Damaskus: Zahlreiche Tote bei Explosion einer Autobombe

In Syrien geht das Töten weiter: Bei der Explosion einer Autobombe in der Hauptstadt Damaskus starben mindestens neun Menschen. Ein militärisches Eingreifen der Nato ist für Bundesaußenminister Westerwelle dennoch ausgeschlossen - die Türkei droht seinem Nachbarn mit Krieg.

Syriens Stabschef Ayoub mit Regierungssoldaten: Das Regime demonstriert Normalität Zur Großansicht
DPA

Syriens Stabschef Ayoub mit Regierungssoldaten: Das Regime demonstriert Normalität

Hamburg/Damaskus - Die Explosion ereignete sich auf einer Tankstelle im Stadtteil Massakin Barse: Bei der Detonation einer Autobombe in der syrischen Hauptstadt Damaskus sind nach Angaben von Aktivisten am Donnerstagabend mindestens neun Menschen ums Leben gekommen. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana machte "Terroristen" für den Anschlag verantwortlich. Diesen Begriff verwendet die syrische Regierung häufig für die Aufständischen im Kampf gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad.

Am Donnerstag kamen nach Angaben der Beobachtungsstelle bei Gefechten und Bombardements in der Gegend rund um Damaskus mindestens zehn Rebellenkämpfer und 32 Zivilpersonen ums Leben. Bei zwei Luftangriffen in Duma, einem von Rebellen gehaltenen Vorort der Hauptstadt, wurde eine Wohngegend verwüstet. Auch in anderen Gegenden des Landes wurden Kämpfe gemeldet. Im Norden des Landes lieferten sich Regierungstruppen heftige Gefechte mit Rebellen um den Militärflughafen Tatanas, wie Aktivisten berichteten.

Nach Angaben der Vereinten Nationen sind seit Beginn des Aufstands gegen das Assad-Regime im März 2011 mehr als 60.000 Menschen ums Leben gekommen.

Ein Eingreifen der Nato lehnt Bundesaußenminister Guido Westerwelle aber weiterhin ab. "Ich wende mich strikt gegen Spekulationen über eine militärische Intervention der Nato", sagte der FDP-Politiker der "Welt". Er wisse sich "dabei in bester Gesellschaft unserer Partner". Auch ohne Intervention sieht der Außenminister den Erosionsprozess des Regimes von Präsident Assad "mit zunehmender Geschwindigkeit" voranschreiten. "Das macht uns und vor allem den Menschen vor Ort Hoffnung, dass die Zeit Assads bald vorbei ist und unter Führung der nationalen Koalition ein Neuanfang möglich wird", sagte Westerwelle.

Ankara warnt Syrien

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan warnte das Regime in Damaskus erneut vor Angriffen auf die Türkei. Ankara habe alle Anstrengungen für den Erhalt des Friedens in der Region unternommen und werde dies fortsetzen, obwohl die Bemühungen oft der schwerere Weg seien, zitierten türkische Medien Erdogan am Freitag. "Jederzeit sind wir mit allen unseren Möglichkeiten zum Krieg bereit", warnte Erdogan demnach. Aus Syrien sind in den vergangenen Monaten wiederholt Granaten in der Türkei eingeschlagen. Die türkische Armee reagierte mit Artilleriefeuer.

Bei den Bemühungen um eine diplomatische Lösung des Syrien-Konflikts könnte es nach Angaben aus Uno-Kreisen bald erneute Gespräche zwischen den USA, Russland und dem internationalen Sondergesandten Lakhdar Brahimi geben. Brahimi wolle mit dem trilateralen Treffen an seine Unterredung mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow am vergangenen Samstag anknüpfen und den Weg für einen diplomatischen Durchbruch ebnen, sagte der pakistanische Botschafter bei den Vereinten Nationen, Masood Khan, am Donnerstag in New York.

Brahimi und Lawrow hatten nach ihrem Treffen bekräftigt, dass der Konflikt in Syrien nur durch Gespräche beigelegt werden könne. Am 9. Dezember war Brahimi schon einmal mit Vertretern Russlands und den USA zu Beratungen über die Krise in Syrien zusammengekommen. Damals hatten alle drei Parteien erklärt, die Lage in dem Land werde zunehmend schlechter, zugleich aber betont, dass ihrer Ansicht nach eine politische Lösung des Konflikts noch möglich sei.

