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Militäroffensive im Gaza-Streifen: Raketen auf Flüchtlinge

Internationale Proteste verhallten unbeachtet. Mit Kampfhubschraubern und Panzern ist das israelische Militär in der Nacht gegen das Flüchtlingslager Rafah im Gaza-Streifen vorgegangen. Zweimal wurde das Lager unter Raketenbeschuss genommen. Mindestens 19 Palästinenser wurden getötet, mehr als 50 verletzt.



Helfer kümmern sich um einen bei den Raketenangriffen verletzten Palästinenser
AP

Helfer kümmern sich um einen bei den Raketenangriffen verletzten Palästinenser

Rafah/Gaza - Kurz vor der Dämmerung schlug eine Rakete in der Nähe einer Moschee im Viertel Tel Sultan ein, wo sich Gläubige zum Morgengebet versammelt hatten. Etwa zur gleichen Zeit stießen israelische Panzer und Kampfeinheiten in das Viertel vor, das sich nicht in Grenznähe befindet.

Ziel der Operation war es, Gebäude im Grenzbereich zu Ägypten zu zerstören. Israel will dort Hunderte von Häusern einebnen und damit die Pufferzone zu Ägypten ausweiten, nachdem dort in der vergangenen Woche fünf Soldaten bei einem Angriff getötet worden waren.

Die Soldaten begannen damit, einen Graben auszuheben und Tel Sultan vom Rest Rafahs abzuschneiden, wie Augenzeugen berichteten. Haus nach Haus werde durchkämmt. Mindestens 45 Militärfahrzeuge wurden in dem Viertel gezählt.

Wenige Minuten nach dem ersten Angriff begannen die Israelis damit, Gelände am Rande des 90.000 Bewohner zählenden Lagers nahe der ägyptischen Grenze einzuebnen. Israel will die Sicherheitszone rund um das Lager vergrößern, von dem aus immer wieder Soldaten angegriffen wurden.

Nach israelischen Angaben handelt es sich bei den Toten zumeist um palästinensische Kämpfer, die bei Hubschrauberangriffen starben. Etwa 50 Menschen wurden bei den beiden Raketenangriffen verletzt.

Nach Krankenhausangaben waren mindestens zwei der Toten bewaffnete Männer. Alle Verletzten seien aber Zivilisten, darunter sei auch eine 35 Jahre alte Frau, hieß es. Die israelische Militärführung erklärte, beide Angriffe hätten sich gegen bewaffnete Gruppen gerichtet.

Israelische Panzer und Truppen hatten das Lager gestern umstellt und es vom Rest des Gaza-Streifens abgeschnitten. Mehrere Tausend Palästinenser flohen bereits aus Furcht vor einem israelischen Großangriff aus dem rund 90.000 Bewohner zählenden Lager. Die israelischen Truppen sind nach Radiomeldungen bereit für einen Häuserkampf.

Amnesty fordert Stopp der Häuserzerstörung

Die Israelis sind in den vergangenen Jahren bereits mehrmals in das Lager Rafah eingedrungen. Sie haben dabei vor allem nach Tunneln gesucht, in denen Palästinenser Waffen unter der ägyptischen Grenze hindurch in den Gaza-Streifen einschmuggeln sollen. Vergangene Woche hatten militante Palästinenser ein israelisches Panzerfahrzeug in der Nähe des Lagers in die Luft gesprengt und dabei fünf Soldaten getötet. Die israelische Regierung kündigte daraufhin an, sie werde die Sicherheitszone zu dem Lager vergrößern, indem sie Häuser niederreißen lasse.

Die arabischen Staaten verlangten unterdessen wegen der Zerstörungsaktionen der Israelis eine aktuelle Stunde des Weltsicherheitsrates. Über die Einberufung solle heute Nachmittag (Ortszeit) in New York entschieden werden.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat Israel aufgefordert, die Zerstörung von palästinensischen Häusern zu stoppen. In dreieinhalb Jahren hätten die Streitkräfte mehr als 3000 Häuser sowie große landwirtschaftlich genutzte Gebiete zerstört, erklärte die Organisation heute unter Berufung auf Uno-Angaben. Zehntausende Männer, Frauen und Kinder verlören auf diese Weise ihr Zuhause oder ihre Lebensgrundlage.

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