US-Vizepräsident vor Nahost-Reise Mike Pence, der unerwünschte Christ

Die Nummer zwei der USA besucht den Nahen Osten. Israel empfängt Mike Pence wie einen Helden. Doch die Christen im Heiligen Land wollen den evangelikalen Hardliner nicht in ihren Kirchen haben.

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"Ich bin Christ, Konservativer und Republikaner - in dieser Reihenfolge" - das sagt US-Vizepräsident Mike Pence selbst über sich. Die christlichen Rechte, allen voran die evangelikale Bewegung, preist ihn als den Mann, der ihre konservativen Werte ins Weiße Haus zurückgebracht hat. Pence gilt auch als die treibende Kraft hinter Donald Trumps Entscheidung, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen.

Am Sonntagabend kommt Pence nun als erster Vertreter der US-Regierung seit der Hauptstadtentscheidung zu einem Besuch nach Israel. Zuvor wird er am Samstag in Kairo mit dem ägyptischen Staatschef Abdel Fattah el-Sisi und einen Tag später in Amman mit Jordaniens König Abdullah II. zusammentreffen. Eigentlich hätte Trumps Stellvertreter schon im Dezember kurz nach der Jerusalem-Verkündung in den Nahen Osten reisen sollen. Wegen der Abstimmung über die Steuerreform im US-Kongress hatte das Weiße Haus die Visite jedoch mehrfach kurzfristig verschoben.

Premierminister Benjamin Netanyahu wird den Vizepräsidenten wie einen Helden empfangen, weil er maßgeblich dafür gesorgt hat, dass der langgehegte Wunsch Israels nach der Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt endlich erfüllt wird. Am Montag redet Pence vor der Knesset in Jerusalem, kritische Töne muss die israelische Regierung nicht fürchten.

"Die Bibel kommt aus Palästina, nicht aus dem Bible Belt"

"Meine Unterstützung für Israel speist sich hauptsächlich aus meinem persönlichen Glauben", sagte Pence schon 2002. Damit liegt der zweite Mann der USA ganz auf Linie seiner evangelikalen Unterstützer. Sie sehen in der Anerkennung Jerusalems einen weiteren Schritt auf dem Weg zur Rückkehr des Messias, der dann seine tausendjährige Herrschaft auf Erden antreten könne. Die Juden müssten übrigens in dieser Vorstellung der Evangelikalen letztlich auch zum Christentum konvertieren - andernfalls droht ihnen die Hölle.

Doch während die evangelikale Basis der Republikaner in den USA und die große Mehrheit der Juden in Israel über Trumps Entscheidung jubelt, sieht die Reaktion der Christen im Nahen Osten komplett anders aus. Sämtliche christliche Religionsgemeinschaften in der Region haben die Anerkennung Jerusalems kritisiert. Noch am 6. Dezember, dem Tag, als Trump seinen Beschluss verkündete, wandten sich die Oberhäupter aller 13 Kirchen in Jerusalem an das Weiße Haus: "Wir bitten Sie, Herr Präsident, uns allen auf dem Weg zu mehr Liebe und einem endgültigen Frieden zu helfen, der nur erreicht werden kann, wenn Jerusalem allen gehört."

Kirchenführer im Nahen Osten kritisieren, dass die Evangelikalen in den USA das Schicksal ihrer christlichen Glaubensbrüder und Schwestern in Palästina völlig ignorierten. "Die Bibel kommt aus Palästina, nicht aus dem Bible Belt", sagt Mitri Raheb, evangelischer Pastor aus Bethlehem. Er spielt damit auf die Unterstützung der Evangelikalen, vor allem im streng gläubigen Südosten der USA, für Israel an. "Aber die Menschen im Bible Belt lesen die Bibel so, dass es unser Leben wirklich schwermacht."

Rund 220.000 Christen leben heute im Heiligen Land - damit stellen sie sowohl in Israel als auch in den palästinensischen Gebieten rund zwei Prozent der Bevölkerung. Beim Zensus, den die britische Mandatsmacht 1922 durchführte, war noch mehr als jeder zehnte Einwohner Palästinas Christ. Für diese Entwicklung gibt es eine Vielzahl von Gründen. Da sind zum Einen die Folgen von Krieg und Vertreibung seit 1948, da sind zum anderen die schlechten wirtschaftlichen Perspektiven für Christen in den besetzten Gebieten. Und dazu gehört auch die Diskriminierung der christlichen Minderheit durch Muslime und Juden.

Kein Kirchenbesuch im Heiligen Land

Mehrfach haben militante Islamisten im Westjordanland und dem Gazastreifen Brandsätze auf Kirchen geworfen - etwa nach der islamkritischen Regensburger Rede von Papst Benedikt XVI. 2006. Christen in Israel beklagen Übergriffe durch radikale Juden. 2015 verübten rechtsextreme Israelis einen Brandanschlag auf die Brotvermehrungskirche am See Genezareth. Die Attentäter hinterließen am Tatort den Schriftzug: "Götzendiener müssen vernichtet werden."

Pence wird auf seiner Nahostreise weder mit Politikern der palästinensischen Autonomiebehörde noch mit christlichen Vertretern zusammentreffen - sie verweigerten Gespräche aus Protest über den Jerusalembeschluss. In dieser Woche hatte die Entscheidung der US-Regierung, die Zahlung von 65 Millionen Dollar ans Uno-Hilfswerk für die palästinensischen Flüchtlinge (UNRWA) einzufrieren, für zusätzliche Verärgerung gesorgt.

Aus diesen Gründen wird der tiefgläubige Christ Pence bei seinem Besuch im Heiligen Land auch keine Kirche besuchen: Es fand sich kein Vertreter, der ihn in seinem Gotteshaus begrüßen wollte.

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