Michelle Obama gegen Ann Romney: Ladies first
Jetzt müssen die Ladies ran: Im Kampf um die US-Präsidentschaft setzen Barack Obama und Mitt Romney auf ihre Frauen. Michelle und Ann sollen die Kandidaten menschlicher und nahbarer machen. Wer beherrscht das besser?
Michelle Obama hat jetzt drei Minuten. Drei Minuten, um die 8000 Menschen beim Wahlkampf in einer Basketball-Arena von den Sitzen zu holen. Über bessere Schulen für Kinder spricht sie; über die Krankenversicherung für alle. "We love you!", ruft einer aus dem Publikum. Schließlich stehen die Leute, applaudieren rhythmisch. Die 48-Jährige grinst. Und dann ruft sie den US-Präsidenten auf die Bühne.
Die First Lady ist nun so oft wie möglich im Wahlkampf dabei. Zumindest dann, wenn es besonders wichtig ist. Und es ist eigentlich immer wichtig. Längst gilt Michelle Obama als unverzichtbar für das Projekt Wiederwahl. "Jedes Mal wenn sie draußen ist, hilft uns das", zitiert die "Washington Post" Obamas Chefstrategen David Axelrod: "Wir wollen sie so viel draußen haben wie nur möglich."
"Sie sieht auch verdammt gut aus"
Obama sagt: "Ich hasse es, nach ihr zu sprechen. Sie ist zu gut. Und sie sieht auch verdammt gut aus." Koketterie, logisch. Andererseits ist allen im Weißen Haus klar: Michelle ist beliebt im Volk, ihr Ehemann weniger. Einer CNN-Umfrage zufolge haben 65 Prozent der befragten Amerikaner eine positive Meinung von ihrer First Lady; der Präsident kommt nur auf 56 Prozent. Michelle ist Rollenvorbild und Stil-Ikone zugleich. So eine Frau kann ein Geschenk im Wahlkampf sein, das wissen die Polit-Strategen.
Glück für das Obama-Lager: Dem Konkurrenten geht es in Sachen Beliebtheit nicht anders. Nur 48 Prozent haben eine gute Meinung von Republikaner-Kandidat Mitt Romney. Allerdings hat der Mann in den letzten Wochen kräftig aufgeholt - durch verbesserte Werte bei den Frauen. Romney weiß wohl, wem er das zu verdanken hat: seiner Frau Ann.
Es war der skurrile Rechtsaußen-Wahlkampf der Republikaner um die Präsidentschaftskandidatur, der viele Frauen abgeschreckt hatte. Schließlich mischte sich Ann ein. Seit dem Frühjahr tritt sie mit ihrem Mann auf. "Ich habe hier einen Kerl, der das richten kann", sagt die 63-Jährige gerne mit Blick auf die US-Wirtschaftsprobleme. Während er oft roboterhaft wirkt, kühl und unnahbar, gibt sie die warmherzige Partnerin. Ann gilt als "Mitt-Stabilizer".
Michelle Obama und Ann Romney - plötzlich spielen die Ehefrauen eine entscheidende Rolle im Wahlkampf. Die Botschaft: Mein Mann, der Präsident, ein Typ wie Du und ich. Wem wird es am Ende gelingen, das positivere Bild des Gatten zu zeichnen? "Die Menschen wollen immer die persönliche Seite eines Politikers kennen lernen. Sie wollen eine Verbindung herstellen", sagt Anita McBride, frühere Stabschefin von Ex-First-Lady Laura Bush, die heute an der American University in Washington lehrt.
Fünf Söhne, 18 Enkel
Es ist der Kampf zweier sehr unterschiedlicher Charaktere. Hier Powerfrau Michelle, dort Hausmutter Ann. Arbeiterkind aus Chicagos South Side gegen Unternehmertochter aus Michigan. Die eine hat sich nach oben gekämpft; die andere hat sich oben gehalten. Zwei Frauen verschiedener Generationen mit verschiedenen Rollenbildern.
Die Obamas haben zwei Töchter, die Romneys fünf Söhne und 18 Enkel. Ann Romney versucht, als Mutter der Kompanie zu punkten. Als bodenständige Frau, die die Tücken des Alltags kennt: "Ich weiß, wie das ist, wenn man mit der Wäsche fertig, der Korb aber fünf Minuten später wieder voll ist", sagt sie.
