Bagdad - Drei Tage nach der Regionalwahl im Irak sind bei Kämpfen zwischen Soldaten und Regierungsgegnern zwei Dutzend Menschen getötet worden. Nach offiziellen Angaben waren unter den Todesopfern mindestens 20 Demonstranten. Sechs Soldaten seien gestorben. Weitere 70 Iraker wurden verletzt. Die Gefechte ereigneten sich im Norden des Landes, etwa 200 Kilometer von der Hauptstadt Bagdad entfernt.
Zeugen berichteten, die Armee habe ein Lager der Demonstranten gestürmt. Zu den weiteren Ereignissen gibt es unterschiedliche Darstellungen. Das Verteidigungsministerium erklärte, die Soldaten hätten zurückgeschossen, als sie aus dem Lager unter Feuer genommen worden seien. Unter den Demonstranten seien Islamisten gewesen. Die Regierungsgegner bestreiten dies. Sie werfen dem Militär vor, auf die unbewaffnete Menge geschossen zu haben.
Bei den Protestteilnehmern handelte es sich um Sunniten. Hunderte von ihnen halten seit Wochen einen Platz in der Ortschaft Hawidscha besetzt, um gegen die schiitische Regierung von Ministerpräsident Nuri al-Maliki zu protestieren. Am Dienstag war laut Innenministerium ein Ultimatum der Behörden an die Demonstranten ausgelaufen, um den mutmaßlichen Mörder eines Soldaten auszuliefern.
In mehreren irakischen Provinzen kommt es seit Dezember jede Woche zu Demonstrationen sunnitischer Muslime. Sie werfen der von Schiiten geführten Regierung vor, sie zu benachteiligen. Die Proteste könnten nach dem blutigen Vorfall vom Dienstag noch eskalieren. Eine Uno-Sprecherin im Irak rief alle Seiten aus, sofort ihre Waffen niederzulegen.
Am Samstag hatten die Iraker zum ersten Mal seit dem Abzug der US-Truppen Ende 2011 wieder gewählt. Das Wahlergebnis wird erst Mitte der Woche erwartet.
Während des Wahlkampfes war der Irak von einer Serie blutiger Terroranschläge erschüttert worden. Im Süden der Hauptstadt Bagdad starben auch am Dienstag bei einem Anschlag auf sunnitische Gläubige mindestens vier Menschen. Dem Innenministerium zufolge wurden auch 14 Menschen verletzt, als zwei am Straßenrand platzierte Bomben bei einer Moschee explodierten.
kgp/Reuters/dpa
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