Terror in Afghanistan: Attentäter zünden Bomben auf belebtem Basar

Bei einem Selbstmordanschlag dreier Attentäter sind in Afghanistan Dutzende Menschen ums Leben gekommen. Nach Angaben der Behörden sprengten sich die Männer auf einem belebten Basar in der Stadt Sarandsch im Südwesten in die Luft. Es ist der schwerste Anschlag seit Monaten.

Kabul - Mehrere Selbstmordattentäter haben im Südwesten Afghanistans mindestens 28 Menschen getötet und rund 70 weitere verletzt. Zwei Attentäter zündeten ihren Sprengstoffgürtel am Dienstagnachmittag im belebten Zentrum der Provinzhauptstadt Sarandsch auf einem Basar, sagte ein Behördensprecher SPIEGEL ONLINE am Telefon. Ein weiterer Attentäter sprengte sich in der Nähe des Bezirkskrankenhauses in die Luft. Es seien etliche Frauen und Kinder unter den Opfern.

Gouverneur Abdel Karim Barawi sagte, die Polizei habe das Feuer auf die beiden Männer auf dem Basar eröffnet. Als deren Sprengsätze explodierten, seien auch mehrere Polizisten ums Leben gekommen. Zunächst hatte es geheißen, der Beschuss habe womöglich die Sprengsätze ungewollt zur Explosion gebracht, hieß es weiter.

Angeblich wurden sechs weitere Attentäter daran gehindert, sich in die Luft zu sprengen. Die Polizei habe drei davon erschossen und drei festgenommen, hieß es. Auf dem Markt waren viele Menschen unterwegs, um für das Fest zum Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan in der kommenden Woche einzukaufen.

Sarandsch liegt nahe der iranischen Grenze in der Provinz Nimros, einem relativ ruhigen Gebiet. Zuletzt nahm die Gewalt dort aber zu. Zu den Anschlägen bekannte sich zunächst niemand. Am Vortag hätten die Behörden in der Gegend mehrere Verdächtige festgenommen, sagte Barawi.

Der Parlamentsabgeordnete für die Region, Farida Ahmadi, befürchtet, dass die Provinz stärker unter den Einfluss von Taliban und anderen Aufständischen gerät. Die Attacke sei ein Signal in diese Richtung.

Der Anschlag ist einer der schwersten in den vergangenen Monaten in Afghanistan. Die Internationale Schutztruppe Isaf hat die Verantwortung in Nimros bereits vollständig an die einheimischen Sicherheitskräfte übergeben und nach eigener Aussage keine Soldaten mehr in der Provinz stationiert.

Gefechte an der Grenze zu Pakistan

In einem Hinterhalt in der nordostafghanischen Provinz Badachschan wurden am Dienstag nach Angaben der Provinzregierung ein Distriktgouverneur und drei Grenzpolizisten getötet. Die Taliban bekannten sich zu der Tat. Bei einem Angriff Aufständischer auf einen Grenzposten in der ostafghanischen Provinz Kunar wurden ein Polizist getötet und fünf weitere verwundet, wie ein Polizeisprecher sagte. Die Angreifer seien aus Pakistan gekommen.

Auf der pakistanischen Seite der Grenze wurden bei Gefechten am Unabhängigkeitstag Pakistans nach Angaben aus Sicherheitskreisen 23 Aufständische und drei Soldaten getötet. 18 weitere Soldaten seien bei den mehrstündigen Kämpfen am Dienstag im Stammesgebiet Orakzai verwundet worden, sagte ein Offizier der pakistanischen Grenztruppen, der nicht namentlich genannt werden wollte.

amz/AFP/dapd/dpa/Mitarbeit: Shoib Najafizada

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Fläche: 652.225 km²

Bevölkerung: 31,412 Mio.

Hauptstadt: Kabul

Staatsoberhaupt:
Ashraf Ghani Ahmadsai

Regierungschef: Abdullah Abdullah

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