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Militärschläge gegen Libyen: Tarnkappenjets bombardieren Gaddafis Truppen

Der Westen fliegt immer neue Attacken in Libyen, auch Tarnkappenbomber kommen zum Einsatz. Die USA werten die Aktionen als Erfolg, ein Vormarsch der Gaddafi-Anhänger auf die Rebellenhochburg Bengasi sei gestoppt. In der Stadt Misurata aber treibt das Regime seine Offensive weiter voran.

REUTERS

Hamburg - Die "Operation Odyssey Dawn" ist in vollem Gange: Am Sonntagmorgen haben US-Streitkräfte ihre Angriffe auf Stellungen in Libyen fortgesetzt. Mindestens 18 US-Kampfflugzeuge, darunter auch drei Tarnkappenbomber, attackierten am Morgen Ziele in dem nordafrikanischen Land, wie ein Sprecher des Afrika-Kommandos der US-Streitkräfte (Africom) in Stuttgart mitteilte. Der US-Oberbefehlshaber Mike Mullen sprach in einem Interview mit dem Sender ABC von einem Erfolg der ersten Phase des internationalen Militäreinsatzes.

Die drei B-2-Tarnkappenbomber hätten insgesamt 40 Bomben auf einen wichtigen Militärflugplatz abgeworfen, berichtete der US-Fernsehsender CBS am Sonntagvormittag. Derzeit gebe es keine Anzeichen, dass sich libysche Flugzeuge in der Luft befänden, so Mullen. Eine Offensive von Gaddafis Truppen gegen Rebellen in Bengasi sei gestoppt worden.

Nach einem Bericht des TV-Senders CNN haben US-Kampfjets, darunter mehrere Tarnkappenbomber, Attacken auf Bodentruppen geflogen. Der Sender beruft sich auf Angaben aus dem Pentagon. Nähere Einzelheiten, etwa zum Ort der Angriffe, wurden zunächst nicht bekannt.

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Gefechte in Libyen: "Die Welt geht zur Hölle"
Die Militäraktionen sind Teil der Uno-Resolution 1973, die Libyens Zivilbevölkerung gegen die Angriffe von Machthaber Muammar al-Gaddafi schützen soll. Nachdem die Truppen des Diktators am Samstag trotz einer angekündigten Waffenruhe auf die Rebellenhochburg Bengasi vorgerückt waren, entschlossen sich die Westmächte, einzugreifen.

Bei dem Angriff der Gaddafi-Truppen waren mehr als 20 Menschen ums Leben gekommen. Im Jala-Krankenhaus von Bengasi wurden die Opfer hereingetragen - unter ihnen auch der Pilot eines abgeschossenen Kampfjets, wie SPIEGEL-ONLINE-Reporter Jonathan Stock berichtet.

Die Stimmung in Bengasi blieb auch nach den Luftschlägen der Westmächte angespannt, der Feind ist oft unsichtbar in der Stadt. Die Rebellen fürchten weitere Angriffe von Gaddafis Männern: Wenn es irgendwo knallt, wenn wieder irgendetwas explodiert, springen sie auf und bringen einen Raketenwerfer in Stellung. Bengasi ist eine gefährliche Stadt, immer wieder gibt es Schlägereien, immer wieder stürzt sich der Mob auf Menschen, die verdächtig erscheinen. Das Eingreifen der Uno wurde von vielen sehnsüchtig erwartet.

Treibende Kraft der Militäraktionen sind neben den amerikanischen und britischen Streitkräften die Franzosen. Der Flugzeugträger "Charles de Gaulle" wurde in Toulon auf seinen Einsatz vor der Küste Libyens vorbereitet. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums soll er noch an diesem Sonntag aufbrechen ( alle aktuellen Infos im Liveticker).

Gaddafi drohte den drei Westmächten mit Vergeltung. "Wir sind zu einem langen, ruhmreichen Krieg bereit. Wir werden euch besiegen", sagte der Despot am Sonntag in einer vom Fernsehen übertragenen Ansprache. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur sollen in den nächsten Stunden Waffen an eine Million Männer und Frauen verteilt werden.

