Datenanalyse zu den Midterms Demokraten punkten bei Minderheiten und jungen Wählern

Die Republikaner bleiben die Partei der weißen Männer. Die Demokraten überzeugen vor allem Schwarze, Latinos und junge Menschen. Der Überblick.

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Es sollte eine historische Abstimmung werden. Barack Obama nannte die Midterm-Wahlen in den USA gar die vielleicht "wichtigsten unseres Lebens". Wie viele andere führende Demokraten rief der frühere Präsident die US-Bürger dazu auf, ihre Stimmen abzugeben.

Nun hat Amerika gewählt. Das Ergebnis fällt in etwa so aus, wie es Meinungsforscher vorhergesagt hatten: Die Demokraten holen sich das Repräsentantenhaus zurück, was Präsident Donald Trump das Regieren erschweren wird. Der Senat bleibt allerdings in der Hand der Republikaner; nach aktuellem Stand kann die Partei des Präsidenten ihre Mehrheit in der Kammer sogar ausbauen.

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US-Midterms: Die Gewinner und die Verlierer

Wie kommt dieses Ergebnis zustande? Welche Wählergruppen gaben welchen Parteien ihre Stimme? Und wie viele Amerikaner gingen überhaupt zur Wahl? Die Datenanalyse.

Wahlbeteiligung ist so hoch wie seit 1970 nicht mehr

Die Wahlaufrufe Obamas und anderer Prominenter zeigten offenbar Wirkung. Die Wahlbeteiligung liegt bei diesen Zwischenwahlen so hoch wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Wie hoch genau - das variiert je nach Berechnung: Offizielle Zahlen sind in der Regel ungenau, weil sie zum Teil die Zahl der Wähler nur ins Verhältnis zur Bevölkerung im wahlfähigen Alter setzt. Diese Methode blendet aber aus, dass zur Gesamtbevölkerung im wahlfähigen Alter bestimmte Personengruppen gehören, die nicht wählen dürfen, etwa Einwohner ohne US-Staatsbürgerschaft oder manche Straftäter.

Ein Projekt der University of Florida berücksichtigt das und berechnet eine bereinigte Wahlbeteiligung. Bei den diesjährigen Zwischenwahlen liegt die Beteiligung demnach laut ersten Prognosen bei mehr als 47 Prozent. Das sind fast elf Prozentpunkte mehr als bei der vorherigen Midterm-Wahl im Jahr 2014. Die Wahlbeteiligung liegt demnach so hoch wie seit 1970 nicht mehr bei Zwischenwahlen.

Demokraten punkten bei Minderheiten, Republikaner bei weißen Männern

Auch bei den Kongresswahlen 2018 bestätigt sich ein Trend: Die Republikaner sind die Partei der weißen Männer. Bei Letzteren handelt es sich um die einzige Wählergruppe, in der die Partei von Präsident Donald Trump eine deutliche Mehrheit erzielt. Laut einer Nachwahlbefragung des US-Senders CNN stimmten bei der Wahl zum Repräsentantenhaus 60 Prozent aller weißen Männer für republikanische Kandidaten.

Bei den weißen Frauen gewinnen die Demokraten dazu. Stimmten bei den Präsidentschaftswahlen 2016 noch 53 Prozent für Trump, liegen Republikaner und Demokraten bei den Midterms in dieser Wählergruppe gleichauf: Beide Parteien kommen auf 49 Prozent.

Bei Schwarzen und Latinos schneiden die Demokraten laut CNN-Befragung deutlich besser ab. Dabei gilt: Bei schwarzen Wählern ist die Überlegenheit der Demokraten noch höher als unter Latinos.

Und: Innerhalb der Minderheiten wählen noch mehr Frauen als Männer die Demokraten: Es sind 92 Prozent der schwarzen beziehungsweise 73 Prozent der Latino-Frauen verglichen mit 88 Prozent der schwarzen beziehungsweise 63 Prozent der Latino-Männer.

Bei weißen Wählern beeinflusst der Bildungsgrad das Wahlverhalten: Bei Weißen ohne Hochschulabschluss holen die Republikaner 61 Prozent der Stimmen, bei Weißen mit Hochschulabschluss liegen die Demokraten mit 53 Prozent vorn. Nichtweiße hingegen wählten unabhängig vom Bildungsniveau mit deutlicher Mehrheit demokratische Kandidaten für das Repräsentantenhaus.

