Probleme auf Stützpunkt US-Militär suspendiert Atomwaffen-Aufseher

Eigentlich sollten sie sich um die Bewachung der mit Atomsprengköpfen bewaffneten Interkontinentalraketen kümmern - doch dabei gab es offenbar Probleme. Das US-Militär hat 17 Offiziere suspendiert, weil sie ihren Pflichten nicht nachgekommen sind.

Techniker an einer "Minuteman"-Rakete (Archivbild): "Sackgasse" in der Militärkarriere
AFP / US AIR FORCE

Techniker an einer "Minuteman"-Rakete (Archivbild): "Sackgasse" in der Militärkarriere


Sie sollten die wichtigste Waffe eines Atomkriegs sein - und können jederzeit innerhalb von 30 Sekunden nach Eingang des Startbefehls abheben. In den unterirdischen Silos des US-Militärs stehen - laut der aktuellsten Zählung - bis heute 449 aktive Interkontinentalraketen des Typs LGM-30 Minuteman III. Ein Drittel von ihnen ist rund um die Minot Air Force Base im US-Bundesstaat North Dakota untergebracht. Und bei ihrer Rund-um-die-Uhr-Bewachung hat es offenbar ernsthafte Probleme gegeben.

Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur AP hat die Air Force bereits im April insgesamt 17 Offiziere suspendiert, die für die Kontrolle der Atomraketen auf der Basis zuständig waren. Dabei ist man auf der Minot Air Force Base durchaus Kummer gewohnt: Mal schlafen dort Soldaten beim Bewachen von Atombomben-Codes ein, mal hebt ein Bomber versehentlich mit sechs Nuklearsprengköpfen ab - und niemand weiß den Grund.

Doch was Inspektoren der Air Force zuletzt im 91st Missile Wing vorfanden, ließ sie offenbar erschaudern. Es habe eine "Kultur der Gleichgültigkeit" geherrscht. In mindestens einem Fall seien absichtlich die Sicherheitsregeln verletzt worden. Außerdem habe es einen offensichtlichen Unwillen gegeben, Regelbrecher mit ihren Handlungen zu konfrontieren und diese weiter zu melden, heißt es in dem AP-Bericht unter Berufung auf eine interne E-Mail.

Hagel will weitere Informationen

Die Sicherheit der Nuklearstreitmacht sei nie in Gefahr gewesen, sagt die Air Force. Ein Pentagon-Sprecher erklärte, Verteidigungsminister Chuck Hagel wisse von den Problemen und habe weitere Informationen angefordert.

Bruce Blair, ein ehemaliger Raketenoffizier, der jetzt an der Princeton University arbeitet, nannte die Vorkommnisse "sehr besorgniserregend". Innerhalb des Militärs seien die Jobs in den Raketensilos als "Sackgassen" verschrien. Blair ist Gründer der Initiative "Global Zero", die sich die Abschaffung aller Atomwaffen zum Ziel gesetzt hat. Er erklärte, die Raketentruppen spielten in der Air Force nur die zweite Geige. Viele der Soldaten seien besonders frustriert, weil sie nach einer internen Regeländerung nicht mehr so leicht auf andere, attraktivere Positionen wechseln könnten.

Was im Detail auf der Minot Air Force Base vorgefallen ist, ist unklar. Die suspendierten Militärs sollen jetzt allerdings zwei Monate lang nachgeschult werden, heißt es. Dann könnten sie an ihre früheren Arbeitsorte zurückkehren. Die Air Force erklärte außerdem, an den anderen beiden Standorten der "Minuteman"-Raketen, auf den Basen Malmstrom (US-Bundesstaat Montana) und F.E. Warren (US-Bundesstaat Wyoming) habe es keine Probleme gegeben.

chs/AP

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insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
joot 09.05.2013
1.
Auch wenn ich natürlich froh darum bin, dass auf absehbare Zeit wohl kein Krieg ausbrechen wird wo diese Dinger zum Einsatz kommen: es muss ein unglaublich langweiliger und frustrierender Job sein so ein Ding zu bewachen, was einfach nur rumsteht. Selbst Nachtwächter vom Parkhaus haben mehr Abwechslung. Wenn der Karriereweg dann auch noch eine Sackgasse ist und man da in alle Ewigkeit feststecken bleibt, muss man sich nicht wundern wenn die Leute ihre Aufgaben nicht ernst nehmen.
abu_kicher 09.05.2013
2. In zwei Monaten sollte ihnen dann spätestens wieder eingefallen sein...
...wie man den Knopf drückt.
artusdanielhoerfeld 09.05.2013
3. Halb so schlimm...
...denn sollte dort ein Sicherheits-Problem wirklich mal akut werden, dann löst es sich "blitzartig" von selbst...
abominog 09.05.2013
4. Genau das ist das Problem
Derartige Waffen sind tatsächlich eine Sackgasse, denn es gibt nicht nur im weltweiten Bankwesen unendliche Schlamperei, Nachlässigkeit, Korruption und Dummheit sondergleichen, sondern auch beim Militär. Ist es etwa nicht so? Nun, in der Summe ist sowas dann irgendwann natürlich verhängnisvoll. Zum Beispiel auch wenn es um die Kontrolle und Überwachung von Kernwaffen (bzw derartige Technologie) geht. Schon die Herstellung von Kernwaffen jeglicher Art ist ziemlich heikel und extrem fragwürdig. Wohin zum Beispiel mit dem Müll? Also ich rede ja nur von der möglichen globalen Apokalypse, insofern ist doch alles halb so schlimm, lol! Wenn menschliche Dummheit, menschliche Gier, menschliche Leichtsinnigkeit und menschliches Versagen irgendwann gleichzeitig aufeinandertreffen, dann
amarildo 09.05.2013
5. Meinung
Zitat von jootAuch wenn ich natürlich froh darum bin, dass auf absehbare Zeit wohl kein Krieg ausbrechen wird wo diese Dinger zum Einsatz kommen: es muss ein unglaublich langweiliger und frustrierender Job sein so ein Ding zu bewachen, was einfach nur rumsteht. Selbst Nachtwächter vom Parkhaus haben mehr Abwechslung. Wenn der Karriereweg dann auch noch eine Sackgasse ist und man da in alle Ewigkeit feststecken bleibt, muss man sich nicht wundern wenn die Leute ihre Aufgaben nicht ernst nehmen.
Ich nehme an der Job ist besser bezahlt als Wache vor einer Bank zu schieben. Ausserdem , im Vergleich zu Afghanistan an dem Silo wird warscheinlich keiner mit einer Kalashnikov auf die Wache schiessen. Ich nehme an die Jungs in Afghanistan wuerden sich auf so einen Job stuerzen. Lieber leben mit Langweile als tot sein mit vorheriger toller Aufregung.
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