Bürgerkrieg in Syrien Iran versorgt Assad über irakischen Luftraum

Die USA sind alarmiert: Iran nutzt laut einem Zeitungsbericht den irakischen Luftraum, um Syriens Machthaber Assad mit Material zu unterstützen. Washingtons Druck auf Bagdad blieb offenbar ohne Erfolg.


New York - Die iranische Regierung setzt offenbar alles daran, den syrischen Verbündeten Baschar al-Assad in dessen Kampf gegen die Rebellen zu unterstützen. Wie die "New York Times" unter Berufung auf US-Regierungsvertreter berichtet, nutzt Teheran seit Monaten den irakischen Luftraum, um Material nach Damaskus zu transportieren.

Einem früheren US-Regierungsvertreter zufolge ist es nicht vollständig klar, um welche Lieferungen es sich handelt, berichtete die "NYT". Es gebe aber mehrere Indizien dafür, dass es sich um Waffen handele.

Dem Bericht zufolge telefonierte US-Vizepräsident Joe Biden am 17. August mit dem irakischen Präsidenten Nuri al-Maliki, um die Syrien-Krise zu thematisieren. Dabei soll er auch seine Besorgnis über die iranischen Hilfsflüge für Syrien durch den irakischen Luftraum angesprochen haben.

Iran hatte demnach bereits in der Vergangenheit den irakischen Luftraum genutzt - seit März hatte es dem Bericht zufolge aber keine entsprechenden Hilfsflüge für die Führung in Damaskus mehr gegeben. Die USA hatten demnach damals Druck auf Irak gemacht, die iranischen Hilfsflüge an Syrien nicht weiter zuzulassen. Die Flüge seien allerdings im Juli wieder aufgenommen worden. Offenbar reagierte Iran damit auf zunehmende Erfolge der syrischen Rebellen. Die Assad-Gegner versuchen unter anderem Grenzübergänge zu kontrollieren, über die zeitweise iranische Lieferungen für das Regime in Damaskus abgewickelt wurden.

Die USA haben kaum eine Möglichkeit, die iranischen Hilfsflüge zu verhindern: Seit ihrem Abzug aus dem Irak im vergangenen Dezember verfügt Washington über keine eigenen Flugzeuge mehr in dem Land, der Irak selbst besitzt keine intakte Luftwaffe. Dennoch könnte Irak dem Bericht zufolge Versuche unternehmen, die iranischen Hilfsflüge zu unterbinden. So könnte Bagdad darauf bestehen, dass in Iran startende Frachtmaschinen mit dem Ziel Syrien in Bagdad für Inspektionen zwischenlanden müssen.

Die Lage in dem Bürgerkriegsland ist dem neuen internationalen Sondergesandten Lakhdar Brahimi zufolge dramatisch. Brahimi forderte die internationale Gemeinschaft jetzt zu einer einheitlichen Haltung im Syrien-Konflikt auf. Die Zahl der Opfer sei "erschütternd", die Lage verschlechtere sich zusehends, warnte der Nachfolger von Kofi Annan am Dienstag vor der Uno-Vollversammlung in New York. Ein gemeinsames Vorgehen der internationalen Gemeinschaft sei dringend notwendig. Der frühere algerische Außenminister kündigte an, in den nächsten Tagen nach Damaskus reisen zu wollen.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon prangerte vor der Vollversammlung die Staaten an, die Waffen nach Syrien lieferten. Gleichgültig, welche Seite sie ausrüsteten, mit ihren Lieferungen sorgten diese Länder nur für "weiteres Elend", kritisierte Ban, ohne Namen zu nennen. Neben Iran rüstet vor allem Russland die Truppen von Präsident Assad aus. Der syrische Machthaber beschuldigt seinerseits Saudi-Arabien, Katar und die Türkei, die Opposition mit Waffen zu unterstützen.