Junge Wähler stimmen für Demokraten

Die Demokraten liegen auch bei jungen Wählern deutlich vor den Republikanern. Bei den 18- bis 24-Jährigen beträgt ihr Stimmanteil 68 Prozent, bei den 25- bis 29-Jährigen 66 Prozent. In der Gruppe zwischen 30 bis 39 Jahren holen sie 59 Prozent aller Stimmen.

Die Republikaner liegen demnach nur bei Wählern über 50 knapp vorn. Auch bei den 40- bis 49-Jährigen schneiden die Demokraten besser ab.

Demokraten dominieren in den Städten, Republikaner auf dem Land

Knapp ein Drittel der US-Bevölkerung (31 Prozent) lebt in den Metropolen, insbesondere entlang der Ost- und Westküste. Hier ist die Bevölkerung im Vergleich etwas jünger, mehrheitlich nicht-weiß und politisch eher liberal eingestellt. Nur in den Metropolen gelingt es den Demokraten regelmäßig, eine klare Stimmenmehrheit zu erzielen - so auch bei der diesjährigen Wahl zum Repräsentantenhaus. Die Demokraten holen fast zwei Drittel aller Stimmen. Die Republikaner kommen auf knapp ein Drittel.

Die Mehrheit der Amerikaner (55 Prozent) lebt in den sogenannten Suburbs, also typischen Einfamilienhaussiedlungen, wie man sie aus manchem Hollywoodfilmen und -serien kennt. Laut einer Studie des Pew Research Centers halten sich hier Anhänger von Demokraten und Republikanern in etwa die Waage. Entscheidend für die Kandidaten ist es also, wie viele Wähler sie mobilisieren können.

Bei der Präsidentschaftswahl vor zwei Jahren gelang es Trump, seine Kontrahentin Hillary Clinton auf mehrere Prozentpunkte Abstand zu halten. Diesmal fällt das Ergebnis knapper aus: Die demokratischen Bewerber für das Repräsentantenhaus liegen mit einem Stimmenanteil von 49 Prozent nur knapp hinter den Republikanern, die 50 Prozent holen.

Nur ein kleiner Teil der Amerikaner (14 Prozent) lebt im ländlichen Raum. Hier dominieren traditionell die Republikaner: 2016 stimmten fast zwei Drittel der Landbevölkerung für Donald Trump. Am grundlegenden Kräfteverhältnis hat sich nichts geändert, doch erzielten die demokratischen Bewerber diesmal mit knapp 36 Prozent einen etwas höheren Stimmanteil als bei den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen vor zwei Jahren. Die Republikaner holen 62 Prozent aller Stimmen.

Für US-Präsident Trump wird es ungemütlicher

"Es geht heute um mehr als nur Demokraten und Republikaner. Es geht um die Wiederherstellung der verfassungsmäßigen Kontrolle", sagte die Fraktionschefin der Demokraten im Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi, am Wahlabend.

Fest steht: Nachdem Pelosis Partei die Mehrheit im Repräsentantenhaus erobert haben wird, wird der Kongress Trump schärfer kontrollieren als bisher. Das dürfte auch für die Russlandaffäre Bedeutung haben. In der Nacht kündigten die Demokraten bereits an, Trumps bisher geheime Steuererklärungen einzufordern, in denen sie Hinweise auf Kontakte zu Russland oder anderen dubiosen Gruppen vermuten. (Was das Wahlergebnis im Einzelnen für die Demokraten bedeutet und was für Trump, lesen Sie hier.)

Auch beim Blick auf die Mehrheitsverhältnisse der vergangenen Jahrzehnte zeigt sich ein Trend. Wie schon Obama und Bill Clinton vor ihm zog auch Trump zu einer Zeit ins Weiße Haus ein, als seine Partei beide Kammern des Kongresses kontrollierte. Und wie bei Obama und Clinton ist die Dominanz der Partei, die den Präsidenten stellt, nach den ersten Midterms gebrochen.

Allerdings verloren die Demokraten 1994 sowie 2010 sowohl das Repräsentantenhaus als auch den Senat. Heute sehen viele Beobachter den Siegeszug der Republikaner im Jahr 1994 als Beginn einer Polarisierung zwischen den beiden Parteien, die bis heute anhält. Auf die Midterm-Wahlen im Jahr 2010 folgte eine Blockadehaltung der Republikaner im Kongress und eine Vertiefung der Gräben.

