US-Außenminister in Seoul Pompeo sieht noch Diskussionsbedarf - vorerst keine Lockerung der Sanktionen

Bevor er nach China aufbricht hat US-Außenminister Pompeo mit dem südkoreanischen Präsidenten über den Trump-Kim-Gipfel gesprochen. Laut Moon ist die gesamte Welt der Bedrohung eines Atomkriegs entkommen.

Pompeo und Moon in Seoul
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Pompeo und Moon in Seoul


US-Außenminister Mike Pompeo und Südkoreas Präsident Moon Jae In haben die Ergebnisse des US-Nordkorea-Gipfels erörtert. Bei dem Treffen am Donnerstagmorgen in Seoul habe Moon das Gipfeltreffen von US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un in Singapur als großen Erfolg bewertet. "Es gibt zwar viele unterschiedliche Sichtweisen auf die Resultate des Gipfels, doch am wichtigsten ist, dass es der gesamten Welt - inklusive Amerikanern, Japanern und Chinesen - erlaubt hat, der Bedrohung eines Atomkriegs und Langstreckenraketen zu entkommen", sagte Moon nach Angaben des Präsidentenamts.

Nach Pompeos Darstellung gibt es noch viel Diskussionsbedarf zwischen den USA und Nordkorea. Allerdings würden sich die Bemühungen Washingtons zur Denuklearisierung letztlich als erfolgreich herausstellen und zu Frieden auf der koreanischen Halbinsel führen.

Schon am Vorabend hatte Pompeo in Seoul vor Journalisten gesagt, die USA gingen von einer maßgeblichen atomaren Abrüstung Nordkoreas bis zum Jahr 2020 oder 2021 aus. Pompeo war aus Singapur angereist, wo er am Gipfeltreffen von Trump und Kim teilgenommen hatte.

Pompeo und Kono in Seoul
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Pompeo und Kono in Seoul

In Seoul traf Pompeo auch mit seinem Amtskollegen aus Japan zusammen, Taro Kono. Dabei bekräftigte Pompeo, dass die US-Regierung weiterhin am Ziel einer "vollständigen, überprüfbaren und unumkehrbaren" Denuklearisierung Nordkoreas festhalten. Unter Denuklearisierung verstehen die USA die vollständige atomare Abrüstung. Es werde keine Lockerungen der Sanktionen gegen Nordkorea geben, bevor dieses Ziel nicht erreicht sei. "Wir denken, dass Kim Jong Un die Dringlichkeit versteht", sagte Pompeo.

Medienberichten zufolge hat Kim in Singapur seine Bereitschaft zu einem Treffen mit dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe signalisiert. Das berichtete die japanische Tageszeitung "Sankei Shimbun" unter Berufung auf Regierungsquellen. Die Regierung in Tokio strebe einen Gipfel zwischen Kim und Abe im September an, berichtete auch die japanische Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf informierte Kreise. Japan und Nordkorea unterhalten keine bilateralen Beziehungen.

Im Video: So feiern Nordkoreas Medien das Gipfeltreffen

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Hochrangige Militärgespräche zwischen Nord- und Südkorea

Derweil gehen auf der koreanischen Halbinsel die Verhandlungen weiter. Erstmals seit mehr als zehn Jahren führten Vertreter aus Nord- und Südkorea am Donnerstag hochrangige Militärgespräche. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Seoul begannen sie am Morgen auf der nordkoreanischen Seite von Panmunjom an der entmilitarisierten Zone.

Es wird erwartet, dass bei dem Treffen unter anderem über Möglichkeiten zur Lockerung militärischer Spannungen sowie der Herstellung einer Kommunikationsverbindung zwischen den Militärführungen der beiden Länder diskutiert wird.

Südkoreas fünfköpfige Delegation wird von Generalmajor Kim Do Gyun geleitet, die ebenfalls fünfköpfige Delegation Nordkoreas von Generalleutnant An Ik San. Zuletzt trafen sich hochrangige Vertreter des Militärs beider Länder im Dezember 2007.

Pompeo reist am Donnerstag nach China

Am Donnerstag wird Pompeo in Peking erwartet - angesichts des Handelsstreits zwischen China und den USA keine einfache Reise. Die beiden größten Volkswirtschaften der Welt drohen sich gegenseitig mit Zöllen auf eine ganze Reihe von Produkten. Für diesen Freitag hatten die USA eine Liste chinesischer Produkte angekündigt, die mit Zöllen im Gegenwert von insgesamt 50 Milliarden US-Dollar belegt werden könnten.