Gaddafi-Propaganda: Goldene Faust zerquetscht Kampfjet

Bereits in der Nacht zum Sonntag hatten britische und französische Kampfflugzeuge Armeeeinrichtungen angegriffen. Britische und US-Kriegsschiffe und U-Boote schossen zudem Raketen und Marschflugkörper ab. Allein die Amerikaner feuerten nach Angaben des Verteidigungsministeriums mehr als 110 Marschflugkörper vom Typ "Tomahawk" ab. Damit sollte die Luftabwehr Gaddafis ausgeschaltet werden.

Nach Anhaben des staatlichen libyschen Fernsehens wurden bei der ersten Angriffswelle in der Nacht 64 Menschen getötet. 150 weitere seien verletzt worden. "Dies ist nun eine Konfrontation des libyschen Volkes mit Frankreich, Großbritannien und den USA, mit den neuen Nazis", polterte Gaddafi. Im Fernsehen war nur die Stimme des Diktators zu hören, während ein Standbild eine goldene Faust zeigte, die ein US-Kampfflugzeug zerdrückt. "Ihr werdet stürzen, wie Hitler gestürzt ist. Alle Tyrannen stürzen."

Ungeachtet des internationalen Eingreifens versuchten Gaddafis Truppen anscheinend weiter, von Aufständischen gehaltenen Städte zurückzuerobern. Die BBC berichtet, Augenzeugen hätten einem Team des Senders gesagt, dass Panzer mit Gaddafi-treuer Besatzung im Zentrum der Stadt Misurata eingezogen seien. Es habe sich ein "Massaker" zugetragen - 40 Zivilisten seien verletzt und mindestens zehn getötet worden. Die BBC konnte die Berichte allerdings nicht überprüfen.

Arabische Liga kritisiert Luftangriffe

Kritik am Vorgehen der Westmächte kam vom Chef der Arabischen Liga, Amr Mussa: Die Luftangriffe dienten nicht dem vereinbarten Ziel, eine Flugverbotszone über Libyen durchzusetzen, sagte Mussa am Sonntag in Kairo. "Wir wollen Schutz für die Zivilbevölkerung und keinen Beschuss weiterer Zivilisten." Die Luftangriffe gingen weiter als jene Schritte, die von der Arabischen Liga gebilligt wurden, so Mussa.

Die Unterstützung der Arabischen Liga galt im Westen als Bedingung für einen Militäreinsatz. Der Uno-Sicherheitsrat hatte aber nicht nur eine Flugverbotszone, sondern auch "alle notwendigen Maßnahmen" zum Schutz der Zivilbevölkerung zugelassen.

China und Russland bedauerten das militärische Eingreifen ebenfalls. Eine Sprecherin des Außenministeriums in Peking sagte: "China hat die jüngste Entwicklung in Libyen zur Kenntnis genommen und bedauert die Militärschläge." China sei wie immer gegen den Einsatz von Gewalt in internationalen Beziehungen. In Moskau hieß es: "Wir bedauern diesen bewaffneten Einsatz im Rahmen der Uno-Resolution 1973, die in Eile beschlossen wurde."

Russland und China hatten sich - wie Deutschland - bei der Abstimmung im Weltsicherheitsrat enthalten. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte, die Verantwortung dafür, dass so viele Menschen in Libyen litten, liege beim Machthaber Gaddafi. Dieser missachte in eklatanter Weise ihre Rechte und komme der Forderung der internationalen Gemeinschaft nach einem Waffenstillstand nicht nach. Deutschland und seine Partner teilten das Ziel, ihn abzulösen. "Oberst Gaddafi muss abtreten, auch sein Regime. Das ist und bleibt unser Ziel", sagte Westerwelle.

Der Außenminister kündigte an, Deutschland werde fünf Millionen Euro an humanitärer Hilfe bereitstellen. Damit soll unter anderem Flüchtlingen an der Grenze geholfen werden. Darüber hinaus sei die Bundesregierung dafür, die "Finanzströme des Regimes auszutrocknen". Eine direkte Beteiligung an den militärischen Operationen hatte die Bundesregierung ausgeschlossen.

