Militäreinsatz in Mali: Hollande kündigt weitere Kämpfe an

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Vorerst sind die Rebellen in Mali aus großen Städten vertrieben. Bei seinem Besuch in Timbuktu kündigte Frankreichs Staatspräsident François Hollande jedoch weitere Kämpfe an - und sagte langfristige Unterstützung zu.

Timbuktu - Drei Wochen nach Beginn des französischen Militäreinsatzes in Mali hat Präsident François Hollande dem Land langfristige Unterstützung zugesagt. "Der Kampf ist nicht vorbei", sagte Hollande am Samstag in Timbuktu bei seinem von der dortigen Bevölkerung umjubelten eintägigen Besuch. Frankreich werde Mali zur Seite stehen, bis das Land seine vollständige Souveränität zurückgewonnen habe.

Gleichzeitig wies Hollande darauf hin, dass Frankreich die Verantwortung für die Sicherheit in dem westafrikanischen Land so bald wie möglich an lokale Streitkräfte übergeben wolle: "Jetzt ist es an den Maliern, die Verantwortung für den Übergang und vor allem für die Sicherheit ihres Landes zu übernehmen", sagte Hollande. In der kürzlich zurückeroberten Wüstenstadt Timbuktu stehe die Übergabe "schon bald" an.

Den Franzosen ist es in den drei Wochen gelungen, die Islamisten aus den drei größten Städten im Norden zu verdrängen. Die Rebellen haben sich in die Berge zurückgezogen. Laut Hollande soll der französisch-malische Einsatz in eine breiter angelegte Uno-Militäraktion unter afrikanischer Führung übergehen. Übergangspräsident Dioncounda Traoré, der die ehemalige Kolonialmacht Frankreich im Kampf gegen die Rebellen um Hilfe gebeten hatte, versicherte: "Zusammen werden wir die Terroristen bis in ihr letztes Versteck jagen." Bisher befinden sich etwa 3500 französische Soldaten in Mali.

Deutschland kündigte an, rund 40 Militärausbilder nach Mali zu schicken. Am 19. Februar entscheidet das Bundeskabinett über die Entsendung. Der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Frank Walter Steinmeier, wies Befürchtungen zurück, Deutschland könne Stück für Stück in Mali in einen weiteren Krieg hineingezogen werden. Mali sei nicht mit Afghanistan vergleichbar, sagte Steinmeier dem "Tagesspiegel am Sonntag". "Ich sehe nicht, dass wir in Mali vor einem erneuten Einsatz von Kampftruppen stehen."

Timbuktu feiert den Militäreinsatz

In Timbuktu wurde Hollande von Tausenden Menschen gefeiert. "Es lebe Frankreich, es lebe Hollande", riefen sie, um für den schnellen Militäreinsatz gegen die Islamisten zu danken. Die Einwohner der Stadt tanzten zu den Rhythmen von Trommeln, die unter den Islamisten verboten waren. "Wir freuen uns, ihn zu treffen, denn er ist unser Befreier, er hat uns von diesen bewaffneten Banditen befreit", sagte ein Händler. "Wir, die Frauen von Timbuktu, wir danken François Hollande unendlich", rief eine 53-jährige Frau, die sich in eine französische Flagge gehüllt hatte.

Timbuktu war erst vor etwa einer Woche von französischen und malischen Streitkräften aus den Händen von Islamisten zurückerobert worden. Hollande sah sich unter dem Schutz von Soldaten eine Moschee an, die zum Weltkulturerbe gehört. Begleitet wird Hollande bei seinem Truppenbesuch von Außenminister Laurent Fabius, Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian und Entwicklungsminister Pascal Canfin.

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Französischer Militäreinsatz: Frankreichs Präsident in Mail eingetroffen
Hollande sucht auch den Dialog mit malischen Politikern. Zum Abschluss der Reise war ein Arbeitsessen in der Hauptstadt Bamako geplant. "Ich reise auch nach Mali, damit es einen politischen Dialog gibt, der es erlaubt, dass Mali nach der Vertreibung der Terroristen, Stabilität und den Geist der Einheit wiederfinden kann", sagte der Staatschef am Freitag bei einem Besuch in Ermont-Eaubonne in der Region Paris.

Auch die Unesco-Generaldirektorin Irina Bokowa ist in der Delegation Hollandes. Sie will nach Angaben der für Kultur zuständigen Organisation der Vereinten Nationen den malischen Behörden in Bamako und Timbuktu Unterstützung signalisieren. "Wir müssen jetzt schnell handeln, um das Land wieder aufzubauen und das einzigartige kulturellen Erbe zu bewahren", sagte Bokowa laut Unesco. Dies sei ein wesentliches Element der nationalen Versöhnung in Mali und Grundlage für den Frieden.