Es ist Pompeos erster Besuch in China als Außenminister. Nach Angaben der Agentur Xinhua folgt er einer Einladung seines chinesischen Amtskollegen Wang Yi. China spielt im Atomkonflikt mit Pjöngjang als Schutzmacht Nordkoreas eine zentrale Rolle.

aar/dpa/AFP

insgesamt 8 Beiträge
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YourSoul Yoga 14.06.2018
1. Gewinner: China
Trump hat die USA in eine missliche Lage manövriert. Der Tenor von "wir sind jetzt alles gute Freunde" plus die einem Trump-Impuls entsprungene Zusage, keine Manöver mehr mit Südkorea abhalten zu wollen, sind recht solide und nachprüfbare Statements. Was hat Nordkorea garantiert: Nichts. Kim spielt auf Zeit. Nordkorea kann im Schneckentempo abrüsten und das entspräche immer noch dem blutleeren Singapur-Protokoll. In Peking sollten ob dieses Erfolges die Sektkorken knallen. Bis es so weit ist, können noch gut 20 Jahre vergehen, bis dahin hat China die USA überholt ( wirtschaftlich, politisch und militärisch ) und am Ende steht ohnehin die "Eingemeindung" der Koreanischen Halbinsel in die geopolitische Infrastruktur Chinas. Spiel, Satz und Sieg: Peking.
espressotime 14.06.2018
2.
Tja, so sieht es aus. Nach der ganzen Euphorie haben die Amis erst gemerkt, was für ein Hollywood Spektakel sie eigentlich veranstaltet haben. Jetzt wollen sie das Ruder zurück drehen.
m-zmann 14.06.2018
3. Sehr anständig.
Pompeo versucht wenigstens, mit Südkorea ins Gespräch über das Singapurer Abkommen von 2018 zu kommen. Chamberlain und Daladier haben ihrerseits damals den vor der Tür wartenden Benes lediglich informiert... Wir leben in interessanten Zeiten.
g.eliot 14.06.2018
4. Wer ist der größte Feind?
Nordkoreas Staatsfernsehen feierte schon einen Sieg, verkündete Ende der Sanktionen. Warum sollte denn China noch die Sanktionen aufrechterhalten, wenn der POTUS vor der ganzen Welt kundtat, dass die atomare Bedrohung vorbei ist. Auf seinem Twitter-Account teilte er anschließend dem amerkanischen Volk und damit der ganzen Welt mit, wo er den Feind ortet: Amerikanische Journalisten seien die größten Feinde des amerikanischen Volkes. Damit meinte er natürlich die Fake News, also den investigativen Journalismus, der über ihn kritisch berichtet. Und ihm die Freude und den Lob nicht gönnt, wenn er großspurig verspricht, Nordkorea bei dem "Summit" unwiderruflich zum vollständigen Abbau seiner Nuklearwaffen zu bringen, während er nichts dergleichen zustandebekommen hat.
g.eliot 14.06.2018
5.
Um noch mal zu meinem vorherigen Post zurückzukommen: Hier, ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, wie Trump und seine engen Mitarbeiter mit den Medien umgehen oder viel mehr umspringen. Im u.a. Artikel gibt es ein Heading: "No longer a nuclear threat" mit einem Video, in welchem Pompeo versucht, sich dafür zu rechtfertigen, warum seine vor dem Summit festgelegten Bedingungen im endgültigen Statement nicht enthalten waren. Pompeo hatte vor dem Treffen bestätigt, dass das Abschluss-Statement ausdrücklich festlegen sollte, dass für Nordkoreas Denuklearisierung ein Nachweis vorgelegt wird und dass der Prozess unwiderruflich ist (verification bzw. irreversible). Doch im Statement sind keine derartigen, verbindlichen Bedingungen enthalten, sondern die Formulierung ist eher vage: North Korea commits to work towards complete denuclearization. Das Video zeigt, wie Pompeo versucht sich herauszureden, indem er immer wieder beteuert, dass das Statement diese Bedingungen enthalten würde, was falsch ist. Schließlich reagiert er ungehalten und unterbricht das Interview. https://edition.cnn.com/2018/06/14/asia/north-korea-kim-trip-kcna-intl/index.html
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