hut/dpa/dapd/AFP

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insgesamt 212 Beiträge
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1. Wo bleibt Westerwelle?!
Aktuwas 20.03.2011
Er kann doch die Russen und Chinesen jetzt nicht hängen lassen! Man muss doch zeigen auf welcher Seite man steht!
2. Toll !?
Bravofox 20.03.2011
Zitat von sysopDer Westen fliegt immer neue Attacken in Libyen, auch B2-Tarnkappenbomber*kommen zum Einsatz. Die USA werten die Aktionen als Erfolg, ein Vormarsch der Gaddafi-Anhänger auf die Rebellenhochburg Bengasi sei gestoppt. In der Stadt Misurata aber treibt das Regime seine Offensive weiter voran. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,752063,00.html
Richtig toll, was der "Nobelpreisträger" Obama da veranstaltet. ! Grüße nach Oslo . Für Öl tut nicht nur Er alles . Und im Irak sucht Er wohl noch die Atomwaffen ???
3. Bild 13
br155 20.03.2011
Bild 13 ist keine Panzerfaust. Es ist eine Einmannfliegerabwehrrakete Strela II.
4. und nun?
Badibu 20.03.2011
Bleibt nur die Frage, wie es jetzt weiter geht. Trotz Luftunterstützung können die Rebellen nicht mal eben so ein ganzes Land erobern. Es droht ein sehr blutiger Bürgerkrieg. Vielleicht wäre ein schneller Sieg Gaddafis noch das Beste gewesen...
5. Gaddafi: "Alle Tyrannen stürzen"
QWERT, 20.03.2011
---Zitat von Gaddafi--- Ihr werdet stürzen, wie Hitler gestürzt ist. Alle Tyrannen stürzen. ---Zitatende--- Sollte Gaddafi das wirklich gesagt haben, muss er wohl sein eigenes Ende vorausgesehen haben.
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Was Staaten zum Militäreinsatz in Libyen beitragen
Frankreich
Frankreich verfügt über rund hundert Kampfflugzeuge, vorwiegend vom Typ "Rafale" und "Mirage 2000", sowie Awacs-Flugzeuge zur Luftraumüberwachung. Zunächst kamen 33 Kampfflugzeuge zum Einsatz. Paris schickte zudem den Flugzeugträger "Charles de Gaulle" vom südfranzösischen Hafen Toulon aus in Richtung Libyen. Die Stützpunkte Solenzara auf Korsika und N'Djamena im Tschad können als Basis benutzt werden.
Großbritannien
Großbritannien hat Kampfflugzeuge vom Typ "Tornado" und "Eurofighter" in die Nähe von Libyen, auf den italienischen Stützpunkt Gioia del Colle, verlegt. Dort sind auch Awacs-Maschinen stationiert. Insgesamt sind derzeit 17 Maschinen im Einsatz. Zudem befinden sich die Fregatten "Westminster" und "Cumberland" im Mittelmeer.
USA
Die Vereinigten Staaten haben auf dem Stützpunkt Sigonella auf Sizilien F-15- und F-16 Kampfflugzeuge stationiert. Bisher waren 90 Maschinen an den Einsätzen beteiligt. Der Helikopterträger "Bataan" und zwei weitere Kriegsschiffe sollen am Mittwoch von den USA ins Mittelmeer aufbrechen, wo sie die Helikopterträger "Kearsarge" und "Ponce" ablösen sollen. Zudem befinden sich derzeit die Zerstörer "Barry" und "Stout" im westlichen Mittelmeer. Beide haben Marschflugkörper vom Typ "Tomahawk" an Bord, die am Wochenende eingesetzt werden und auch von U-Booten abgefeuert wurden.
VAE und Katar
Die Vereinigten Emirate (VAE) und Katar beteiligen sich ebenfalls an dem Einsatz. Die VAE entsenden zwölf Kampfflugzeuge zur Durchsetzung des Flugverbots über Libyen. Die jeweils sechs Flugzeuge der Typen F-16 und Mirage sollen sich an Patrouillenflügen zur Überwachung des von den Vereinten Nationen verhängten Flugverbots beteiligen. Katar nimmt mit vier Flugzeugen an dem Militäreinsatz teil.
Italien
Italien hat die Nutzung von sieben Luftwaffenstützpunkten angeboten. Die Luftwaffe hat mit 16 Maschinen in die Libyen-Mission eingegriffen, ein Kriegsschiff kam ebenfalls zum Einsatz.
Spanien
Spanien stellt vier F-18-Kampfjets, ein Flugzeug für die Luftbetankung, ein Marineüberwachungsflugzeug, eine Fregatte und ein U-Boot ab.
Kanada
Kanada hat die Beteiligung von sieben CF-18-Jagdbombern und vier weiteren Maschinen zugesagt, die in Italien stationiert werden. Zudem befindet sich die Fregatte "Charlottetown" in der Region.
Dänemark
Dänemark entsendet vier F-16-Jagdflugzeuge, zwei Reservekampfjets, ein Transportflugzeug auf einen Stützpunkt auf Sizilien.
Norwegen
Norwegen hat sechs F-16-Maschinen zur Durchsetzung der Flugverbotszone über Libyen bereitgestellt.
Belgien
Belgien hat die Beteiligung seiner sechs bei der Nato eingesetzten F-16-Jagdflugzeuge sowie den Einsatz eines Minenjagdboots angeboten.
Niederlande
Die Niederlande beteiligen sich mit sieben Kampfflugzeugen und einem Schiff an der Militäraktion.
Griechenland
Griechenland stellt Stützpunkte, zwei Flugzeuge und ein Kriegsschiff zur Verfügung.
Rumänien und Bulgarien
Aus Rumänien und Bulgarien wurde je ein Kriegsschiff in die Krisenregion verlegt.
Türkei
Die Regierung in Ankara trägt mit sieben Flugzeugen zu der Mission bei, darunter sechs F-16-Jets. Außerdem sind vier türkische Fregatten, ein U-Boot und ein Versorgungsschiff im Einsatz.

