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17. Januar 2013, 18:14 Uhr

Geiseldrama in Algerien, Krieg in Mali

Todeszone Sahara

Von Christoph Sydow

Bei einem Geisel-Befreiungsversuch der algerischen Armee sind auf einem Gasfeld Dutzende Menschen ums Leben gekommen. Die Tat der Entführer zeigt, wie brutal und entschlossen militante Islamisten in Nordafrika vorgehen. Zwei Flugstunden von Europa entfernt entsteht ein neuer Kriegsschauplatz.

Algier - Die algerische Armee kam mit Hubschraubern. Sie beschoss das Gasfeld, als die islamistischen Terroristen ihre Geiseln an einen anderen Ort verschleppen wollten, die sie einen Tag zuvor entführt hatten. Bei dem Befreiungsversuch sind zahlreiche Menschen getötet worden. Die genauen Opferzahlen gehen noch weit auseinander, aber der Anschlag unterstreicht die prekäre Sicherheitslage in dem Gebiet, das nur zwei Flugstunden von Europa entfernt liegt und das nicht nur wegen seiner Rohstoffe für die EU von großer Bedeutung ist.

Es ist ein Gebiet, das größer ist als Westeuropa. Eine unwirtliche Wüstengegend, extrem dünn besiedelt und jeglicher staatlicher Kontrolle fast vollständig entzogen. In den vergangenen Jahren ist im Nordwesten Afrikas ein riesiger Raum entstanden, in dem sich islamistische Terroristen und Drogenschmuggler nahezu unbehelligt bewegen können. Vor Staatsgrenzen machen diese Wüstenkrieger keinen Halt, mal operieren sie in Mauretanien oder Mali, nur um wenige Tage später in Niger oder Libyen aufzutauchen.

Der Angriff auf das Gasfeld im Osten Algeriens unterstreicht, dass das Sicherheitsproblem in der Region weit über die Grenzen Malis hinausreicht. Dort will Frankreichs Armee mit ihrer in der vergangenen Woche gestarteten "Opération Serval" den Einfluss der Islamisten zurückdrängen, die mittlerweile mehr als die Hälfte des Landes kontrollieren. Die Bundesrepublik und andere westliche Bündnispartner unterstützen die französische Militärintervention logistisch.

Hollande gibt ambitionierte Ziele aus

Die Ziele der Mission gab Frankreichs Präsident François Hollande am Dienstag aus: "Bevor wir wieder gehen und die Mission beenden, muss Mali sicher sein, eine legitime Ordnung und einen Wahlprozess haben, und die Terroristen dürfen die Integrität des Territoriums nicht mehr gefährden." Dieses Vorhaben klingt extrem ambitioniert und erscheint mittelfristig schlicht unrealistisch.

Und selbst wenn das französische Militär die Islamisten tatsächlich vertreiben sollte: Sie verfügen über ein riesiges Rückzugsgebiet in den Nachbarstaaten Mauretanien, Algerien oder Niger. Dort können sie die Intervention einfach aussitzen und den Rückzug der Europäer abwarten. Denn in diesen Saharaländern ist die Sicherheitslage fast genauso prekär wie in Mali.

In der riesigen Wüstenregion zwischen Mauretanien und Niger tummelt sich eine Vielzahl von Milizen. Diese schließen zeitweise strategische Allianzen, konkurrieren aber auch um Macht und Einnahmen aus dem Schmuggel von Menschen, Drogen und Zigaretten.

Diesen Fundamentalisten hat Frankreich den Kampf angesagt. Doch die Gefahren des militanten Islamismus in Nordafrika werden ganz Europa in den kommenden Jahren begleiten.

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