Einigung in Brüssel: FDP stellt Bedingungen für Zypern-Hilfe

FDP-Politiker Brüderle: "deutlich und nachvollziehbar darlegen"Zur Großansicht
dapd

FDP-Politiker Brüderle: "deutlich und nachvollziehbar darlegen"

Neue Milliardenhilfen sollen Zypern retten - doch viele deutsche Politiker sind skeptisch. Die FDP will wissen, ob die maroden Banken des Landes überhaupt vor der Pleite bewahrt werden müssen. SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück ließ die Zustimmung seiner Partei offen.

Berlin - Das Rettungspaket für Zypern ist geschnürt. Bis zu zehn Milliarden Euro sollen aus dem Krisenfonds ESM auf die Insel fließen. So haben es die Euro-Finanzminister in der Nacht auf Samstag beschlossen. Während auf der Mittelmeerinsel die Sparer um ihre Einlagen fürchten, reagieren die Parteien in Deutschland größtenteils zurückhaltend auf die Einigung von Brüssel. Im Bundestag ist eine heftige Debatte zum Thema zu erwarten.

FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle ließ offen, ob die Liberalen dem Paket im Parlament zustimmen werden. Er verlangte vor einer Zustimmung seiner Fraktion zu den EU-Hilfen mehr Informationen. "Es ist zu begrüßen, dass nun auch die Gläubiger mit nahezu einem Drittel an der Hilfe für Zypern beteiligt werden sollen", erklärte er in Berlin. Vor einer Bundestagsentscheidung müsse aber "deutlich und nachvollziehbar die Systemrelevanz der betroffenen Banken dargelegt werden".

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück kritisierte die Beschlüsse als nicht ausreichend. Dem Sender MDR Info sagte er: "Allein die richtige Richtung ist nicht genügend." Er könne im Augenblick nicht ermessen, inwieweit Kleinsparer betroffen seien. Zypern werde auch seine Einnahmebasis stärken müssen. Deshalb sei auch eine Finanzmarkttransaktionssteuer sinnvoll.

Die SPD-Spitze werde das Ergebnis prüfen und sich bis spätestens Montag eine Meinung dazu bilden, so Steinbrück. Er schickte eine klare Forderung mit: Aktionäre und die Gesellschafter von Banken müssten in "erster Instanz herangezogen werden". In Zypern sollten zudem Maßnahmen gegen Geldwäsche und den überdimensionierten Bankensektor ergriffen werden.

CSU wird wohl zustimmen - Linke definitiv nicht

Vorsichtige Zustimmung signalisierte die CSU. Das Hilfspaket könne abgesegnet werden, wenn der Weg "Hilfen gegen Auflagen" fortgesetzt werde, und "wenn die Anleger und die Banken in Zypern kräftig mit in diese Sanierung einbezogen werden". Dies sagte Parteichef Horst Seehofer am Samstag vor Beginn eines kleinen CSU-Parteitags in München. Nach dem, was er von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble erfahren habe, sei dies der Fall.

Die Linksfraktion hat alle bisherigen Euro-Rettungspakete im Bundestag abgelehnt - so auch dieses Mal. Fraktionsvize Sahra Wagenknecht sagte: "Die Linke wird die Bankenrettung in Zypern schon allein deshalb ablehnen, weil das Land damit zu unverantwortlichen und unsozialen Ausgabenkürzungen sowie Privatisierungen gezwungen werden soll."

