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Milliardenprämien: Obama geißelt Bonuszahlungen an der Wall Street

US-Präsident Obama ist empört über die Finanzbranche. Es sei beschämend, dass Bankmitarbeiter Milliardenprämien ausgezahlt bekommen hätten, während sie gleichzeitig Staat und Steuerzahler um Hilfe angefleht hätten: "Das ist der Gipfel der Verantwortungslosigkeit."

Washington - Barack Obama hat die Milliardenprämien für Bankmitarbeiter in Krisenzeiten scharf kritisiert: Er bezeichnete es am Donnerstag in Washington als "beschämend", dass die Banken auch 2008 noch Milliarden an Bonuszahlungen ausgeschüttet haben. Diese Zahlungen seien erfolgt, während die Banken zeitgleich den Staat und damit den Steuerzahler um Milliardenhilfen angefleht hätten, erinnerte Obama. "Das ist der Gipfel der Verantwortungslosigkeit."

Präsident Barack Obama (r.) und sein Finanzminister Geithner: "Nicht die richtige Zeit für Bonuszahlungen"
AP

Präsident Barack Obama (r.) und sein Finanzminister Geithner: "Nicht die richtige Zeit für Bonuszahlungen"

Teil dessen, was die Leute an der Wall Street, die um Hilfe gebeten haben, lernen müssten, sei Zurückhaltung, Disziplin und Verantwortung. Obama bezog sich auf am Mittwoch veröffentlichte Zahlen, wonach an der New Yorker Börse im vergangenen Jahr trotz des Zusammenbruchs der Märkte Boni von 18,4 Milliarden Dollar ausgeschüttet wurden.

Zwar ist der Bonuspool der Wall Street im Vergleich zum Vorjahr damit um 44 Prozent gesunken, das ist in absoluten Zahlen der stärkste Rückgang der Geschichte. Doch absolut betrachtet bewegen sich die Bonuszahlungen für 2008 noch immer auf bemerkenswert hohem Niveau. Höhere Summen wurden lediglich fünfmal ausgezahlt.

"Es wird irgendwann wieder Zeiten für Gewinne für sie geben und es wird wieder Zeiten für Bonuszahlungen geben", sagte Obama sichtlich erregt während einer kurzen Pressekonferenz mit Finanzminister Timothy Geithner. "Jetzt ist nicht die richtige Zeit dafür." Das sei eine Nachricht, die er direkt zu den Bankern sende. Er kündigte an, gemeinsam mit Finanzminister Geithner das direkte Gespräch mit den Bankern zu suchen, um diesen Standpunkt zu verdeutlichen.

Politische Beobachter in den USA werten Obamas Wutausbruch als wohlkalkuliertes populistisches Signal. Die Arbeitslosigkeit ist in Amerika auf den höchsten Stand seit 1967 gestiegen - in der Bevölkerung herrscht zusehends Wut über Finanzmanager, die sich mit Geld aus dem US-Bankenrettungsfonds Tarp ausstatten und gleichzeitig hohe Boni kassieren.

Zudem diene der Wutausbruch nicht zuletzt dazu, die Glaubwürdigkeit des eigenen Krisenmanagements nicht zu gefährden. Laut "Wall Street Journal" (WSJ) wird in der US-Regierung darüber beraten, noch einmal bis zu zwei Billionen Dollar zur Stützung des US-Bankensystems aufzubringen. Unter anderem erwägt Obama demnach eine "Bad Bank". Nach Ansicht des einflussreichen Senators Charles Schumer würde ein solches staatliches Institut zum Aufkauf hochriskanter Papiere sogar bis zu vier Billionen Dollar kosten.

Die Zahl der an der Wall Street Beschäftigten war wegen der Finanzkrise binnen eines Jahres um rund zehn Prozent gesunken. Etwa 20.000 in der New Yorker Finanzbranche Beschäftigte verloren ihren Job. Der durchschnittliche Bonus je Mitarbeiter lag für 2008 bei rund 112.000 Dollar. Die Jahresprämie macht bei vielen Beschäftigten der Banken einen Großteil ihres Jahresgehalts aus.

In den Top-Etagen und bei besonders erfolgreichen Brokern gehen die Prämien selbst in der Krise oft noch in die Millionen. Angesichts von Milliardenverlusten gingen 2008 allerdings auch eine ganze Reihe von Konzernchefs und Bankmanager leer aus. In Deutschland verzichteten etwa Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und seine Vorstandskollegen unter Hinweis auf die Finanzkrise auf ihre Bonuszahlungen in Höhe von mehreren Millionen Euro.

ler/ssu/AFP/AP

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