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jennerwein 07.11.2018
1. 49 % US-Wahlbeteiligung - Bayer.Landtagswahl 72% - irgendwie lachhaft!
Bei der - Barak Obama - wohl wichtigsten Wahl überhaupt bleibt mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten einfach zu Hause. Und davon in hohem Maße gerade die weniger priviligierten US-Bürger. So scheint die Gesundheitsreform oder das niedrige Niveau der staatlichen Grundschulen und dergleichen mehr gar nicht so dramatisch zu sein. Ich bekam in meinem Einsetzen für diese Belange von weißen Amerikanern vorgehalten, daß wir als Probleme ansehen würden, was die nicht-europa-abstammende Bevölkerung gar nicht interessiere. Eine Zahl dazu: 30% derselben halten 80% des gesamten US-Kosmetikverbrauches, aber kein Geld für Bildung ihrer Kinder. Hart, aber für mich doch auch zum Nachdenken.
P-Schrauber 07.11.2018
2. ???
Und USAtoday publiziert genau das Gegenteil: https://eu.usatoday.com/story/news/politics/elections/2018/11/07/immigrants-support-donald-trump-midterm-elections/1913462002/ Also nix die Partei der alten weißen Männer, um es kurz zu machen das Zitat der USAtoday: "Asian, Muslim and Latino immigrants across U.S. helped Trump and GOP win " Dem ist nichts mehr hinzuzufügen, …
kospi 07.11.2018
3.
Zitat von P-SchrauberUnd USAtoday publiziert genau das Gegenteil: https://eu.usatoday.com/story/news/politics/elections/2018/11/07/immigrants-support-donald-trump-midterm-elections/1913462002/ Also nix die Partei der alten weißen Männer, um es kurz zu machen das Zitat der USAtoday: "Asian, Muslim and Latino immigrants across U.S. helped Trump and GOP win " Dem ist nichts mehr hinzuzufügen, …
Falls das stimmen sollte, stellt sich die Frage, warum? Eine der Antworten könnte sein, dass genau diese Bevölkerungsgruppe Angst um ihre sowieso schon schlecht bezahlte Arbeit haben, wenn noch mehr Imigranten in's Land kommen.
P-Schrauber 07.11.2018
4.
Zitat von kospiFalls das stimmen sollte, stellt sich die Frage, warum? Eine der Antworten könnte sein, dass genau diese Bevölkerungsgruppe Angst um ihre sowieso schon schlecht bezahlte Arbeit haben, wenn noch mehr Imigranten in's Land kommen.
Lesen Sie nach die Aussagen finde ich sehr interessant: "I believe in the sovereignty of the state," said Aldeen, a GOP activist and special adviser for Hispanic engagement for the Republican Party of Texas. "This is a nation of immigrants, but we need to do everything we can for the rule of law." In Kurzfassung: … Ich glaube an die Souveränität des Staates … … Dies (die USA) ist eine Nation der Immigration, aber wir müssen alles dafür tun das dies auf Grundlage von Gesetzen erfolgt … Insofern eine gute Blaupause … und USAtoday ist weder das "Trumpsche Sprachrohr" FOXNews noch die "Pelosi Agentur" CNN sondern liegt dazwischen.
ATLien 07.11.2018
5. USA Today Artikel von @P-Schrauber widerspricht Spiegel nicht
Wenn P-Schrauber nicht nur die Überschrift des USAToday - Artikels gelesen hätte, wäre ihm aufgefallen, dass es darin heißt „Democrats got around 68 percent of the Latino vote“ und „Asian voters sided with Democrats 77 percent of the time in Tuesday's elections“ was zu den Zahlen hier passt. Der USAToday Artikel sagt nicht, dass die Republikaner bei Minderheiten gewinnen, sondern lediglich, dass sie hier im Vergleich zur letzten Wahl keine weiteren Wähler verloren haben. Sehr wohl sind sie dennoch bei nicht-Weißen in der Minderheit. Auf Geschlechtsunterschiede geht der Artikel überhaupt nicht ein. Die Republikaner sind der wohl die Partei der (alten) weißen Männer (mit niedrigem-mittlerem Bildungsniveau)! Sehr schöne diesbezügliche Statistik hierzu im aktuellem Economist!
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