Militärpläne US-Armee soll Angriffsziele in Iran ausgewählt haben

Regelmäßig beteuert die US-Regierung, sie wolle keinen Krieg gegen Iran - jetzt berichtet die BBC: Hinter den Kulissen laufen Notfallplanungen für einen Angriff. Das Militär habe schon erste Ziel-Details festgelegt.


London - Laut dem Bericht der BBC hat sich das Zentralkommando des US-Militärs in Florida mit dem Thema beschäftigt. Es habe mehrere Ziele für Luftangriffe ausgemacht: erstens die Atomanlagen des Landes, zweitens die wichtigsten Militäreinrichtungen. Die britische Rundfunkanstalt berief sich in dem Bericht auf nicht näher genannte Diplomaten.

Atomforschungszentrum Natanz: Angeblich Ziel für bunkerbrechende Bomben
AFP

Atomforschungszentrum Natanz: Angeblich Ziel für bunkerbrechende Bomben

Unter anderem solle das Atomforschungszentrum Natanz in Zentraliran mit bunkerbrechenden Bomben aus B2-Stealth-Langstreckenbombern angegriffen werden. Auch iranische Luft- und Marinestützpunkte, Raketenbasen und Kommandozentren seien auf der Liste. Es handle sich dabei um einen Notfallplan, den man sich zur Sicherheit zurechtlege.

Die Regierung in Washington hat zwar mehrfach mitgeteilt, sie strebe keinen Krieg gegen Iran an. Gleichzeitig hat sie aber eine Militäraktion für den Fall nicht ausgeschlossen, dass Teheran sein umstrittenes Urananreicherungsprogramm nicht einstellt.

Nach BBC-Angaben könnte aber auch ein folgenschweres Attentat auf US-Soldaten im Irak, hinter dem nachweislich Iran steckt, einen Angriff auslösen. Arabische Staaten befürchten katastrophale Folgen für die Region im Fall eines solchen Angriffs.

Inzwischen hat die US-Armee einen zweiten Flugzeugträger in den Nahen Osten verlegt. Die "USS John C. Stennis" traf am Montag in den Gewässern der Region am Persischen Golf ein, wie das Kommando der Fünften US-Flotte heute im arabischen Golfstaat Bahrain mitteilte. Zu den Aufgaben zählten Sicherung der regionalen Stabilität sowie die Unterstützung von Bodentruppen im Irak und in Afghanistan, hieß es. Im Seegebiet der Golfregion befindet sich bereits der Flugzeugträger "USS Dwight D. Eisenhower".

Der scheidende Kommandeur der Fünften Flotte, Vize-Admiral Patrick Walsh, hatte am Montag Berichte zurückgewiesen, wonach die USA für offensive Zwecke ihre Militärpräsenz dort verstärkten. Zugleich sprach er jedoch in der Hauptstadt Bahrains, Manama, von einer "beispiellosen Zeit der Instabilität und Unsicherheit in der Region".

Der Vize-Admiral zeigte sich zudem besorgt über Manöver der iranischen Marine in der strategisch wichtigen Straße von Hormus und nannte die Übungen provokativ. "Wir überlassen Iran keine Gewässer. Dies sind internationale Gewässer, deshalb muss es dort auch internationalen Zugang geben. Das (Gebiet) werden wir mit unseren Partnern in der Region und in der Koalition schützen", betonte Walsh.

ler/dpa



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