Weltweite Militärausgaben: China und Russland rüsten auf, der Westen spart

Erstmals seit über einem Jahrzehnt sind die globalen Militärausgaben kaum gestiegen - das zeigt die neue Studie des Forschungsinstituts Sipri. Die Ergebnisse für die einzelnen Länder sind aber sehr unterschiedlich. Während die USA und Europa sparen, erhöhten China und Russland die Ausgaben massiv.

Russlands starker Mann, Wladimir Putin, vor Militärjet: 9,3 Prozent mehr Rüstungsausgaben Zur Großansicht
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Russlands starker Mann, Wladimir Putin, vor Militärjet: 9,3 Prozent mehr Rüstungsausgaben

Stockholm - Die weltweiten Militärausgaben sind erstmals seit über einem Jahrzehnt fast unverändert geblieben. Sie lagen 2011 bei insgesamt 1,74 Billionen Dollar. Das ist ein Plus von 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, teilte das Friedensforschungsinstitut Sipri (Stockholm International Peace Research Institute) am Dienstag mit. Damit liegt der Zuwachs deutlich unter denen der vergangenen Jahre.

Von 2001 bis 2009 hatten die weltweiten Militärausgaben noch jedes Jahr um durchschnittlich 4,5 Prozent zugelegt. 2011 lagen sie nach Sipri-Schätzungen bei rund 1,74 Billionen Dollar (1,33 Billionen Euro) weltweit. Insgesamt kürzten sechs der Länder mit den höchsten Militärausgaben ihre Mittel: Deutschland, Frankreich, Brasilien, Indien, Großbritannien und die USA.

Deutschland gehört, gemessen am Militärhaushalt, international immer noch zu den Top Ten. Es rutschte aber in der Länderliste vom achten auf den neunten Platz. Insgesamt seien die Ausgaben in Deutschland um 3,5 Prozent auf geschätzte 46,7 Milliarden Dollar geschrumpft, teilte Sipri mit.

USA senken ihre Militärausgaben

Die USA stehen mit einem Militärbudget von 711 Milliarden Dollar weiter unangefochten an der Spitze. Zum ersten Mal seit 1998 senkten sie allerdings ihre Ausgaben. Diese fielen preisbereinigt um 1,2 Prozent. Ein wichtiger Grund für den Rückgang in Amerika sind nach Angaben der Stockholmer Forscher die langwierigen Verhandlungen im Kongress über den Haushalt für 2011. Das Institut erwartet, dass die US-Ausgaben für die Streitkräfte weiter sinken werden. Sipri begründet dies mit der Truppenreduzierung in Afghanistan, dem Abzug aus dem Irak und dem im vergangenen Jahr in den USA verabschiedeten Gesetz zur Haushaltskontrolle.

Auch die von der europäischen Schuldenkrise besonders betroffenen Länder Griechenland, Spanien, Italien und Irland senkten ihre Ausgaben für das Militär im vergangenen Jahr.

China und Russland investieren

Gegenläufig zum allgemeinen Trend erhöhten China und Russland ihre Militärausgaben deutlich. China gab mit 143 Milliarden Dollar 6,7 Prozent mehr aus als im Vorjahr - und liegt damit auf Platz zwei der internationalen Sipri-Rangliste. Mit dem Geld sind nach Angaben der Stockholmer Forscher die Arbeitsbedingungen und Einkommen der Soldaten verbessert und deren Ausrüstung modernisiert worden. Chinas Technologie liegt dennoch immer noch ein bis zwei Generationen hinter der der USA.

Russlands Militärhaushalt legte im vergangenen Jahr um 9,3 Prozent auf 71,9 Milliarden Dollar zu. Das ist Rang drei auf der internationalen Liste für Militärausgaben. Eine weitere Erhöhung der Armee-Mittel in den kommenden Jahren sei geplant, hieß es im Sipri-Bericht. Im Nahen Osten seien die Ausgaben insgesamt um geschätzte 4,6 Prozent gestiegen. Aus zahlreichen Ländern - darunter Iran - fehlten allerdings die Daten.

Auch auf dem afrikanischen Kontinent stiegen die Ausgaben für die Streitkräfte. Das Plus von 8,6 Prozent sei allerdings vor allem der Entwicklung in Algerien zuzuschreiben, teilte Sipri mit. Dort hatte die Regierung aus Angst vor einem Überschwappen der Proteste aus dem benachbarten Libyen das Militärbudget erhöht. Rechne man Algerien raus, blieben die Militärausgaben in Afrika im Vorjahresvergleich nahezu unverändert.

