Militäreinsatz in Libyen Nato fliegt Großangriff auf Tripolis

Es ist die heftigste Attacke seit Beginn des Nato-Einsatzes: In der Nacht haben Kampfjets Tripolis bombardiert, mehr als 20 Explosionen erschütterten die libysche Hauptstadt, Flammen und Rauch stiegen auf. Die Allianz verstärkt den Einsatz gegen Gaddafi - weil ihr die Zeit davonläuft.

Schwarzer Rauch über Gebäude in Tripolis: Nächtliches Bombardement von Nato-Kampfjets
REUTERS

Schwarzer Rauch über Gebäude in Tripolis: Nächtliches Bombardement von Nato-Kampfjets


Tripolis - Mit über 20 Luftangriffen in einer halben Stunde haben Nato-Kampfflugzeuge am frühen Dienstagmorgen Ziele in der libyschen Hauptstadt Tripolis bombardiert. In rascher Folge waren Detonationen zu hören und dichter Rauch stieg über der Stadt auf, auch in der Nähe des Militärkomplexes Bab al-Asisija in dem sich eine Residenz von Machthaber Muammar al-Gaddafi befindet. Regierungssprecher Mussa Ibrahim sagte, mindestens drei Menschen seien getötet und Dutzende verwundet worden.

Beobachter bezeichneten das Bombardement als den schwersten Angriff auf Tripolis seit Beginn der Militäroperation. Ziel der Angriffe waren laut Ibrahim von Freiwilligenverbänden der libyschen Streitkräfte benutzte Gebäude.

Kampfjets fliegen tief

Die Nato teilte mit, dass eine Reihe von Angriffen einem dem Militärkomplex angeschlossenem Fahrzeugdepot gegolten hätte, das zur Versorgung von Regierungstruppen benutzt worden sei, die Angriffe auf Zivilisten durchgeführt hätten. Zunächst war unklar, ob außer dem Depot weitere Ziele angegriffen wurden. Auch in weiterer Entfernung waren Explosionen zu hören.

Die Kampfflugzeuge flogen in niedriger Höhe über die Stadt. Dann waren drei laute Explosionen zu hören, die die Fenster im Umkreis von etlichen Kilometern erzittern ließen. Dann eine Pause, die vom Vorbeizischen weiterer Flugzeuge unterbrochen wurde und der weitere Explosionen folgten.

In dem Hotel, in dem die ausländischen Journalisten in Tripolis untergebracht sind, waren Luftabwehrfeuer und Schreie zu hören. Anhänger des Regimes hupten in ihren Autos und feuerten mit ihren Waffen in die Luft.

Bereits Spezialeinheiten am Boden?

Die Militärallianz unter Führung von Großbritannien, Frankreich und den USA bombardiert seit mittlerweile mehr als zwei Monaten Ziele in Libyen. Nun versuchen die Alliierten offenbar, den Militäreinsatz gegen die Gaddafi-Truppen zu forcieren und Bewegung in die festgefahrenen Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Rebellen im Ostteil des Landes zu bringen.

Frankreich und Großbritannien gaben am Montag bekannt, künftig Kampfhubschrauber im Libyen-Konflikt einzusetzen. Bislang wurden die von der Uno-Resolution sanktionierten Angriffe aus der Luft ausschließlich von Kampfjets ausgeführt.

Berichten zufolge operieren die Truppen der Alliierten bereits mit Spezialeinheiten am Boden. Die Uno-Resolution, auf die sich der Nato-Einsatz in Libyen stützt, verbietet konkret "Besatzungstruppen", nicht aber explizit Bodentruppen.

Zugleich erhöht die US-Regierung den Druck auf ihre Verbündeten. Außenministerin Hillary Clinton rief am Montag weitere Nato-Staaten dazu auf, sich an der Militäroperation zu beteiligen. US-Präsident Barack Obama und der britische Premierminister David Cameron machten in einem Gastbeitrag für die britische Zeitung "The Times" klar, dass sie mit aller Kraft gegen Gaddafi vorgehen werden.

Verbündeten läuft die Zeit davon

Man werde den Einsatz in Libyen gemeinsam mit den Alliierten fortsetzen, bis Resolutionen der Uno umgesetzt seien, erklärten die beiden Politiker, und nicht zulassen, dass die Proteste gegen die Regierung mit Waffengewalt zerschlagen würden. Die Proteste in der arabischen Welt und besonders die Lage in Libyen sind ein wichtiges Thema, wenn Obama am Dienstag in London Cameron trifft.

Ein Grund für die jüngste Militäroffensive in Tripolis könnte sein, dass den Verbündeten im Libyen-Kampfeinsatz die Zeit davonläuft. Der Einsatz zieht sich weit länger hin, als ursprünglich geplant. Frankreich und seine Koalitionspartner hätten großes Interesse, den Konflikt mit Libyen vor Ende Juli zu beenden, beschreibt die französische Zeitung "Le Figaro" das Dilemma der Bündnispartner.

Der im August beginnende muslimische Fastenmonat Ramadan und die starke Sommerhitze könnten die Erfolgschancen der Aufständischen etwa erheblich schmälern. Auch innenpolitisch ist die französische Regierung an einer schnellen Lösung des Konflikts interessiert, da ein länger als vier Monate dauernder Militäreinsatz erst vom Parlament genehmigt werden müsste.

amz/dapd/Reuters/dpa



insgesamt 181 Beiträge
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Seite 1
Rodri 24.05.2011
1. ...
Die Kriegsverbrechen der NATO müssen ein Ende haben !
heliconia 24.05.2011
2. Krieg zum Selbstzweck
Warum setzen die nicht einfach Atombomben ein? Dann haben diese Irren ihr Ziel ganz schnell erreicht. Da wo keine Menschen sind können auch keine Menschenrechte gebrochen werden. Außerdem lassen sich dann die Ressourcen viel ungestörter ausbeuten.
durchblick 24.05.2011
3. Krieg erklaeren
Zitat von sysopEs sind die schwersten Angriffe seit Beginn des Nato-Einsatzes: In der Nacht haben Kampfjets Tripolis bombardiert, mehr als 20 Explosionen erschütterten die libysche Hauptstadt, Flammen und Rauch stiegen auf. Die Allianz verstärkt den Einsatz gegen Gaddafi*- weil ihr die Zeit davonläuft. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,764460,00.html
Fuer die Verletzungen der UN resolution sollte man Frankreich und UK den Krieg erklaeren.
EineBesorgteLeserin 24.05.2011
4. Gut So!
Das wird endlich mal Zeit, dass man Gaddafi und seine Schergen, unmissverständlich klar macht, dass es für sie keine Zukunft mehr an der Spitze des Landes gibt. Je schneller sie aus dem Amt gejagt werden und dort endlich Frieden einkehrt, desto besser.
laie2011 24.05.2011
5. verwundert...
"...3 Menschen verletzt und Dutzende verwundet"??? Ob sich da nicht der Fehlerteufel eingeschlichen hat? Außerdem sollte es heißen "...einem dem Militärkomplex angeschlossenen Fahrzeugdepot" und nicht "angeschlossenem". Geht jetzt sogar bei spon die stilistische Qualität der Artikel in den Keller? Schade!
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