Möglicher neuer US-Außenminister Mike Pompeo - der Hardliner aus Kansas

Offiziell ist Rex Tillerson noch US-Außenminister, doch sein Aus soll beschlossen sein. CIA-Direktor Mike Pompeo könnte dessen Posten übernehmen. Wer ist der Mann, den Trump installieren will?

Mike Pompeo
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Mike Pompeo


"Er ist hier. Rex ist hier": Es ist ein halbherziges Dementi, das US-Präsident Donald Trump liefert, als er auf Berichte über den möglichen Abgang seines Außenministers Rex Tillerson angesprochen wird. Die "New York Times" will über entsprechende Informationen aus dem Weißen Haus verfügen. Der US-Präsident gibt sich ahnungslos.

Dabei gilt das Verhältnis von Trump und Tillerson schon länger als äußert angespannt: Für Ärger sorgten vor allem unterschiedliche Ansichten zum Umgang mit Nordkorea und der amerikanischen Haltung zum Atomabkommen mit Iran. Tillerson soll Trump intern sogar einen "Schwachkopf" genannt haben. Klar ist: Der Republikaner und der selbstbewusste Ex-Chef des Weltkonzerns ExxonMobil kommen nicht gut mit einander aus. Trump soll bereits einen Kandidaten für die Nachfolge im Außenamt haben: Mike Pompeo.

Es würde ins Bild passen: Trump umgibt sich gerne mit hochrangigen Militärs. Er mag ihre Härte, Erfahrung und Disziplin. Diese Eigenschaften würde der derzeitige Chef des Auslandsgeheimdienstes mitbringen.

Doch warum fällt Trumps Wahl gerade auf ihn - und wäre er überhaupt für das Amt geeignet? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Wer ist eigentlich Mike Pompeo?

Abschluss an der Militärakademie Westpoint, Studium an der Eliteuniversität Harvard - Mike Pompeo bringt als ehemaliger Panzeroffizier, Jurist und Unternehmer gleich mehrere Eigenschaften mit, die Trump gefallen dürften. Der US-Präsident berief den 53-Jährigen kurz nach seiner Amtseinführung als Präsident an die Spitze der CIA - dort versucht Pompeo, mit Reformen die Macht seiner Behörde noch auszuweiten.

Er gehört zum rechten Flügel der Republikanischen Partei. 2010 profitierte er von der Welle der Tea-Party-Rebellion und wurde in den Kongress gewählt: Er gilt als Hardliner aus Kansas, der Waterboarding nicht als Foltermethode einstufen wollte und sich dagegen aussprach, die Abhörpraktiken der NSA einzuschränken.

Wie ist sein Verhältnis zu Trump?

Zunehmend vertrauensvoll. Viermal die Woche, um 10 Uhr morgens, schätzt der 53-Jährige für den Präsidenten die Lage ein, berichtet unter anderem der britische "Telegraph". Trump hat dabei Gefallen an dem CIA-Direktor gefunden. Inzwischen soll der Präsident ihn auch bei anderen Themen um Rat fragen, die eigentlich nichts mit den Geheimdiensttätigkeiten zu tun haben - etwa die Gesundheitsversorgung oder Entwicklungen im Kongress.

Ist er für den Posten überhaupt geeignet?

Über außenpolitische Erfahrung verfügt Pompeo nicht - aber das hielt Trump auch nicht davon ab, Tillerson zum Chef des State Departments zu berufen. Als Chef des Auslandsgeheimdienstes ist Pompeo aber natürlich mit außenpolitischen Themen gut vertraut.

Insgesamt dürfte Pompeo aber inhaltlich mehr mit Trump auf einer Linie liegen. Denn während Tillerson versuchte, den Präsidenten bei manchen Vorstößen noch zu bremsen, könnte der Kurs unter Pompeo noch konfrontativer werden, glauben Beobachter.

Hat er sich bisher zu außenpolitischen Themen geäußert?

Ein Großteil der CIA-Arbeit konzentrierte sich zuletzt auf den Atomkonflikt mit Nordkorea. Dafür wurde sogar ein Zentrum im CIA-Hauptquartier in Virginia eingerichtet - genau zu diesem Themenkomplex hat sich auch Pompeo mehrfach geäußert: Nach diversen Raketentests empfahl er, dass Nordkoreas Diktator Kim Jong Un entfernt werden müsste. Iran warf er zudem vor, sich nicht an die Abmachungen des Atomabkommens zu halten.

Innenpolitisch unterstütze er zudem den Präsidenten, als er nach dem Neonazi-Aufmarsch in Charlottesville in die Kritik geriet.

mho



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