Amerikanisch-russische Gespräche: Minister wollen Krise in Syrien gemeinsam managen

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Außenminister Lawrow und Kerry (r.): Treffen ist Wert an sich

Die Beziehungen zwischen Washington und Moskau sind auf einem Tiefpunkt, doch die Außen- und Verteidigungsminister bemühen sich trotz Differenzen um einen positiven Ton. Einigkeit besteht in dem Wunsch, die Krise in Syrien politisch zu lösen.

Washington - Trotz der Verstimmungen im Spionagefall Snowden haben sich die Außenminister der USA und Russlands zu stundenlangen Gesprächen in Washington getroffen - und haben laut Außenamtssprecherin Jennifer Psaki einen durchgehend "positiven und konstruktiven" Ton angeschlagen. Dabei war die Liste der Differenzen bei den sogenannten Zwei-plus-zwei-Gesprächen lang, sagte US-Außenminister John Kerry beim Auftakt des Treffens am Freitag.

Kerry und sein Amtskollege Sergej Lawrow bekräftigten das Ziel einer politischen Lösung des Bürgerkriegs in Syrien. So schnell wie möglich solle nun eine Friedenskonferenz für Syrien in Genf organisiert werden. Zur Vorbereitung der Verhandlungen wollten sich die Minister erneut Ende August treffen. Wie Kerry forderte Lawrow direkte Gespräche zwischen der syrischen Regierung und den Rebellen.

Doch eine gemeinsame Linie im Umgang mit dem Syrien-Krieg scheint nicht in Sicht zu sein. Während Russland das Regime von Präsident Baschar al-Assad unterstützt, beliefern die USA die syrischen Rebellen mit leichten Waffen. Für die in Genf geplanten Friedensverhandlungen gibt es noch keinen Termin.

Auch die Verteidigungsminister Chuck Hagel und Sergej Schoigu sprachen über Sicherheitsfragen und strategische Probleme. Sie kündigten den Ausbau der militärischen Zusammenarbeit an. Doch im Streit um eine geplante US-Raketenabwehr liegen Hagel und Schoigu weit auseinander. Zudem stieß Obamas Vorschlag einer atomaren Abrüstung in Moskau auf wenig Interesse, weil es andere Länder ausklammert. Weitere Fragen betrafen das iranische Atomprogramm und Nordkorea.

Die Treffen der Minister fanden wie vereinbart statt, obwohl das amerikanisch-russische Verhältnis auf dem tiefsten Punkt seit dem Ende des Kalten Krieges steht. Die USA haben verärgert auf die Entscheidung Russlands reagiert, dem früheren Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden, der umfangreiche Spionageaktivitäten der USA enthüllt hatte, für ein Jahr Asyl zu gewähren. Präsident Barack Obama sagte deshalb ein für September geplantes Treffen mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin ab.

Bei seiner ersten Pressekonferenz nach gut drei Monaten sagte Obama am Freitag, er wolle das Verhältnis zu Russland neu bewerten, da der jüngste Streit nur ein weiterer in einer Reihe von Meinungsverschiedenheiten der vergangenen Monate gewesen sei.

Kerry sagte, beide Länder hätten gemeinsame Interessen, auch wenn sie sich gelegentlich ins Gehege gerieten. Die Beziehungen stünden auf einer guten Grundlage. US-Regierungsvertreter erwarteten von den Ministergesprächen keinen Durchbruch. Die Entscheidung, das Treffen trotz der Differenzen nicht abzusagen, sei ein Wert an sich.

sun/AFP/Reuters/dpa

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insgesamt 16 Beiträge
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1. Treffen...
Datenscheich 10.08.2013
Die Friedenskonferenz in Genf wird im Herbst stattfinden. Danach gibt es noch ein paar wirre Monate, bis im März oder April 2014 die ersten 'demokratischen Wahlen' in Syrien stattfinden - mit genügend internationalen Beobachtern. Bei diesen tritt auch Präsident Assad an und erhält ca. 40 % der Stimmen. Möchte jemand dagegen halten?! :-)
2. Lösung der Krise???
KerKaraje 10.08.2013
Zitat von sysopREUTERSDie Beziehung zwischen Washington und Moskau sind auf einem Tiefpunkt, doch die Außen- und Verteidigungsminister bemühen sich trotz Differenzen um einen positiven Ton. Einigkeit besteht in dem Wunsch, die Krise in Syrien politisch zu lösen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/minister-der-usa-und-russland-wollen-krise-in-syrien-gemeinsam-managen-a-915816.html
Dann ist Kerry der falsche Mann. Immerhin bezeichnete er den Militärputsch in Ägypten und den Sturz des gewählten Präsidenten als "restoring democracy" :-) Im Ernst: Wenn doch allen voran den USA das Leid der Syrer so nahe geht, warum machen die USA direkt und über ihre höchst demokratischen, Menschenrechte liebenden arabischen Freunde Saudi Arabien und Katar keinen Druck auf die Rebellen, Verhandlungen mit der syrischen Regierung zuzustimmen, ohne Bedingungen zu fordern, die einzig das Ziel haben, jegliche Gespräche zu torpedieren (u.a. die Forderung nach Assads Abgang)??? "Man", d.h. die USA, UK, Frankreich, Erdogan, sowie die genannten arabischen Vorzeigerechtsstaaten vom persischen Golf (SA und Katar), ist sich doch sicher, dass a) Assad in Syrien total verhasst, b) fast alle Sunniten und damit die Mehrheit der Syrer für die "Revolution" seien und c) dass die angeblich mehrheitlich moderatischen (wenn nicht beinahe liberal-demokratischen) Rebellen die "legitimen Vertreter des syrischen Volkes" sind, ja? Warum lässt man es nicht auf Wahlen ankommen? Die müsste doch Assad haushoch verlieren...
3. Amerika
original-native 10.08.2013
Beliefert eine Opposition die klar in Der unterzahl ist und will was von Demokratie erzählen! Zudem Besteht diese Opposition aus jihadisten und Häftlingen die ständig Terroranschläge ausüben! Wollt ihr mich denn eigentlich alle verarschen!? Ich bin Syrer und Sage es offen heraus: wir Syrer wollen nicht unter diesen Al Quaida- Al nusra Rebellen leben, lieber bleiben wir bei Assad und haben unseren Frieden!
4. Scheinkonferenzen
seans 10.08.2013
Was will man denn dort noch managen. Assad hat sein halbes Volk ausgebombt. Kerry war in den Flüchtlingslagern und sie haben ihn um Hilfe angefleht. Es wird keine politische Lösung in diesem Freiheitskampf geben.
5. Politisch lustig
seans 10.08.2013
Zudem ist allein die Formulierung einer politschen Lösung in der causa Syrien abnorm. Vor Kurzem noch hatte der Diktator angekündigt, dass er weiter mit eiserner Faust herrschen will. Dies hat übrigens auch sein Vater schon getan.
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