Militärjunta in Burma Die brutalen Herrscher von Naypidaw

Sie werden geknechtet und leben in Armut: Die Menschen in Burma leiden seit Jahrzehnten unter den Repressionen des Militärregimes, während die Junta feierte - pompöse Feste und vor allem sich selbst.

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Hamburg - Er hat ein Ziel: um keinen Preis die Macht zu verlieren. General Than Shwe, 74, Führer der burmesischen Militärjunta, ist ein Diktator, der im Verborgenen agiert. Vor zwei Jahren ließ er von Zwangsarbeitern einen neuen Regierungssitz errichten. Kartenleger hatten zuvor den richtigen Ort für den neuen Palast bestimmt: Mitten im Urwald, rund 400 Kilometer nördlich von Rangun. General Shwe regiert die Menschen im Land - Kontakt zu ihnen will er nicht. Rund eine Million Beamte mussten mit ins Niemandsland.

So ist der Regierungssitz von Naypidaw, dem "Sitz der Könige", mehr als nur der neue Gouverneurspalast: Er ist Symbol für die Militärherrschaft im Land, die die Menschen aus ihrem Blick verliert, sich selbst der Beobachtung entzieht und dem eigenen Luxus frönt. Und es ist der Regierungssitz eines Regimes, das nichts so fürchtet wie den eigenen Gesichtsverlust. Than Shwe sieht sich als König, als Visionär für sein Volk, dem er Brücken schenkt und Straßen, wie die buddhistischen Könige den Menschen einst Pagoden. Allerdings verlegte er die Staatsgeschäfte auch deshalb aus der früheren Hauptstadt Rangun in das unwegbare Gelände, um die Köpfe des Militärs vor den Aufständen der Menschen zu schützen.

Abergläubischer Diabetiker

Es ist nur ein einziger Satz, aber er verrät viel über das Politikverständnis von Than Shwe: "Wir werden, Hand in Hand mit dem Volk, die Gefahr zermalmen, die von inneren und äußeren destruktiven Elementen ausgeht, welche die Stabilität des Staates stören", sagte Burmas Diktator Ende März am nationalen Feiertag zu Ehren der Streitkräfte. "Zermalmen" - Shwe, der als einer der brutalsten Staatschefs der Welt gilt, der einem Unterdrückungssystem aus politischer Haft, Zwangsarbeit, Folter und Hinrichtungen vorsteht, bleibt sich auch in der Sprache treu.

Vor 15 Jahren übernahm Than Shwe die Macht in dem südostasiatischen Land, doch viel ist über den Mann nicht bekannt. An die Stelle von Fakten treten schnell Gerüchte und Spekulationen - er soll vor zwei Jahren einen leichten Schlaganfall erlitten haben, Diabetiker sein, unter hohem Blutdruck und Kurzatmigkeit leiden. Auch heißt es, Shwe leide an Darmkrebs und sei todkrank. Außerdem soll sich der Diktator bei wichtigen Entscheidungen vor allem von einem leiten lassen: seinem Astrologen.

Sicher ist: Das Leben des 74-Jährigen begann in bescheidenen Verhältnissen. Bevor er in die Armee eintrat und dort Karriere machte, arbeitete er als Postbeamter. Beim Militär stieg Shwe rasch auf: Soldat, Bataillonskommandant, Oberst, General, Vizestabschef. Später wurde er Verteidigungsminister, dann Premierminister, 1992 "Senior General" und "Vorsitzender des Staatsrates für Frieden und Entwicklung" - so nennt sich die Militärregierung.

Shwe kämpft gegen die Opposition - und seine Genossen

Als er die Führung der Junta Anfang der neunziger Jahre übernahm, galt er als gemäßigt. Allerdings hob er im selben Jahr das Ergebnis der Wahl von 1990 auf, bei der die Oppositionspartei "Nationale Liga für Demokratie" als klare Siegerin hervorgegangen war - und ließ die Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi unter Hausarrest stellen.

Doch der General bekämpft nicht nur die Opposition, sondern auch die Konkurrenz aus den eigenen Reihen. Im Oktober 2004 war er maßgeblich an der Vertreibung des früheren Geheimdienstchefs beteiligt, General Khin Nyunt. Den früheren Genossen ließ er gemeinsam mit dessen Familie verhaften. Der Vorwurf gegen den liberaler eingestellten Nyunt: Korruption.

Der Ausschluss Khin Nyunts habe das Regime nachhaltig geschwächt, mutmaßen Experten. Mit dem General sei der Führung auch entscheidendes Wissen verloren gegangen. Die intensive Nutzung des Internet und moderner Telekommunikation habe die derzeitigen Proteste - und ihre Außenwirkung - maßgeblich beeinflusst. Unter Nyunts sei das Wissen über die Nutzung der modernen Technologien größer - und restriktiver gewesen.

Drogen für den Luxus

Die Nummer Zwei der Militärregierung ist General Maung Aye. Sein Verhältnis zum Than Shwe gilt als angespannt und von Rivalität geprägt, in vielen Fragen sollen die beiden zerstritten sein: Dem 69-Jährigen Maung Aye wird nicht nur nachgesagt, Than Shwe beerben zu wollen, er soll zudem die Produktion von Heroin in Burma organisiert haben und beste Kontakte zu den Drogenbaronen des Landes unterhalten.

Shwes Entscheidungen haben Burma in den vergangenen Jahrzehnten in eine völlige Isolation getrieben - lediglich China und Indien pflegen enge Kontakte zum Land. Viele Burmesen leben in Armut, die Infrastruktur des Landes ist katastrophal. In vielen Teilen gibt es keine Elektrizität, Ochsenkarren sichern die Fortbewegung, nur rund 0,3 Prozent des Haushaltes fließen laut Schätzungen in die Bildung. Dabei könnte Burma eines der wohlhabendsten Länder Asiens sein: reich an Gas, Öl, Edelsteinen und auch Teakholz, für das hohe Preise gezahlt werden. Außerdem werden Textilien und Hülsenfrüchte exportiert.

In den vergangenen Monaten hat das Regime nicht nur den Preis für Benzin um fünfhundert Prozent erhöht, auch viele Lebensmittel sind für die Menschen im Land inzwischen fast unerschwinglich.

Gleichzeitig lebt die Militärführung in für die Menschen unvorstellbarem Luxus. Im vergangenen Jahr heiratete Shwes Tochter Thandar. Die Bilder der Hochzeitszeremonie gelangten über Youtube ins Internet - so auch nach Burma. Der Sekt floss in Strömen, die Braut war mit Diamanten geschmückt, das Volk erbost.

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