Militärbasis Saudis wollen US-Soldaten nicht mehr

Saudi-Arabien könnte die USA schon bald bitten, ihre Truppen aus dem Land abzuziehen, berichtet die "Washington Post". Doch für die Amerikaner ist der Stützpunkt in der Golfregion unverzichtbar, vor allem wegen des schwelenden Konflikts mit dem Irak.


Washington - In Saudi-Arabien mache sich zunehmender Unmut über die amerikanische Militärpräsenz breit, berichtet die "Washington Post". Arabische Führer seien der Auffassung, die Amerikaner seien länger geblieben, als sie willkommen waren. "Sie haben die Gastfreundschaft überzogen", habe einer von ihnen gesagt. Nach dem Krieg in Afghanistan müsse man über neue Formen der militärischen Zusammenarbeit mit den USA nachdenken.

Doch die Amerikaner wissen nach offiziellen Angaben nichts von solchen Ansinnen des arabischen Partners. Präsident George W. Bush wolle die US-Präsenz in dem Königreich beibehalten, zitiert die "Washington Post" den Sprecher des Weißen Hauses, Ari Fleischer. Über Wünsche der Araber, das US-Militär abzuziehen, sei in Washington nichts bekannt.

Mit Beginn des Golfkrieges 1990 haben die Amerikaner Truppen im ölreichen Saudi-Arabien stationiert. Damals befürchteten beide Länder, Saddam Hussein könnte das Königreich angreifen. Zeitweise befanden sich 500.000 US-Soldaten dort, momentan sind es 5000.

USA sind unbeliebt im Land

In der Zwischenzeit ist Saudi-Arabiens Angst vor dem irakischen Diktator offenbar wieder zurückgegangen. Das Land wolle unabhängig und selbständig erscheinen, nennt die "Washington Post" einen der Hauptgründe gegen die Stationierung der US-Soldaten. Die Präsenz der Amerikaner sorge außerdem zunehmend für innenpolitische Spannungen.

Noch nie sei Amerika so unbeliebt in Saudi-Arabien gewesen, die Königsfamilie halte es für besser, sich von den ehemaligen Beschützern zu distanzieren. Mit den Wallfahrtsorten Medina und Mekka im Land spielt das Königreich außerdem eine besondere Rolle als Bewahrer des islamischen Glaubens in der arabischen Welt, da machen sich die Amerikaner im Land nicht gut. Zudem will sich Saudi-Arabien nicht in einen möglichen neuen Konflikt der USA mit dem Irak verwickeln lassen.

Freundliche Gastgeber gesucht

In den USA sind die Meinungen laut "Washington Post" geteilt. Manche Militärstrategen befürchten, dass das Land die Kontrolle über den Irak verlieren könnte. Auch Ex-Präsident Bill Clinton sei für einen Verbleib der Truppen. Nur mit ihnen könnten die USA schnell auf Konflikte in der Region reagieren.

"Wir brauchen die Airbase für einen möglichen Krieg mit dem Irak oder Iran", nennt der Experte für den Mittleren Osten, Anthony Cordesman, die Dinge beim Namen. US-Senator Carl M. Levin schlage dagegen vor, man solle sich freundlichere Gastgeber für die Truppen suchen. "Ich glaube, die Saudis wollen uns nicht mehr. Offenbar denken sie, sie tun uns einen Gefallen wenn wir ihr Land beschützen," zitiert das Blatt den Senator.

Vielleicht müssen die USA sich schon bald ein neue Militärbasis am Golf suchen, denn der saudi-arabische Kronprinz soll entschlossen sein, das Problem schnell zu lösen. Doch wohin die Soldaten dann sollen, ist unklar. Experte Cordesman sieht darin das Hauptproblem. Alle in Frage kommenden Länder seien bereits randvoll mit US-Schiffen, Flugzeugen und anderem Kriegsmaterial.



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