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Minutenprotokoll : Gaddafi lacht über Rücktritt, USA ziehen Truppen zusammen

Freiwillig seinen Posten räumen? Über diesen Vorschlag kann Libyens Despot Gaddafi im Interview nur kichern. Die Uno könne aber gern zu einem Kontrollbesuch ins Land kommen. Das Pentagon schickt unterdessen weitere Einheiten in die Region. Die Ereignisse des Tages im Minutenprotokoll.

Libyen: Gaddafis Herrschaftsgebiet schrumpft Fotos
REUTERS

+++ Popstar Furtado will Gaddafi-Gage spenden +++

[23.25 Uhr] Die kanadische Popsängerin Nelly Furtado hat angekündigt, die Gage für ein Konzert vor dem libyschen Machthaber Gaddafi für einen guten Zweck spenden zu wollen. Im Jahr 2007 habe sie vom Gaddafi-Clan eine Million Dollar für einen 45-minütigen Auftritt vor geladenen Gästen in einem italienischen Hotel erhalten, schrieb die 32-Jährige auf ihrer Twitter-Seite. Die libysche Herrscherfamilie hat sich in der Vergangenheit mehrfach Privatkonzerte bekannter Künstler geleistet. Berichten zufolge sollen auch Künstler wie Beyoncé, Usher, Mariah Carey und Lionel Richie schon für die Gaddafis aufgetreten sein.

+++ Großbritannien verhindert Mega-Geldtransport nach Libyen +++

[22.45 Uhr] Die Behörden in Großbritannien haben den Transfer von umgerechnet etwa einer Milliarde Euro nach Libyen gestoppt. Das Finanzministerium habe "die Ausfuhr von 900 Millionen Pfund in Banknoten" verhindern können, sagte Premierminister David Cameron. Laut "Financial Times" wollten sich Gaddafi-Vertraute die frisch gedruckten Geldscheine in der vergangenen Woche im Nordosten Großbritanniens auszahlen lassen und nach Libyen bringen. Als das Vorhaben den Behörden gemeldet wurde, spielte das Finanzministerium nach Angaben der Zeitung tagelang auf Zeit, um die notwendigen Schritte zum Einfrieren des Vermögens durchsetzen zu können. Vor allem die Zollbehörden hätten sich bei der Bearbeitung der Formalitäten Zeit gelassen. Laut "Guardian" zögerten sie vor allem die Diskussion über den Transport des Geldes von seiner Lagerstätte zum Flughafen so lange hinaus, bis die Regierung den Transfer der Banknoten nach Libyen am Sonntag rechtsverbindlich stoppen konnte.

+++ Gaddafi könnte Waffen aus Weißrussland gekauft haben +++

[22.36 Uhr] Libyen hat zu Beginn der Unruhen nach Angaben des Stockholmer Instituts für Friedensforschung (Sipri) möglicherweise Rüstungsgüter aus Weißrussland erhalten. Mitte Februar sei auf dem libyschen Flughafen Sebha eine von einem weißrussischen Militärstützpunkt kommende Transportmaschine eingetroffen, teilte Sipri mit. Sebha sei für das Militär im Süden Libyens wichtig. Die Region werde von einem loyal zu Machthaber Gaddafi stehenden Stamm kontrolliert. Außerdem flog angeblich vergangene Woche zwei Mal eine Maschine der Regierung in Tripolis nach Weißrussland.

+++ Uno-Beauftragte der USA nennt Gaddafi "wahnhaft" +++

[22.06 Uhr] Die Vertreterin der USA in den Vereinten Nationen, Susan Rice, hat Muammar al-Gaddafis Aussage, sein Regime übe keine Gewalt gegen Demonstranten aus, als "wahnhaft" bezeichnet. Der Despot habe erneut bewiesen, wie wirklichkeitsfern er sei. Außerdem sagte Rice, sie erwarte, dass die angekündigten Sanktionen der Uno die Regierung in Tripolis zum Nachdenken bringen würden.

+++ Libyen feuert seinen US-Botschafter +++

[21.55 Uhr] Offenbar hat das Regime in Tripolis seinen Botschafter in den USA freigestellt. Ali Aujali hatte schon in der vergangenen Woche seine Unterstützung für die Anhänger der Revolution bekundet. Nun sei er seines Amtes enthoben worden, berichtet die Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf US-Regierungskreise.

+++ Uno in Sorge über humanitäre Situation in Libyen +++

[21.30 Uhr] Die Vereinten Nationen haben sich besorgt über die Lage in Libyen geäußert. In Tripolis herrscht nach Einschätzung der Uno inzwischen Mangel an Lebensmitteln, Medikamenten und Verbandszeug für Verwundete. Das sagte die Unter-Generalsekretärin für humanitäre Notlagen, Valerie Amos, am Montag in New York. Man gehe davon aus, dass die Gewalt in Libyen mehr als 100.000 Menschen zur Flucht in benachbarte Länder getrieben hat. Etwa 60.000 Flüchtlinge hätten sich nach Ägypten abgesetzt, weitere 40.000 nach Tunesien. Amos bat die Nachbarländer, ihre Grenzen offenzuhalten, damit Verfolgte des Gaddafi-Regimes entkommen könnten.

