Michelle Obama First Lady mit Mission

Premiere im Weißen Haus: Michelle Obama ist die erste afroamerikanische First Lady in der Geschichte der USA. Die Gattin des künftigen US-Präsidenten gilt als klug, durchsetzungsstark - und offener, als es einigen Beobachtern im Wahlkampf lieb war.


Washington - Die Selbstbeschreibung, die ihr am liebsten ist, dürfte eigentlich jedem ihrer Landsleute gefallen: Michelle Obama bezeichnet sich gerne als Verkörperung des amerikanischen Traums. In bescheidenen Verhältnissen wuchs sie in einem Arbeiterviertel in Chicago auf, mit Fleiß und Intelligenz schaffte sie den Sprung an die Eliteuniversität Princeton - und nun wird die 44 Jahre alte Juristin die erste afroamerikanische First Lady in der 232-jährigen Geschichte der USA.

Michelle und Barack Obama: Kein bloßes Anhängsel
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Michelle und Barack Obama: Kein bloßes Anhängsel

Michelle Obama verkörpert den Typus der modernen Karrierefrau, die Familie und Beruf in Einklang bringen muss - eine Alltagserfahrung, die sie mit immer mehr Amerikanerinnen teilt. Von ihren Fans wird die 1,82 Meter große Frau als Stilikone verehrt, die mit ihrem Faible für sportliche Eleganz an Jackie Kennedy erinnert.

Ebenfalls nahe liegt der Vergleich zu Hillary Clinton, ebenfalls vor der Ära Bush First Lady. Wie Hillary Clinton hält sich Michelle Obama politisch nicht zurück. Im Wahlkampf reiste sie als Rednerin für ihren Mann durchs ganze Land, ihre Überzeugungen trägt sie engagiert und rhetorisch ausgefeilt vor. Michelle Obama will kein bloßes Anhängsel ihres Mannes sein, politisch bilden die beiden ein Team.

Ihren Job als Krankenhausmanagerin in Chicago, in dem sie mehr Geld verdiente als ihr Mann im Washingtoner Senat, lässt Michelle Obama inzwischen ruhen. In den zurückliegenden beiden Jahren, in denen ihr Mann den längsten Wahlkampf der US-Geschichte bestritt, sah sie ihre wichtigste Aufgabe in der Erziehung der beiden Töchter. Die kleine Sasha ist sieben, ihre Schwester Malia ist zehn. "Meine Töchter sind das erste, woran ich beim Aufwachen denke, und das letzte, woran ich vor dem Einschlafen denke", sagte sie kurz vor der Wahl. In der Familie sieht Michelle Obama ihre Aufgabe in erster Linie als mütterliche "Oberkommandierende".

Ihre eigene Erfahrung als arbeitende Mutter hat Michelle Obamas politische Ansichten geprägt. Im Wahlkampf brillierte sie mit ihrem Wissen über Sozialpolitik, Gesundheitswesen und Kinderbetreuung. "Sie wird im Weißen Haus kein Mauerblümchen sein", prophezeit Politikprofessor Leonard Steinhorn von der American University in Washington. Im Wahlkampf habe Michelle Obama aber klargemacht, dass die beiden Kinder Vorrang vor ihren politischen Ambitionen und ihren Pflichten als First Lady haben werden.

Manche US-Bürger tun sich noch schwer mit dem Gedanken, eine First Lady mit eigenen politischen Ansichten im Weißen Haus zu wissen. Hillary Clinton war in den neunziger Jahren vielfach angefeindet worden, und auch Michelle Obama bekam im Wahlkampf einige Kritik ab. Sie entfachte zu Jahresbeginn einen Sturm der Entrüstung, als sie sagte, wegen der Kandidatur ihres Mannes sei sie "das erste Mal in meinem Leben richtig stolz auf mein Land". Bei einem anderen Auftritt sagte sie, die USA seien "von Grund auf gemein", weil es so viel soziale Ungerechtigkeit gebe. Gegner legten ihr das als unpatriotische Gesinnung aus - ein gefährlicher Vorwurf im US-Wahlkampf.

"Ich habe mir ein dickes Fell zugelegt", sagte sie nach etlichen Monaten des Wahlkampfes schließlich in einem Fernsehinterview. Ihre Rolle im Weißen Haus sieht sie darin, ihre eigenen Erfahrungen, gesunden Menschenverstand und Bodenhaftung nach Washington zu bringen. Dies sei umso dringlicher in einer Zeit, in der die wirtschaftlichen Sorgen der Bürger zunehmen: "Wenn man alles ausbalancieren will - die Kinder, die Schwierigkeiten ihrer Betreuung, den Gehaltsscheck, der nicht mehr so viel wert ist wie früher -, dann bekommen die Leute wirklich Angst vor dem, was hier los ist", sagte Michelle Obama.

Peter Wütherich, AFP



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