jok/dpa/Reuters

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insgesamt 40 Beiträge
pacificwanderer 16.03.2013
sagen nein. Das kann ich nachvollziehen, aber nicht deren Begruendung. Privatisierung muss sein, ebenfalls hoehere besteuerung des Finanzsektors. Allerdings sollten Kleinsparer geschont werden.
sagen nein. Das kann ich nachvollziehen, aber nicht deren Begruendung. Privatisierung muss sein, ebenfalls hoehere besteuerung des Finanzsektors. Allerdings sollten Kleinsparer geschont werden.
Progressor 16.03.2013
Ich bin mir nicht so sicher, ob das eine gute Idee ist. Der eine oder andere mag sich freuen, dass nun die russischen Gelder herangezogen werden, aber im Endeffekt bedeutet das nun eurolandweit: Man gibt einer Bank seine [...]
Ich bin mir nicht so sicher, ob das eine gute Idee ist. Der eine oder andere mag sich freuen, dass nun die russischen Gelder herangezogen werden, aber im Endeffekt bedeutet das nun eurolandweit: Man gibt einer Bank seine Sparanlagen und diese wird durch Geschäfte, für die man selbst nichts kann, insovent. Daraufhin wird mein Spargeld gekürzt. Mal gespannt was los ist, wenn dies zum ersten Mal in Deutschland der Fall sein sollte.
olli47 16.03.2013
...müssen eigentlich immer die Banken "gerettet" werden. In Spanien haben eben diese nach ihrer Rettung den kleinen Leutensofort ihre Häuser und Wohnungen weggenommen. Und ich habe auch ziemliche Schulden, nur mich [...]
...müssen eigentlich immer die Banken "gerettet" werden. In Spanien haben eben diese nach ihrer Rettung den kleinen Leutensofort ihre Häuser und Wohnungen weggenommen. Und ich habe auch ziemliche Schulden, nur mich rettet leider keiner ;-((
Dabei steht schon die nächste Rettungsaktion bezüglich Griechenland vor der Türe. Die Frage dabei ist nur noch, ob diese vor oder nach der Bundestagswahl stattfinden wird. Selbst diese Hilfen für Zypern ändern nichts an [...]
Zitat von sysopNeue Milliardenhilfen sollen Zypern retten - doch viele deutsche Politiker sind skeptisch. Die FDP will wissen, ob die maroden Baken des Landes überhaupt vor der Pleite bewahrt werden müssen. SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück ließ die Zustimmung seiner Partei offen. Milliarden für Zypern: Parteien erwarten hitzige Debatte um Hilfspaket - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/milliarden-fuer-zypern-parteien-erwarten-hitzige-debatte-um-hilfspaket-a-889271.html)
Dabei steht schon die nächste Rettungsaktion bezüglich Griechenland vor der Türe. Die Frage dabei ist nur noch, ob diese vor oder nach der Bundestagswahl stattfinden wird. Selbst diese Hilfen für Zypern ändern nichts an den ökonomischen Ungleichgewichten, der fehlenden Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit vieler Eurostaaten innerhalb der Eurozone, die EZB-Politik läuft weiterhin im Dauerkrisenmodus, dies belegen die zahlreichen und vielfältigen Stützungsmaßnahmen überdeutlich. Die deutsche Politik hat kaum noch einen gestalterischen Einfluss auf diese Entwicklungen. Man versucht nur noch, die Fassade bis zur BTW zu wahren und den Wähler nicht ganz zu verprellen. Der einzig mögliche Dauerretter ist schon seit Jahren die EZB (LTRO, ELA, Target II, OMT, Niedrigstzinssatz, SMP). Das müsste auch Brüderle wissen, diese Scheindebatte über das Hilfspaket dient eher der öffentlichen Profilierung und Eigenwahrnehmung im bundesdeutschen Mediendschungel. So schafft man vielleicht noch die 5-%-Hürde oder etwas mehr.
slide 16.03.2013
Das ist nun mal das Risiko von jedem Anleger.Wenn man schwach wird bei so hohen Zinsversprechen muß man mit den Konsequenzen leben wenn es schief get.
Das ist nun mal das Risiko von jedem Anleger.Wenn man schwach wird bei so hohen Zinsversprechen muß man mit den Konsequenzen leben wenn es schief get.
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  • Samstag, 16.03.2013 – 14:43 Uhr
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