Resolution 1973
Was erlaubt die Resolution?
Das Papier geht deutlich über das zunächst angestrebte Flugverbot hinaus. Jetzt können auch Luftschläge gegen die Truppen von Diktator Gaddafi geführt werden. Seine Luftwaffe könnte so schon am Boden zerstört werden. Auch Angriffe auf Gefechtsfahrzeuge und Stellungen sind möglich, ebenso auf die Söldner-Kolonnen, die ständig unterwegs sein sollen. Vom Meer aus könnten Kreuzer oder U-Boote Marschflugkörper abfeuern.
Was erlaubt die Resolution nicht?
Definitiv ausgeschlossen ist der Einsatz "einer Besatzungstruppe in jeder Form und in jedem Teil der Republik Libyen". Bodentruppen wird es also nicht geben. Und: Jedes militärische Eingreifen muss dem Schutz von Zivilisten dienen.
Wer darf handeln?
Am Beginn des Einsatzes standen Einsätze von Nato-Flugzeugen aus Frankreich, Großbritannien und Kanada. Sie starteten zur Luftüberwachung. Weitere Staaten haben angekündigt, sich zu beteiligen - unter anderem die USA. In Abstimmung mit der Uno darf aber jedes der 192 Mitgliedsländer handeln, auch allein. Insbesondere die arabischen Nachbarn Libyens sollen miteinbezogen werden.
Sieht die Resolution ausschließlich militärische Schritte vor?
Nein, das ist der kürzeste, wenn auch stärkste Teil von Resolution 1973. Das Papier verschärft auch die Kontrollen des Waffenembargos und verbietet die Versorgung der ausländischen Söldner in Libyen. Zudem sieht es Reisebeschränkungen für die libysche Nomenklatur vor, deren ausländische Konten zudem eingefroren wurden.
Gibt es stärkere Instrumente? Wie sind die Erfolgsaussichten?
Die Autorisierung zu militärischer Gewalt ist die stärkste Waffe des Sicherheitsrates. Die Erfolgsaussichten sind recht hoch - wie die umgehend angekündigte Waffenruhe aus Tripolis zeigte. In der Vergangenheit haben sich solche Resolutionen, etwa in Korea, dem Irak oder Ex-Jugoslawien, oft als wirkungsvoll erwiesen - meist aber erst, nachdem die angedrohte militärische Gewalt auch eingesetzt wurde.

Fläche: 1.676.198 km²

Bevölkerung: 6,253 Mio.

Hauptstadt: Tripolis

Staatsoberhaupt:
Akila Salih Issa

Regierungschef: Fayez al-Sarraj (nominiert)

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