+++ Gaddafi lädt Vereinte Nationen nach Libyen +++

[21.14 Uhr] Weitere Auszüge aus dem Interview mit Gaddafi werden öffentlich. Im US-Sender ABC verkündet der libysche Machthaber, Vertreter der Vereinten Nationen könnten gern in sein Land kommen, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Auf die Frage, ob er bald abtreten werde, habe der Despot nur mit einem Lachen reagiert, so ABC. Es habe in den vergangenen Tagen tatsächlich Luftangriffe gegeben, sagte Gaddafi weiter. Diese hätten sich jedoch nicht gegen Demonstranten sondern gegen Munitionslager und militärische Stellungen gerichtet.

+++ USA blockieren 30 Milliarden Dollar libyschen Vermögens +++

[20.21 Uhr] Die USA setzen die Sanktionen gegen Libyen in die Tat um. Ein Sprecher des Finanzministeriums teilt mit, dass derzeit ein Vermögen von rund 30 Milliarden Dollar geblockt ist, das Libyen gehört. Das Gaddafi-Regime hat damit keinen Zugriff mehr auf das Geld.

+++ Regime will mit Rebellen verhandeln +++

[20.12 Uhr] Im Moment ist es nur ein Versprechen, das nicht allzu viel wert zu sein scheint: Der libysche Vize-Außenminister Khaled Kaim hat nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters zugesagt, die Regierung Gaddafi wolle erst mit den Städten verhandeln, die in der Hand der Rebellen seien, bevor man Gewalt einsetze. In den vergangenen Tagen gab es allerdings immer wieder Berichte darüber, dass regimetreue Truppen längst massiv Gewalt angewendet haben. Nun sagte der Minister, man wolle erst "alle Versuche und Bemühungen zum Dialog ausschöpfen". Wenn das Militär dann Gewalt anwende, dann nur "in Einklang mit internationalem Recht".

+++ Uno hält Gegend um Tripolis für zu gefährlich für Hilfslieferungen +++

[20.06 Uhr] Nach Angaben der Uno-Hilfswerkschefin Valerie Amos ist die Lage um die Hauptstadt Tripolis im Moment zu brisant, um gefahrlos Hilfsgüter ausliefern zu können. Man bemühe sich um Zugang, um sich über die Bedürfnisse der Menschen in dem Gebiet informieren zu können.

+++ Gaddafi-Truppen eröffnen Feuer in Tripolis +++

[19.55 Uhr] Aus dem Vorort Tadschura im Osten der Hauptstadt Tripolis werden Schusswechsel gemeldet. Die Online-Ausgabe der Zeitung "Quryna" schreibt, regimetreue Einheiten hätten das Feuer auf Demonstranten eröffnet. Es seien mehrere Menschen ums Leben gekommen, weitere verletzt worden. Angeblich waren knapp 10.000 Protestierende auf den Straßen unterwegs, als sich in Zivil gekleidete Gaddafi-Getreue unter sie gemischt hätten. "Sie eröffneten das Feuer auf die unbewaffneten Jugendlichen", schreibt die Zeitung. Die Toten, Verletzten und sogar einige Passanten seien dann von den Einsatzkräften fortgebracht worden. SPIEGEL ONLINE kann den Bericht nicht überprüfen.

+++ Gaddafi schimpft auf die USA +++

[19.28 Uhr] Es werden weitere Äußerungen aus dem Interview bekannt, diesmal wieder von ABC. Gaddafi fühle sich explizit von den USA hintergangen, er habe gesagt: "Die USA sind nicht die Weltpolizei". Libyen sei ein Verbündeter des Westens im Kampf gegen al-Qaida, aber "sie haben uns fallengelassen". Den US-Präsidenten bezeichnete er als "guten Mann", Obama sei aber möglicherweise nicht korrekt informiert über das, was in Libyen vor sich gehe.

+++ "Es ist doch klar, dass sie Irre sind" +++

[19.22 Uhr] Das Libyan Youth Movement ist nicht glücklich über das neue Interview mit Gaddafi. "Hört auf, immer wieder Gaddafi und seine Söhne zu zeigen oder zu interviewen", schreiben sie auf ihrer Facebook-Seite. "Es ist doch inzwischen klar, dass sie Irre sind." Ein User namens "Johnny Vollgas" meint dazu: "Bitte sagt den Medien nicht, dass sie aufhören sollen zu berichten, das gehört auch zur Freiheit dazu."

+++ Gaddafi wirft Westen Kolonialismus vor +++

[19.09 Uhr] Bei dem Gespräch mit Muammar al-Gaddafi, das in einem Restaurant in Tripolis stattgefunden haben soll, war auch ein Mitarbeiter des britischen Senders BBC anwesend. Er berichtet, der Despot habe seinen Vorwurf wiederholt, dass die Demonstranten von Qaida-Mitgliedern unter Drogen gesetzt und aufgehetzt worden seien. Von den westlichen Mächten fühle er sich betrogen und warf ihnen laut BBC vor, Libyen kolonisieren zu wollen.

