Staatsstreich: Militär putscht in Guinea-Bissau

Kurz vor der geplanten Stichwahl um das Präsidentenamt in Guinea-Bissau versucht das Militär des westafrikanischen Landes, mit einem Putsch die Macht an sich zu reißen. Der Ministerpräsident wurde festgenommen. Soldaten haben an wichtigen Punkten der Hauptstadt Stellung bezogen.

Carlos Domingos Gomes Junior (Archivbild): Von Soldaten seines Landes festgenommen Zur Großansicht
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Carlos Domingos Gomes Junior (Archivbild): Von Soldaten seines Landes festgenommen

Dakar - Im westafrikanischen Guinea-Bissau haben Militärs einen Staatsstreich unternommen. Wie örtliche Medien in der Nacht zum Freitag berichteten, wurde Ministerpräsident Carlos Domingos Gomes Junior, der auch als Favorit bei den laufenden Präsidentenwahlen gilt, von Soldaten in seinem Haus festgenommen. Dabei wurde nach Informationen des Senders RDP mindestens ein Mensch getötet.

Augenzeugen berichteten aus der Hauptstadt Bissau, dass Schüsse zu hören seien. Aus Furcht würden die Menschen in ihren Häusern bleiben.

"Wir haben mehrere politische Verantwortliche festgenommen", sagte ein Armeeoffizier. Sie seien zum Sitz des Generalstabs der Streitkräfte gebracht worden. Wer festgenommen wurde, sagte der Offizier nicht. Andere Politiker würden "aktiv gesucht".

In Bissau patrouillierten in der Nacht auf Freitag mit Panzerfäusten und Schnellfeuergewehren bewaffnete Soldaten auf den Hauptverkehrsstraßen. Vor dem Büro der Vereinten Nationen und vor mehreren Botschaftsgebäuden waren Soldaten postiert. Es gab keinen Radioempfang mehr, auch Fernsehsendungen wurden nicht ausgestrahlt. Die Stadt lag nach einer Stromabschaltung im Dunkeln.

Wie das portugiesische Fernsehen aus der früheren Kolonie berichtete, sei auch die Zentrale der Regierungspartei PAIGC unter Kontrolle der Militärs. Außerdem hätten Soldaten an strategisch wichtigen Punkten der Hauptstadt Stellung bezogen.

Bei Präsidentenwahlen im März hatten weder Gomes Junior noch der zweitplatzierte Kumba Yala die erforderliche Mehrheit erhalten, um die Nachfolge des im Januar an Diabetes gestorbenen Staatschefs Malam Bacai Sanha zu übernehmen. Am 29. April sollte ein zweiter Wahlgang stattfinden. Yala hatte jedoch angekündigt, diesen wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten zu boykottieren. Yala soll enge Beziehungen zum Militär unterhalten.

In Guinea-Bissau ist es seit der Unabhängigkeit von Portugal 1974 immer wieder zu Aufständen und Staatsstreichen durch das Militär gekommen. Seither hat kein Präsident eine volle Amtszeit von fünf Jahren überstanden. Das Land am Atlantik, das zwischen Senegal und Guinea liegt, ist bitterarm. Es belegt auf dem Entwicklungsindex der Vereinten Nationen einen der letzten Plätze.

Guinea-Bissau ist bereits der zweite Staat in Westafrika binnen weniger Wochen, in dem Militärs die Macht an sich gerissen haben. Am 22. März hatten meuternde Soldaten in Mali Präsident Amadou Toumani Touré gestürzt. Auf Druck der Nachbarländer und der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas machten sie inzwischen jedoch den Weg für eine zivile Übergangsregierung frei.

hen/dpa/AFP

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