E-Mail-Probleme von Clinton und Pence Ein Foto mit Vorgeschichte

Die dienstliche Nutzung ihres privaten E-Mail-Kontos brachte Hillary Clinton viel Ärger ein - auch mit dem heutigen US-Vizepräsidenten Mike Pence, der nun selbst unter Druck gerät. Kein Wunder, dass sich dieses Foto weit verbreitet.

REUTERS/Caitlin Quigley

In Netz verbreitet sich derzeit ein Foto, das Hillary Clinton beim Betrachten einer Zeitung zeigt. Klingt unspektakulär, hat aber einen bemerkenswerten Hintergrund. Clinton sitzt gerade im Flugzeug, Handy in der Hand, ihr Blick fällt auf die Titelseite der "USA Today" - und dort steht: "Pence used personal email in office". Mike Pence, seit Januar Vizepräsident der USA, hat in seiner Zeit als Gouverneur von Indiana ein privates Konto für dienstliche E-Mails genutzt.

Hillary Clinton selbst hatte als US-Außenministerin Mails mit sensiblen Daten über ihren privaten Server laufen lassen. Deswegen geriet sie mehrfach ins Visier des FBI und wurde im Wahlkampf hart angegangen - von Donald Trump und auch von Mike Pence.

Dass eben jener Pence nun selbst wegen seiner E-Mail-Nutzung ins Gerede kommt, dürfte Clinton mindestens interessiert zur Kenntnis nehmen. Die 69-Jährige hat den Schnappschuss aus dem Flugzeug allerdings nicht selbst verbreitet. Das war offenbar eine Mitreisende namens Caitlin Quigley. Wie die 32-Jährige der "Huffington Post" mitteilte, habe sie Clinton nur fotografieren wollen, um zu beweisen, dass sie mit der früheren Außenministern gemeinsam an Bord des Flugs von Boston nach New York war.

Doch als sie Clintons Zeitung bemerkte, habe sie gedacht: Das ist "zu gut, um es nicht zu teilen". Sie habe es zunächst nur ein paar Menschen um sich herum geschickt. Dann habe das Foto seinen Weg in die sozialen Netzwerke gefunden, wo es inzwischen tausendfach kommentiert wurde.

Am Donnerstag hatte die Zeitung "The Indianapolis Star" berichtet, dass Pence seinen AOL-Account regelmäßig für die Kommunikation über Amtsgeschäfte verwendete. Er kommunizierte demnach etwa über Sicherheitstore an seinem Wohnsitz oder die Reaktion des Bundesstaates auf Terrorattacken. Im vergangenen Sommer soll auf das Konto ein Hackerangriff verübt worden sein.

Pence bestätigte die Nutzung am Freitag. Man könne den Vorgang überhaupt nicht mit Clinton vergleichen, sagte der Vizepräsident. Er habe keine vertraulichen Informationen missbraucht, auch habe er keine E-Mails zerstört. Er habe sich im vollen Einklang mit den Gesetzen des Bundesstaats befunden.

Eine Sprecherin des Weißen Hauses sagte, zwischen Clinton und Pence lägen Lichtjahre an Unterschieden. Pence sei Gouverneur gewesen und kein Bundesbediensteter, deswegen seien auch die Gesetze verschieden. Der Grad der Vertraulichkeit sei in Clintons Angelegenheiten viel höher gewesen. Außerdem habe Pence anders als Clinton ohne jede Ausnahme seine gesamten Mails übergeben.

hut/Reuters/dpa



insgesamt 23 Beiträge
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romeov 04.03.2017
1. Langweilig
Mir scheint, dass die Redaktion das amerikanische System noch immer nicht begriffen hat, schauen Sie sich eine Wrestling-Show an, genau so funktionieren die Vereinigten Staaten. Trump verkörpert dies wie kein Präsident zuvor.
spon-1169332508199 04.03.2017
2.
Lock Him UP!
frantonis 04.03.2017
3. Seit wann schreibt man E-Mail
ohne den Bindestrich? Muss ich umdenken?
Cluedo 04.03.2017
4. ... die ewig gleiche Geschichte .....
..... wenn zwei das Gleiche tun, dann ist es noch lange nicht dasselbe .... Pence ist ja einer von den "Guten", die heroisch gegen das "Establishment" kämpfen, und Clinton die böse "Kriegstreiberin", die man mit allen Mitteln zur Strecke bringen musste, da waren ihre dienstlichen Emails auf einem privaten Account eine tolle Waffe für FoxNews und Co. Bei Pence ist es nur "usual business". Heuchelei ist ein integraler Bestandteil von Parteipolitik, aber sie produziert auch einen großen Teil der "Politikverdrossenheit". Gerade Leute wie Pence&Co, die mit ihrer religiösen Inbrunst hausieren gehen, entpuppen sich oft als die größten Heuchler.
Butenkieler 04.03.2017
5. Unterschiede
Er ist ein Mann und Republikaner und hat AOL genutzt. Sie ist bloß eine Frau und Demokratin. Das sagt doch alles aus. Außerdem war er zu dem Zeitpunkt Gouverneur des Staates und hat die Gesetze des Staats mitgeprägt. Das enthebe ihn von der Pflicht der Datensicherung. Schöne neue Welt.
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