Stockholm - Die weltweiten Militärausgaben sind erstmals seit über einem Jahrzehnt fast unverändert geblieben. Sie lagen 2011 bei insgesamt 1,74 Billionen Dollar. Das ist ein Plus von 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, teilte das Friedensforschungsinstitut Sipri (Stockholm International Peace Research Institute) am Dienstag mit. Damit liegt der Zuwachs deutlich unter denen der vergangenen Jahre.
Von 2001 bis 2009 hatten die weltweiten Militärausgaben noch jedes Jahr um durchschnittlich 4,5 Prozent zugelegt. 2011 lagen sie nach Sipri-Schätzungen bei rund 1,74 Billionen Dollar (1,33 Billionen Euro) weltweit. Insgesamt kürzten sechs der Länder mit den höchsten Militärausgaben ihre Mittel: Deutschland, Frankreich, Brasilien, Indien, Großbritannien und die USA.
Deutschland gehört, gemessen am Militärhaushalt, international immer noch zu den Top Ten. Es rutschte aber in der Länderliste vom achten auf den neunten Platz. Insgesamt seien die Ausgaben in Deutschland um 3,5 Prozent auf geschätzte 46,7 Milliarden Dollar geschrumpft, teilte Sipri mit.
USA senken ihre Militärausgaben
Die USA stehen mit einem Militärbudget von 711 Milliarden Dollar weiter unangefochten an der Spitze. Zum ersten Mal seit 1998 senkten sie allerdings ihre Ausgaben. Diese fielen preisbereinigt um 1,2 Prozent. Ein wichtiger Grund für den Rückgang in Amerika sind nach Angaben der Stockholmer Forscher die langwierigen Verhandlungen im Kongress über den Haushalt für 2011. Das Institut erwartet, dass die US-Ausgaben für die Streitkräfte weiter sinken werden. Sipri begründet dies mit der Truppenreduzierung in Afghanistan, dem Abzug aus dem Irak und dem im vergangenen Jahr in den USA verabschiedeten Gesetz zur Haushaltskontrolle.
Auch die von der europäischen Schuldenkrise besonders betroffenen Länder Griechenland, Spanien, Italien und Irland senkten ihre Ausgaben für das Militär im vergangenen Jahr.
China und Russland investieren
Gegenläufig zum allgemeinen Trend erhöhten China und Russland ihre Militärausgaben deutlich. China gab mit 143 Milliarden Dollar 6,7 Prozent mehr aus als im Vorjahr - und liegt damit auf Platz zwei der internationalen Sipri-Rangliste. Mit dem Geld sind nach Angaben der Stockholmer Forscher die Arbeitsbedingungen und Einkommen der Soldaten verbessert und deren Ausrüstung modernisiert worden. Chinas Technologie liegt dennoch immer noch ein bis zwei Generationen hinter der der USA.
Russlands Militärhaushalt legte im vergangenen Jahr um 9,3 Prozent auf 71,9 Milliarden Dollar zu. Das ist Rang drei auf der internationalen Liste für Militärausgaben. Eine weitere Erhöhung der Armee-Mittel in den kommenden Jahren sei geplant, hieß es im Sipri-Bericht. Im Nahen Osten seien die Ausgaben insgesamt um geschätzte 4,6 Prozent gestiegen. Aus zahlreichen Ländern - darunter Iran - fehlten allerdings die Daten.
Auch auf dem afrikanischen Kontinent stiegen die Ausgaben für die Streitkräfte. Das Plus von 8,6 Prozent sei allerdings vor allem der Entwicklung in Algerien zuzuschreiben, teilte Sipri mit. Dort hatte die Regierung aus Angst vor einem Überschwappen der Proteste aus dem benachbarten Libyen das Militärbudget erhöht. Rechne man Algerien raus, blieben die Militärausgaben in Afrika im Vorjahresvergleich nahezu unverändert.
Das Friedensforschungsinstitut Sipri bewertete für seinen Bericht die Regierungsausgaben für das Militär: Darunter fielen die Gehälter der Truppen, Kosten für Einsätze und ihre Verwaltung, sowie für Waffen und Entwicklung. Im Februar hatten die Stockholmer Forscher bereits Daten über die Geschäfte der 100 führenden Waffenkonzerne veröffentlicht. Im März folgte ein Bericht über weltweite Rüstungsexporte.
heb/dpa/dapd/Reuters
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