Khan, derzeit amtierender Präsident des Uno-Sicherheitsrats, sagte am Donnerstag, es gebe derzeit außerhalb des Sicherheitsrats "wichtige Entwicklungen" bei den Bemühungen, den Syrien-Konflikt beizulegen. Nähere Angaben dazu machte er nicht. Er äußerte aber die Hoffnung, dass es in der kommenden Woche zu dem trilateralen Gespräch zwischen Moskau, Washington und Brahimi komme.

flo/APD/dpa

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 37 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Im...
jested_echo! 04.01.2013
Interesse des syrischen Volkes sollte man das beste hoffen, das es in der naechsten Woche zu den Dreiertreffen von Russland, USA und UN-Vermittler Brahmini kommt und das diese Gespraeche erfogreich sind!! Das ist der einzig richtige Weg, um den Buerger-und-Religionskrieg in Syrien zu beenden! Und ja lieber SPON, Hr. Westerwelle hat ausnahmsweise einmal nicht nur 100% sondern 1000% Recht, wenn er sich gegen eine auslaendische Intervention in Syrien stellt!!
2. Verantwortung
sysiphus-neu 04.01.2013
Brahimi ist wirklich zu bewundern, mit welcher Unverdrossenheit er die dicksten Bretter bohrt. Sein Bemühen um eine Verhandlungslösung des Syrienkrieges wird von Anfang an von Russland unterstützt. Auch die syrische Regierung hat schon etliche Male Gesprächsofferten unterbreitet und mit Amnestieerlassen goldene Brücken für bewaffnete Syrer gebaut. Leider verweigert sich die andere Konfliktseite bislang jeder friedlichen Lösung - gerade die selbst ernannten und duch nichts legitimierten Vertreter der Opposition im sicheren Ausland zeichnen sich durch verbohrte Militanz aus. Hier liegt die Verantwortung der sogenannten "Freunde" Syriens, endlich mäßigend auf die unterschiedlichen Milizen und Banden einzuwirken und sie bei fortgesetzter Friedensunwilligkeit finanziell auszutrocknen.
3. Na klar, sind es Terroristen
AbuHaifa 04.01.2013
"Die staatliche Nachrichtenagentur Sana machte 'Terroristen' für den Anschlag verantwortlich. Diesen Begriff verwendet die syrische Regierung häufig für die Aufständischen im Kampf gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad." Wie nennt denn die SPON-Redaktion Leute, die einen Autobombenanschlag verüben? Freiheitskämpfer? Wie die ETA früher oder die IRA? Autobomben sind der Gipfel der Menschenverachtung! SANA hat völlig Recht - es handelt sich ganz eindeutig um Terroristen.
4. So ist es!
AbuHaifa 04.01.2013
Zitat von sysiphus-neuBrahimi ist wirklich zu bewundern, mit welcher Unverdrossenheit er die dicksten Bretter bohrt. Sein Bemühen um eine Verhandlungslösung des Syrienkrieges wird von Anfang an von Russland unterstützt. Auch die syrische Regierung hat schon etliche Male Gesprächsofferten unterbreitet und mit Amnestieerlassen goldene Brücken für bewaffnete Syrer gebaut. Leider verweigert sich die andere Konfliktseite bislang jeder friedlichen Lösung - gerade die selbst ernannten und duch nichts legitimierten Vertreter der Opposition im sicheren Ausland zeichnen sich durch verbohrte Militanz aus. Hier liegt die Verantwortung der sogenannten "Freunde" Syriens, endlich mäßigend auf die unterschiedlichen Milizen und Banden einzuwirken und sie bei fortgesetzter Friedensunwilligkeit finanziell auszutrocknen.
Dem ist nichts mehr hinzuzufügen! Sie haben völlig Recht.
5. Die Türkei oder der Türkei?
tomquixote 04.01.2013
"die Türkei droht seinem Nachbarn" - wer droht da wem?
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Bürgerkrieg in Syrien
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 37 Kommentare
  • Zur Startseite

Bevölkerung: 22,505 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | Syrien-Reiseseite

Fotostrecke
Syrien: Assads Überläufer

Karte