+++ Ölförderer sagt sich von Gaddafi-Regime los +++

[19.05 Uhr] Die Regierung in Tripolis verliert zunehmend die Kontrolle über Teile der libyschen Ölproduktion. Agoco, ein Ableger des staatlichen Ölunternehmens NOC, hat sich nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters vom Mutterkonzern abgespalten. Bis Machthaber Gaddafi abtrete, werde man die Ölproduktion im Osten des Landes eigenständig organisieren, sagte ein Mitglied des Managements in Bengasi. Derzeit werde im Hafen der zweitgrößten Stadt des Landes ein Tankschiff mit Rohöl beladen, ein zweites solle am Dienstag folgen.

+++ BBC: Rebellen schlagen Attacke auf Sawija zurück +++

[18.54 Uhr] Unter Berufung auf eine Quelle in der umkämpften Stadt Sawija berichtet der britische Sender BBC, die Regimegegner dort hätten mit vereinten Kräften regierungstreue Truppen zurückgeschlagen. Demnach versuchte die berüchtigte Chamis-Brigade, die einer der Söhne Gaddafis befehligt, mit Panzern und gepanzerten Fahrzeugen in die Stadt vorzudringen. Dies sei aber nicht gelungen.

+++ Gaddafi schwadroniert über seinen Rückhalt im Volk +++

[18.47 Uhr] Libyens Despot meldet sich abermals zu Wort, diesmal im Gespräch mit der Journalistin Christiane Amanpour, die für den US-Sender ABC arbeitet. Sie twittert von seltsamen Aussagen Gaddafis. Demnach sagt er: "Mein ganzes Volk liebt mich. Sie würden alle sterben, um mich zu beschützen." Dass auf den Straßen von Tripolis Menschen gegen sein Regime demonstrieren, bestreite er.

+++ Berber-Stämme schließen sich angeblich den Rebellen an +++

[18.34 Uhr] Der britische "Guardian" berichtet, dass die Berber-Stämme in Libyen die Seiten gewechselt haben und sich den Regimegegnern anschließen. Die Berber sind im Süden des Landes beheimatet. "Wir haben nicht für möglich gehalten, dass wir so etwas noch erleben", zitiert die Zeitung einen Stammesvertreter. Die Stämme hofften, den Umbruch dazu nutzen zu können, ihren ursprünglichen Platz im Machtgefüge Libyens wieder einnehmen zu können.

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1. Warum?
CHANGE-WECHSEL 28.02.2011
Zitat von sysop2000*Soldaten des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi sollen*sich um*Sawija postiert haben - aber Regimegegner wollen*das mit aller Macht verhindern. Noch haben sie die Kontrolle über die Stadt.*Die Ereignisse im Liveticker. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,748046,00.html
Mich würde mal interessieren, warum es in Libyen so viele Arbeitslose, insbesondere Arbeitslose Jugendliche gibt, wenn es scheinbar bis zu 1 Million Gastarbeiter in Libyen gibt. Sind dies Leih- und Zeitarbeiter wie in Europa? Die aus armen Ländern von unseren reichen Industriellen ins Land geholt werden um die Löhne auf Sklaven-Niveau zu halten?
2. Vorgewagt
atzigen 28.02.2011
Innzwischen hat sich der Westen weit vorgewagt und eindeutig Partei ergriffen und sich in die Pflicht genommen. Sollte sich das Regim noch länger mit Gewalt an der Macht halten,was dann? Militärisch eingreifen. Die Sache ist Brisant. Im Islamischen Raum wird der Westen seit Jahrzehnten als Ideologischer Feind verkauft. Ein allzu intensiever Militäreinsatz der Nato könnte diese verwurzelten Denkmuster aktivieren. Die Stimmungslagen in der Gegend können je nach Umständen sehr volatiel sein und sehr schnell umschlagen.
3. Noch ist Gaddafi, der Lindwurm nicht besiegt
sukowsky, 28.02.2011
Noch ist Gaddafi, der Lindwurm nicht besiegt. Und in seinen Zuckungen kann er so manch einen noch beseitigen. Aufgepasst Regimegegner!
4. Hochachtung
Robert Hut, 28.02.2011
"Außenminister Guido Westerwelle hält die Lage in Libyen für "unverändert unübersichtlich"." Scheint ja ein ganz aufgewecktes Kerlchen zu sein, dieser Westerwelle... :D
5. .
Oberleerer 28.02.2011
Im Gegensatz zu Deutschland hatte die dortige Regierung nicht das Wohl des eigenen Volkes im Blick, sondern nur der Teile der Unternehmer, die am meisten Zahlen.
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Libyen: Der Kampf gegen Gaddafi


Fotostrecke
Libyen: Protest gegen Gaddafi

Fläche: 1.676.198 km²

Bevölkerung: 6,253 Mio.

Hauptstadt: Tripolis

Staatsoberhaupt und Regierungschef:
Fayez Sarraj (Präsident des Präsidialrates)

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