Netanyahu empfängt Pence "Jerusalem ist die Hauptstadt von Israel"

Während seiner Nahost-Reise erntete US-Vizepräsident Pence wegen der Jerusalem-Entscheidung viel Kritik. Anders in Israel: Dort kündigte er den Umzug der Botschaft für 2019 an - zur Freude von Premier Netanyahu.

Benjamin Netanyahu (l.), Mike Pence
REUTERS

Benjamin Netanyahu (l.), Mike Pence


US-Vizepräsident Mike Pence hat bei seinem Israel-Besuch die Hoffnung auf neue Verhandlungen mit den Palästinensern geäußert. Er wurde mit militärischen Ehren in der Residenz des Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu empfangen, später sprach er vor dem israelischen Parlament. "Jerusalem ist die Hauptstadt von Israel", sagte Pence - Präsident Donald Trump habe das Außenministerium angewiesen, mit den Planungen für den Umzug von Tel Aviv nach Jerusalem zu beginnen.

Die Botschaft solle vor dem Ende des kommenden Jahres eröffnet werden. Ein genaues Datum nannte Pence nicht. US-Präsident Donald Trump sei überzeugt, dass seine Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels eine Gelegenheit für neue Friedensverhandlungen schaffen werde.

Er hoffe auf eine "neue Ära" in den Friedensgesprächen zwischen Israelis und Palästinensern, sagte Pence. Netanyahu erklärte, "Amerika hat keinen engeren Freund als Israel, und Israel hat keinen engeren Freund als die Vereinigten Staaten von Amerika".

Es sei das erste Mal, dass er bei einem Staatsbesuch zusammen mit seinem Gast die Worte "Israels Hauptstadt, Jerusalem" aussprechen könne. Am Nachmittag wollte Pence in der Knesset eine Rede halten. Arabische Abgeordnete hatten angekündigt, die Sitzung zu boykottieren.

Mit der Entscheidung, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen und die US-Botschaft dorthin zu verlegen, hatte Trump im Dezember internationale Kritik auf sich gezogen und wütende Proteste in muslimischen Ländern provoziert.

Pence hatte seine ursprünglich für Dezember geplante Nahost-Reise am Samstag in Ägypten begonnen. Gespräche mit Palästinenserführern sind nicht geplant. Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas hatte es aus Ärger über die Jerusalem-Entscheidung abgelehnt, Pence zu treffen.

Die Palästinenserführung sieht Ost-Jerusalem als künftige Hauptstadt eines unabhängigen Staates Palästina. Die Israelis beanspruchen hingegen die ganze Stadt für sich.

Bei seinen vorherigen Reisestationen wurde Trumps Vize mit Kritik an der Jerusalem-Entscheidung konfrontiert. Der jordanische König Abdullah II. brachte am Sonntag seine "Sorgen" über den Schritt zum Ausdruck. Ägyptens Staatschef Abd al-Fattah al-Sisi pochte bei einem Gespräch mit Pence darauf, dass die Palästinenser das Recht auf einen eigenen "Staat mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt" hätten.

mho/dpa/Reuters



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