Ban zufolge droht den Vereinten Nationen bei der Hilfe für syrische Flüchtlinge das Geld auszugehen. Ein Spendenaufruf über 180 Millionen Dollar (144 Millionen Euro) sei nicht einmal zur Hälfte von den 193 Mitgliedsländern finanziert, sagte der Uno-Generalsekretär am Dienstag vor der Uno-Vollversammlung in New York. Ban zeigte sich enttäuscht von der Spendenmüdigkeit der Uno-Länder. "In einigen Sektoren floss sogar gar kein Geld. Aber wir brauchen Mittel für Wasser und Nahrung, sanitäre Anlagen und medizinische Versorgung und auch für die Unterbringung der Flüchtlinge." Nach Bans Worten brauchen 2,5 Millionen Menschen in Syrien humanitäre Hilfe. 1,2 Millionen Menschen seien innerhalb des Landes vertrieben, 225.000 in Nachbarländer geflüchtet. "Und die Zahl steigt."

hen/dapd/dpa



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 118 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
ziegenzuechter 05.09.2012
1. logisch
Zitat von sysopDie USA sind alarmiert: Iran nutzt laut einem Zeitungsbericht den irakischen Luftraum, um Syriens Machthaber Assad mit Material zu unterstützen. Washingtons Druck auf Bagdad blieb offenbar ohne Erfolg. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,853960,00.html
welchen luftraum sollen sie denn sonst nutzen? da ist ja nun die usa auch selbst schuld, dass sie die schiiten im irak so gestaerkt hat, dass die sich nichtsmehr vorschreiben lassen.
zeitmax 05.09.2012
2. Ich lach mich tot - die USA ein zahnloser Tiger?
Die USA, ein zahnloser Tiger? Soweit ist es wohl noch nicht, aber es zeigt sich doch, dass dem Herrn Obama auch hier Grenzen gesetzt sind.
ziegenzuechter 05.09.2012
3. logisch!
Zitat von sysopDie USA sind alarmiert: Iran nutzt laut einem Zeitungsbericht den irakischen Luftraum, um Syriens Machthaber Assad mit Material zu unterstützen. Washingtons Druck auf Bagdad blieb offenbar ohne Erfolg. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,853960,00.html
welchen luftraum sollen sie denn sonst nutzen? den saudischen oder tuerkischen?^^
newsfreak 05.09.2012
4. In Syrien,
hat jeder seine Finger im Spiel, ob das nun offiziell gezeigt wird oder nicht! Iran ist isoliert, das Regime dort ist nicht etwas das ich dem Volk dort wünsche. Aber es ist isoliert, umliegende Länder wurden eingenommen, besetzt, reformiert, und jetzt warten die Haie darauf die Aufträge für die Förderung der Rohstoffe und den Wiederaufbau der kaputten Länder zu erfüllen. Nicht sehr schön, und das soll keine Hetzpredigt sein. Man will auch nicht das jemandem Geld verloren geht, schlicht die Wahrheit sagen. Und wenn es dann mal soweit ist und alles reibungslos funktioniert, dann läuft es so wie hier. Oh die Politik und das Volk stemmt sich gegen unseren Willen, dann lassen wir mal die Spritpreise und Strompreise ganz schnell in die Höhe schießen um zum Nachdenken anzuregen. Ist das Demokratie? Ist das Freiheit? Adenauer hatte sicher etwas anderes im Sinn als er sagte wir wählen die Freiheit, ich glaube der arme Kerl hatte keine Ahnung auf was er sich da eingelassen hatte, beziehungsweise keine andere Wahl!
apoptosis@gmx.de 05.09.2012
5. optional
Die iranische Regierung setzt offenbar alles daran, den syrischen Verbündeten Baschar al-Assad in dessen Kampf gegen die Rebellen zu unterstützen. Ist ja logisch! Nachdem die Angreifer Syrien besigen, ist Iran dran. Es wird schwer für die Israelis den Iran anzugreifen ohne den syrischen Luftraum zu nutzen. Nachdem US_Wahlen sollte es mit dem Iran losgehen-na ja Pech :-(
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.