscheinlich wichtigste Verbindung Trumps mit Putin" bezeichnet.

Im Dezember 2015 reiste Flynn zum zehnten Geburtstag des staatlichen Auslandskanals Russia Today (RT) nach Moskau, um bei der Jubiläumsgala neben Putin an einem Tisch zu sitzen. Vorher sprach er 40 Minuten lang über die Lage im Nahen Osten, ein bezahlter Auftritt.

Flynn bezeichnete Putin einmal als "totalitären Diktator", lobte ihn aber auch als "smart und ausgebufft".

Mehrmals trat Flynn auch bei Russia Today als Kommentator auf. Auf die Frage, warum er dem staatlichen Sender Interviews gebe, antwortete er: "Und, was ist CNN?" Den Hinweis, der US-Sender sei eben nicht staatlich, tat er mit der Bemerkung ab, er wolle sich überall frei äußern.

Tatsächlich warnte Flynn im russischen Magazin "Wlast" im Dezember 2015 im Syrien-Konflikt: "Wir bewegen uns auf einen großen Krieg zu". In dem Interview kritisierte er nicht nur die jetzige US-Regierung, sondern auch den russischen Einsatz. Allerdings äußerte er auch den Wunsch, darüber mit Putin sprechen zu wollen.

Flynn ist nicht der erste General, der ins nationale Sicherheitsteam eines Präsidenten berufen wird. General Colin Powell war nationaler Sicherheitsberater unter Ronald Reagan und später Außenminister unter George W. Bush. General David Petraeus wurde CIA-Chef unter Obama.

Auch Flynn zögerte nun nicht lange, als Trump fragte. "Wenn der Präsident der Vereinigten Staaten jemanden bittet, zu dienen, gibt es nur eine Antwort darauf", sagte eine Person aus Trumps Umfeld.

als/heb/Reuters/dpa/AP

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