Im Internet postet Ann die Bilder von selbstgebackenen Cupcakes in den Landesfarben. Und sie berichtet aus ihrem Leben, von ihren Krankheiten: von multipler Sklerose und dem überwundenen Brustkrebs. Der Kampf um ihre Gesundheit habe sie "menschlicher gemacht, verständnisvoller für die Sorgen anderer", sagt sie. Ihre Lebensgeschichte macht sie sympathisch, glaubwürdig.
Kritiker bezeichnen Ann Romney abfällig als Stepford Wife, als überkandidelte Hausfrau. "Sie hat in ihrem Leben noch nie einen Tag gearbeitet", sagte die den Demokraten nahestehende Lobbyistin Hilary Rosen über sie. Das löste einen kleinen Skandal in Amerika aus, an dessen Ende sich sogar Barack Obama zu der Feststellung genötigt sah, dass es keinen härteren Job gebe als den der Mutter. Ann Romney derweil konterte per Twitter: "Ich entschied mich, zu Hause zu bleiben und fünf Jungs aufzuziehen. Glaubt mir, das war harte Arbeit."
Diese Souveränität kam an. "Ann Romney entschuldigt sich nicht für ihre Rolle, sucht keine Ausreden. Sie fühlt sich wohl als Hausfrau und Mutter und vermittelt das auch. Das ist definitiv ein Vorteil", meint Ex-Bush-Stabschefin Anita McBride.
Hausfrau mit Cadillacs
Doch hat die Ehefrau des Multimillionärs Romney tatsächlich ein Gefühl für die Alltagssorgen der Menschen? Versteht sie, was etwa eine alleinerziehende Mutter mit zwei Jobs durchmacht? Neulich rutschte Romney heraus, dass seine Ann mehrere Cadillacs vor der Tür stehen habe; im Fernsehen trägt sie gern mal 1000-Dollar-T-Shirts. Und vor ein paar Jahren berichtete Ann, dass während ihrer gemeinsamen College-Zeit mit Mitt das Geld knapp war. So knapp, dass die beiden ernsthaft erwogen, Aktien aus ihrem Portfolio zu verkaufen. Das kam nicht so gut an.
Michelle Obama allerdings inszeniert ebenfalls eine Scheinwelt. Im Wahlkampf vor vier Jahren zeigte die Harvard-Absolventin noch Ecken und Kanten. Einmal erklärte sie, wegen Baracks Kandidatur sei sie "das erste Mal in meinem Leben richtig stolz auf mein Land". Ein andermal gestand sie: "Ich hatte eine laute Klappe."
Heute sagt sie, dass sie vor allem "mom in chief" sei, Mutter ihrer Töchter. Sie kämpft gegen die Fettleibigkeit amerikanischer Kinder, bepflanzt den Garten des Weißen Hauses, war auf dem Titel des Hausfrauen-Magazins "Good Housekeeping". "Frisches Gemüse schmeckt viel besser", erklärte sie jüngst in der TV-Sendung von Polit-Komiker Jon Stewart. Dort präsentierte sie auch ihr neues Buch: "American Grown - The Story of the White House Kitchen Garden and Gardens Across America."
Stewart bemerkte: "Du hast Zustimmungsraten wie Eiscreme, dein Mann wie..." Darauf Michelle: " wie Gemüse."
"Michelle Obama ist in ihrer Rolle mittlerweile angekommen. Sie hat gezeigt, dass sie ein guter Partner des Präsidenten ist, ohne die rote Linie zu übertreten und selbst Politik zu machen", sagt Expertin McBride. Dass Mrs. Obama im Hintergrund durchaus eingreift, dass sie etwa bei der Durchsetzung der umstrittenen Gesundheitsreform massiv mitgewirkt hat? Das soll nicht an die Öffentlichkeit dringen.
Denn die First Lady ist immer auch ein bisschen Nationalheiligtum, darf repräsentieren, aber nicht regieren. Die Amerikaner lieben die Frau an der Seite ihrer Nummer eins. Sie schätzten Eleanor Roosevelt, sie bewunderten Jackie Kennedy. "Wie die Leute den Präsidenten oder einen Kandidaten wahrnehmen, das hat eine Menge mit der First Lady zu tun", sagt die Historikerin Catherine Allgor von der University of California in Riverside.
Ann Romney und Michelle Obama haben das verstanden.
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Fläche: 9.632.000 km²
Bevölkerung: 310,384 Mio.
Hauptstadt: Washington, D.C.
Staats- und Regierungschef: Barack Obama
Vizepräsident: Joseph R. Biden
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