Das Friedensforschungsinstitut Sipri bewertete für seinen Bericht die Regierungsausgaben für das Militär: Darunter fielen die Gehälter der Truppen, Kosten für Einsätze und ihre Verwaltung, sowie für Waffen und Entwicklung. Im Februar hatten die Stockholmer Forscher bereits Daten über die Geschäfte der 100 führenden Waffenkonzerne veröffentlicht. Im März folgte ein Bericht über weltweite Rüstungsexporte.

heb/dpa/dapd/Reuters

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insgesamt 58 Beiträge
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1. .
Ylex 17.04.2012
"China und Russland rüsten auf, der Westen fällt zurück" Ein Glück.
2. Westliches Hegemonialdenken
ronomi47 17.04.2012
Dieser Artikel ist bloss warme Luft. Nach wie vor sind die Ausgaben der USA, implizit auch finanziert durch die Dollarschwemme des FED, absolut Spitze. Und wenn Deutschland immer noch knapp 47 Milliarden Dollar, Russland (immerhin einstige Weltmacht Nr 2) aber 72 Milliarden ausgibt, erübrigt sich jeder weitere Kommentar.
3.
notty 17.04.2012
Zitat von sysopAPErstmals seit über einem Jahrzehnt sind die weltweiten Militärausgaben kaum gestiegen - das zeigt die neue Studie des Forschungsinsitituts Sipri. Die Ergebnisse für die einzelnen Länder sind aber sehr unterschiedlich. Während die USA und Europa sparen, rüsten China und Russland massiv auf. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,827963,00.html
So, so...."der Westen faellt zurueck" (mit -1.2% der Amerikaner)...und "China und Russland ruesten massiv auf" herrliche wie laecherliche Wortwahl... Vielleicht haette man auch schreiben koennen, dass der Westen mit seinen "Overkill-Anstrengungen" etwas stagniert....
4. Militärausgaben ...
santaponsa 17.04.2012
Zitat von sysopAPErstmals seit über einem Jahrzehnt sind die weltweiten Militärausgaben kaum gestiegen - das zeigt die neue Studie des Forschungsinsitituts Sipri. Die Ergebnisse für die einzelnen Länder sind aber sehr unterschiedlich. Während die USA und Europa sparen, rüsten China und Russland massiv auf. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,827963,00.html
... sind "Investitionen", in was eigentlich in einer globalisierten, atomar gerüsteten Welt der Gross-Mächte? Afghanistan, vorher schon Vietnam und auch der Irak haben gezeigt, dass hochgerüstete Männer und Hightech-Waffen nichts mehr ausrichten können in "asymetrischen" Kriegen, also in Kriegen mit "billigen", den Tod nicht scheuenden Attentätern. Ich habe den militärisch-industriellen Komplex im Westen und auch in China und Russland und anderswo dringend in Verdacht, dass es dort nur um die Bereicherung der Waffenhersteller UND um das Protzen von Politikern mit der "schimmernden" Wehr zu Lasten der Steuerzahler geht. "Verkauft" wird den Staatsbürgern dieses Verhalten aber mit Sicherheits-Argumenten. Diese kann ich nur noch im Konflikt Iran-Israel nachvollziehen!
5. Was will uns dieser Titel sagen
eandr 17.04.2012
Zitat von sysopAPErstmals seit über einem Jahrzehnt sind die weltweiten Militärausgaben kaum gestiegen - das zeigt die neue Studie des Forschungsinsitituts Sipri. Die Ergebnisse für die einzelnen Länder sind aber sehr unterschiedlich. Während die USA und Europa sparen, rüsten China und Russland massiv auf. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,827963,00.html
Aus der Studie folgt, dass in den USA die Militärausgaben zehnmal so hoch, wie die von Russland sind. Da frag ich mich, warum die Überschrift des Artikels "China und Russland rüsten auf" lautet. Was sollte damit bezweckt werden ? Russische Ausgaben sind um einen Betrag gestiegen, der grade 1% der amerikanischen Ausgaben darstellt...Spielt diese Steigerung im Gesamtbild eine Rolle ? Plump..
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Ausrüstung der Bundeswehr
Mit welcher Ausrüstung arbeitet die Bundeswehr in Afghanistan? Panzer, Mörser, Hubschrauber - klicken Sie auf die Überschriften, um mehr zu erfahren
Panzer
DDP
Zehn der vor mehr als 30 Jahren eingeführten Schützenpanzer "Marder" stehen der Bundeswehr in Afghanistan zur Verfügung. Für die deutsch-afghanische Militäroffensive im Juli 2009 wurden vier der Panzer von Masar-i-Scharif in die Krisenregion Kunduz verlegt und während der neuntägigen Offensive erstmals in einem Gefecht eingesetzt. Die 20-Millimeter-Bordkanone hat eine Reichweite bis höchstens 2000 Meter - Offiziere sehen hier Probleme beim Kampf gegen Taliban über größere Distanz. Der einst für norddeutsche Bedingungen konstruierte Panzer hat keine Klimaanlage.

dpa
Auch zwei Bergepanzer hat die Bundeswehr nach Afghanistan verlegt. Diese Fahrzeuge werden zum Bergen und Abschub von Material eingesetzt. Sie sind mit einem Kran und Winden ausgerüstet und dienen auch als Hebemittel bei der Instandsetzung. Zur weiteren Ausstattung dieser Panzer gehört zudem eine Schneid- und Schweißanlage.

