Militante Islamisten Kreuzfahrt in den Dschihad

Die meisten Menschen auf Kreuzfahrtschiffen suchen Entspannung. Es gibt aber auch Ausnahmen: Interpol warnt, dass militante Islamisten die Luxuskreuzer nutzen, um in den Dschihad im Nahen Osten zu ziehen.

Kreuzfahrtschiffe vor Istanbul: "Es gibt Beweise."
REUTERS

Kreuzfahrtschiffe vor Istanbul: "Es gibt Beweise."


Berlin - Dschihadisten aus Europa haben offenbar einen neuen Weg entdeckt, um in die Kriegsgebiete des Nahen Ostens zu reisen. Nach Erkenntnissen von Interpol sind in den vergangenen Monaten zahlreiche militante Islamisten auf Kreuzfahrtschiffen in die Türkei gelangt. Von dort aus seien sie dann weiter in den Irak und nach Syrien gereist, um sich dem "Islamischen Staat" (IS) und anderen Terrorgruppen anzuschließen.

"Weil sie wissen, dass die Flughäfen jetzt stärker überwacht werden, nutzen sie nun Kreuzfahrtschiffe um in diese Gebiete zu fahren", sagte Interpol-Direktor Pierre St. Hilaire der Nachrichtenagentur AP. Wenn die Luxuskreuzer in Häfen in der Region anlegen, nutzten die Dschihadisten die Möglichkeit, unerkannt von Bord zu gehen. "Es gibt Beweise, dass diese Personen mit den Schiffen hauptsächlich in die türkische Küstenstadt Izmit und andere Orte reisen", sagte St. Hilaire. Diese Entwicklung sei erst in den vergangenen drei Monaten von den Behörden entdeckt worden. Wie viele Dschihadisten diesen Weg bislang genommen haben, ist nicht bekannt.

Interpol fordert deshalb, dass die Passagierlisten der Kreuzfahrtschiffe künftig ebenso genau geprüft werden, wie die Passagierlisten von Flugzeugen. "Wir brauchen einen größeren Informationsaustausch, um diese Reisen zu unterbinden und die Verdächtigen zu identifizieren", verlangte St. Hilaire. US-Kreuzfahrtunternehmen sind bereits verpflichtet, ihre Passagierlisten mit den Datensätzen der US-Behörden abzugleichen. In Europa ist das bislang nicht der Fall.

Bundesregierung will Dschihad-Touristen stoppen

Die Türkei hat nach eigenen Angaben in den vergangenen Monaten Hunderte mutmaßliche ausländische Dschihadisten an Flughäfen und Busbahnhöfen geschnappt. Auf Druck der EU und der USA hat Ankara sein Vorgehen gegen potenzielle Syrien-Kämpfer verschärft. Das hat offenbar zur Folge, dass die Extremisten nun auf Kreuzfahrtschiffe ausweichen.

Die Bundesregierung will nach Plänen von Innenminister Thomas de Maizière potenziellen Dschihad-Touristen den Personalausweis oder Reisepass entziehen und ihnen dafür ein Ersatzdokument ausstellen. In diesem Jahr haben deutsche Behörden nach eigenen Angaben bislang 20 militante Islamisten an der Reise nach Syrien gehindert. Sie standen unter Verdacht, sich dort Terrororganisationen wie dem IS und der Nusra-Front anschließen zu wollen - deshalb wurde diesen Personen der Pass entzogen.

Der Uno-Sicherheitsrat hatte im September in einer Resolution alle Staaten der Welt verpflichtet, Bürger strafrechtlich zu belangen, die zu terroristischen Zwecken ins Ausland reisen oder etwa aus einem Terrorcamp ins Heimatland zurückkehren. Die Regierungen müssen nun ihre Gesetze entsprechend anpassen und verschärfen.

Insgesamt sind nach Erkenntnissen von Interpol bislang etwa 15.000 Islamisten aus 81 Staaten in den Krieg nach Syrien und in den Irak gezogen. Die Polizeibehörde wies darauf hin, dass längst nicht alle ausländischen Kämpfer aus Europa oder den USA stammen - auch mindestens 300 Chinesen sollen sich den Dschihadisten angeschlossen haben.

syd/AP

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 46 Beiträge
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carranza 07.11.2014
1. Kaum zu glauben
Wohl eher die Variante für die Wohlhabenderen unter den Dschihadisten. Für den Preis einer Kreuzfahrt und gewiss auch weit darunter gibts auch Gebrauchtwagen.
binvonmorgen 07.11.2014
2. Freiheit oder Kontrollabsicht der
Anstreber? Welche Macht auch immer. Immer spielt auch der mögliche Missbrauch der ohne Wahlen erhaltenen, erweiterten Rechte den bestehenden Machthabern in die Hände. Immer gleich alle kontrollieren, um wenige zu finden? Das ist mehr, als nur bequem! NSA /BND wissen nun doch schon "alles", und wenn es dann immer noch nicht können - abschaffen... Und die Computer der Schifffahrt sind sicher nicht schwerer zu knacken als Merkels Telefon. Also bitte - was soll das? Das ist doch längst "wie im Flugzeug"! Eine Hintenrum- Legalisierung ohne die betroffene Bevölkerung sollte in einer Demokratie nicht möglich sein, dieser Versuch der Legalisierung der bisherigen unzulässigen Spionage bedarf eines klaren Votums der Bürger! Viele wissen ja inzwischen längst , worum es bei "diesem Terrorismus" wirklich geht...
RupertHaag 07.11.2014
3. am Swimming Pool eines AIDA-Schiffs
herum lümmelnde, langbärtige Gotteskrieger im Kaftan, die ihren Caipi schlürfen und auf halbnackte Damen starren, das würde ich gerne mal sehen
oxylon 07.11.2014
4. Lasst sie reisen
Waere es nicht besser, alle Islamisten ausreisen zu lassen, aber sicher zu stellen, dass sie nie wieder einreisen koennen? Auf die Art waere Deutschland diese religioes verblendeten Dummkoepfe los und mit etwas Glueck kommen sie sogar in ihrem heiligen Krieg um.
klartext_jetzt 07.11.2014
5. Lasset sie ziehen,
was Besseres kann doch Deutschland nicht passieren! Aber Deutschland macht es wie seinerzeit die DDR und hindert Sie an der Ausreise. Warum? Sollen sie doch gehen, aber lässt sie dann bloss nicht mehr herein! Intelligenter kann man seien Probleme doch nicht loswerden!? Aber so wie die Sache sehe und wie es auch die Erfahrungen in D uns lehren, werden wir lieber einen neuen Ministerposten für "Terroristenintegration" schaffen mit dem dazugehoerenden Ressort. Dafuer wuerde es sich doch sicherlich lohnen Wien Teil der sprudelnden Steuereinnahmen auszugeben. Man koennte ja auch einen Soli fuer Entterrorisierung oder eine Anti- Terror-Maut für alle Nicht-Muslime einfuehren.
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