ore/fln/dpa/AFP/Reuters

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1.
Onkel_Karl 02.02.2013
Zitat von sysopREUTERSVorerst sind die Rebellen in Mali aus großen Städten vertrieben. Bei seinem Besuch in Timbuktu kündigte Frankreichs Staatspräsident François Hollande jedoch weitere Kämpfe an - und sagte langfristige Unterstützung zu. http://www.spiegel.de/politik/ausland/militaereinsatz-in-mali-hollande-kuendigt-weitere-kaempfe-an-a-881158.html
Wie edel und human gehen die Franzosen in Mali,die französische Armee vertreibt die Islamisten und malische Armee säubert danach die Städte,wie sie dabei vorgehen hat sogar Human Rights schockiert. Da werden vor laufenden Kameras angebliche Muftis aka Islamisten an den Pick Up gefesselt und ein glaubwürdiger zeuge versichert,dass die Gefangenen an die Armee ausgeliefert werden und verurteilt...danach finden Human Rights Leichen in einem Brunnen. Noch kämpfen die Rebellen nicht,sondern ziehen sich immer weiter nach Norden Malis,was danach passieren wird hat Hollande sehr gut erklärt,es wird nämlich weitere Kämpfe gehen,denn die Rebellen können sich nicht in Luft auflösen,also werden sie in die Nachbarstaaten fliehen und so andere Länder und Regionen destabilisieren... Und warum ist all das passiert,warum gibt es auf einmal so viele Terroristen in der Gegend,das ist auch sehr einfach zu erklären,weil der Vorgänger von Hollande ein gewisser Herr Sarkotzy war und er wollte unbedingt Libyen aka Waffenlager Nord Afrikas demokratisieren,weil die Libyer sich mit Händen und Füssen sich gewehrt haben ,mussten all die Kriminelle und radikale aus der gegend angeheuert werden und jetzt weiss man nicht wohin mit all den Banden. Erst schafft man ein Problem und wartet danach bis man nach Hilfe ruft...einfach ein perfider Plan.
2.
tacereaurum 02.02.2013
Mit deutscher Gründlichkeit wird weiter an der Zertifizierung der Luftbetankunsstutzen gearbeitet. Das kann man sicher auch für den Rücktransport der französischen Truppen gebrauchen.. Hoffentlich helfen uns die französischen Freunde unkomlizierter, wenn wir sie mal dringend zu Hilfe brauchen ! Wenn nein, wir könnten nicht böse sein.
3. Hey Onkel Karl
horstschmitzberger 02.02.2013
Warum sollten die Franzosen nicht zu Ende bringen was sie jetzt schon erfolgreich tun? Feinde vernichten.. Wenn keiner von den Kriegern mehr lebend aus der Wüste kommt, gut für die Bevölkerung, uns hier und die Welt. Wer zum Schwert greift kommt daran um...und gut. Was sie sagen wollen ist nebulös, aber egal was, es klingt irgendwie durch, wir müßten solches Pack hinnehmen und hier irren sie und der von mir wenig geschätzte Sarko kann da gar nix dafür.....auch wenn´s nicht in ihr Weltbild passt, vieles, auch böses geschieht ausserhalb der westlichen Machtgebiete und Einflußzonen. Und Gadaffi nach Diktarur versterben zu lassen war eine Schritt nach vorne für die Lybier, auch wenn jetzt die Erfolge noch nicht umgesetzt sind, nur so kann was neues besseres entstehen.
4.
Onkel_Karl 03.02.2013
Zitat von horstschmitzbergerWarum sollten die Franzosen nicht zu Ende bringen was sie jetzt schon erfolgreich tun? Feinde vernichten.. Wenn keiner von den Kriegern mehr lebend aus der Wüste kommt, gut für die Bevölkerung, uns hier und die Welt. Wer zum Schwert greift kommt daran um...und gut. Was sie sagen wollen ist nebulös, aber egal was, es klingt irgendwie durch, wir müßten solches Pack hinnehmen und hier irren sie und der von mir wenig geschätzte Sarko kann da gar nix dafür.....auch wenn´s nicht in ihr Weltbild passt, vieles, auch böses geschieht ausserhalb der westlichen Machtgebiete und Einflußzonen. Und Gadaffi nach Diktarur versterben zu lassen war eine Schritt nach vorne für die Lybier, auch wenn jetzt die Erfolge noch nicht umgesetzt sind, nur so kann was neues besseres entstehen.
Ihr Beitrag klingt wie NATO Agenda....Wir befreien,wir demokratisieren,die Demokratie braucht ihre Zeit,jetzt müssen wir Demokratie in den befreiten Ländern verteidigen,deswegen kreisen Drohnen in den befreiten Ländern und töten manchmal böse Jungs,jetzt sind die Islamisten in Mali und wir müssen Mali verteidigen,die Islamisten fliehen aus Mali und destabilisieren Nachbarländer und da wir schon sowieso in Afrika sind helfen wir auch den anderen aus. Diese ignorante Weltansicht hat uns Irak und Afganistan gebracht,solche ignorante Weltansicht hat uns Ägypten und Co. geschenkt. In einem Punkt haben Sie völlig Recht,es passiert auch viel böses ausserhalb westlicher Machtgebiete..eben Machtgebiete aber wer gibt uns das Recht über die Köpfe der Menschen dort zu entscheiden,woher wollen wir wissen dass die Syrier lieber so wie die Saudis leben wollen,denn genau aus der Region kommt Geld und Waffen/Kämpfer und glaubt jemand wirklich dass Prinz Saud syrischem Volk Demokratie schenken will? Der Prinz Saud dessen Familie eigenes Volk brutal unterdrückt und jeder andersdenkende verfolgt wird...man muss sehr naiv oder einfach ignorant sein,wenn man wirklich glaubt,dass Katar und Saudi Arabien Demokratie sponsern...aber ich will keinem Illusionen zerstören und gutes Gefühl nehmen,wir helfen jemanden auf der Welt,obwohl in jedem Land Chaos oder Bürgerkrieg herrscht.
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Menschenrechtsverletzungen in Mali: Die Toten im Brunnen

Bevölkerung: 15,370 Mio. Einwohner

Fläche: 1.240.194 km²

Hauptstadt: Bamako

Staatsoberhaupt:
Ibrahim Boubacar Keita

Regierungschef: Moussa Mara

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