REUTERS
Nicht in Afghanistan stationiert sind bisher schwere Kampfpanzer vom Typ "Leopard 2", dem Standard-Kampfpanzer der Bundeswehr. Derzeit verfügt das Heer über 350 dieser Geräte. Gedacht ist der Panzer eigentlich, um in einem Krieg an vorderster Front feindliche Panzer zu vernichten. Die Kanone des "Leopard 2" hat eine Reichweite von mehr als vier Kilometern. Die Geschosse durchschlagen mehrere Dezimeter dicken Stahl und bringen beim Aufprall Metall zum Schmelzen. Das Fahrzeug hat einen 1500 PS starken Dieselmotor, fährt bis zu 70 km/h schnell und kann bis zu vier Meter tiefe Gewässer durchqueren.
Panzerhaubitzen
DPA
Angesichts der angespannten Sicherheitslage wurden insgesamt drei Panzerhaubitzen 2000 in Afghanistan stationiert. Eine davon wurde ins deutsche Feldlager im nordafghanischen Kunduz verlegt.

Es ist das schwerste Geschütz, das die Bundeswehr je in einen Einsatz geschickt hat. Die Panzerhaubitze 2000 ist elf Meter lang und hat ein Gefechtsgewicht von 56 Tonnen. Die 155-Millimeter-Kanone kann 40 Kilometer weit schießen und selbst auf diese Entfernung auf 30 Meter genau treffen.

Mörser
Erstmals setzte die Bundeswehr im Jahr 2009 Mörser mit scharfer Munition ein. Der 120-Millimeter-Mörser "Tampella" stand schon länger zur Verfügung. Doch Deutschland wollte die dazugehörigen Granaten nicht verwenden, um den Tod von Zivilisten und eigenen Soldaten von vornherein auszuschließen. Bislang setzte die Bundeswehr auf Abschreckung durch Leuchtmunition.
Gewehre
Die Bundeswehr verwendet das Sturmgewehr G36, die Standard-Infanteriewaffe der Bundeswehr.
Transportfahrzeuge
DPA
Die Bundeswehr hat 970 zum Teil stark geschützte Fahrzeuge in Afghanistan, darunter 210 vom Typ "Dingo". Ferner fahren die Soldaten mit dem "Fuchs"-Transportpanzer (100) und dem leicht gepanzerten Militärfahrzeug "Eagle". Auch Geländewagen vom Typ "Wolf" (400) sind dort sowie das Mehrzweckfahrzeug "Mungo". Beide Fahrzeuge bieten bei Anschlägen kaum Schutz. Der "Mungo" wurde aus dem Kleinlaster "Multicar" entwickelt, der in vielen deutschen Kommunen zur Reinigung von Gehwegen verwendet wird.
Hubschrauber
Getty Images
Die Bundeswehr hat in Afghanistan keine eigenen Kampfhubschrauber, die Patrouillen schützen oder in Kämpfe am Boden aus der Luft eingreifen könnten. Die sogenannte Luftnahunterstützung im Gefechtsfall kommt von Isaf-Verbündeten. Die bereits an Deutschland ausgelieferten Modelle des europäischen Kampfhubschraubers "Tiger" sind wegen technischer Probleme noch nicht einsatzbereit. Für Lufttransporte stehen acht Hubschrauber "Sikorsky CH-53" zur Verfügung.
Transportflugzeuge
AP
Am Hindukusch sind acht "Transall" stationiert, die in den sechziger Jahren eingeführt wurden und eigentlich 2010 vom A400M abgelöst werden sollten. Wegen Entwicklungsproblemen des Herstellers wird der A400M nun aber erst Jahre später bereitstehen.
Aufklärungsflugzeuge
ddp
Recce-Tornados waren von April 2007 bis Ende November 2010 im Einsatz. Die sechs Flugzeuge waren in Masar-i-Scharif stationiert. Sie haben zwei Bordkanonen, die während des Einsatzes in Afghanistan ausschließlich dem Selbstschutz dienten. Einziger Auftrag der Tornados war wie bei den Nato-Awacs-Maschinen die Aufklärung. Die Awacs-Flugzeuge sind unbewaffnet und können nach Bundeswehrangaben im Gegensatz zu den Tornados keine Ziele am Boden ausmachen. Die Awacs-Besatzungen sollen durch Koordinierung für Sicherheit in der Luft sorgen, weil der zivile Flugverkehr massiv angestiegen ist und Kollisionen mit den Militärmaschinen der internationalen Truppen verhindert werden sollen. Die Taliban haben keine Flugzeuge oder Hubschrauber.