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Minutenprotokoll: Gaddafi rüstet zum Kampf gegen Regimegegner

Der Machthaber ist in die Enge getrieben: Gaddafi-Getreue und Regimegegner ringen nun auch in Tripolis um die Macht. In einer Rede forderte der Despot den bewaffneten Kampf gegen die Aufständischen. Die Uno erwägt harte Sanktionen gegen Libyen. Die Ereignisse des Tages im Minutenprotokoll.

Aufstand gegen Gaddafi: Die Massen formieren sich Fotos
AFP PHOTO / LIBYAN TV

Tripolis - Muammar al-Gaddafi gibt sich kampfesbereit. Der libysche Machthaber zeigte sich erstmals seit Ausbruch der schweren Unruhen vor einer Woche öffentlich vor Hunderten von Anhängern. "Wir können jeden Angriff abwehren und das Volk bewaffnen, wenn nötig", sagte er bei seinem überraschenden Auftritt auf dem Grünen Platz in der Hauptstadt. Er rief seine Gefolgsleute auf, protestierende Regimegegner zu bekämpfen und zu töten. "Übt Vergeltung gegen sie, übt Vergeltung gegen sie!" Seine Anhänger sollten sich vorbereiten, "die Nation und das Öl zu verteidigen". Wenn nötig, würde er Waffenlager öffnen und jeden Libyer bewaffnen.

Gaddafi sprach vor einer jubelnden Menge regimetreuer Libyer, die Fahnen und Bilder des Staatschefs schwenkten. Anschließend kam es nahe dem Platz zu Zusammenstößen von Gaddafi-Anhängern und Regimegegnern. Während Gaddafi senior bei seiner harten Linie bleibt, kündigte sein Sohn Saif al-Islam al-Gaddafi Verhandlungen mit den Rebellen an. Diese könnten bereits am Samstag beginnen.

Die Proteste gegen das Regime gingen auch am Freitag weiter. In Tripolis feuerten Sicherheitskräfte auf die Protestierenden, mehrere Menschen wurden getötet. In der östlichen Stadt Bengasi, wo die Gaddafi-Truppenseit Tagen vertrieben sind, versammelten sich Hunderttausende, um gegen das Regime zu demonstrieren. Immer wieder wurde im Laufe des Freitags gemeldet, dass auch Vororte der Hauptstadt schon von den Aufständischen kontrolliert würden. Eine Bestätigung dafür gab es jedoch nicht.

Auch der politische Druck auf das libysche Regime wächst. Am späten Abend wurden erste Details aus dem Entwurf einer Resolution des Uno-Sicherheitsrates bekannt. Darin ist von Reisebeschränkungen und einem Waffenembargo für Libyen die Rede. Die Konten führender Mitglieder des Gaddafi-Regimes sollen eingefroren werden. Über die Gewalttaten des Regimes könnte laut dem Papier der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag befinden. Der Uno-Gesandte Libyens, Abdurrahman Mohamed Shalgham, erklärte in einer emotionalen Rede seine Abkehr vom Gaddafi-Regime.

Lesen Sie die Ereignisse des Tages im Minutenprotokoll nach:

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Forum - Schwere Unruhen: Wie geht es weiter in Libyen?
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1. Aus für Ghaddafi
pendare_nik, 22.02.2011
Zitat von sysopLibyens Regime schießt offenbar aus Kampfflugzeugen und Hubschraubern auf Demonstranten, es gibt Hunderte Tote. Doch die Regierungskritiker protestieren weiter. Die Macht droht Diktator Gaddafi zu entgleiten - nun haben sich auch wichtige Stämme von ihm distanziert. Wie lange kann Gaddafi sich noch halten?
Die Entfernung von Ghazzafi scheint kurz bevor zu stehen, der Goldpreis hat sich schon wieder etwas beruhigt, die Ungewissheit ist bald zuende. Die Bedeutung des Sturzes Ghaddafis liegt darin, dass andere Diktatoren, von Marokko bis Saudi Arabien, jetzt Angst vor dem Volk haben. Hier sollte ein Exemple statuiert werden, an dem sich andere Politiker und Machthaber orientieren können. Ob es aber zu einem Schauprozess kommen wird, ist fraglich, Ghaddafi hat viele gute Freund, wie z.B. Berlusconi: "der italienische Ministerpräsident [hat sich] von seinem «guten Freund» Ghadhafi distanziert" http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/berlusconi_verurteilt_inakzeptable_gewalt_in_libyen_1.9637778.html Sag mir, wer deine Freunde sind, dann sag ich wer du bist.
2. Wer kann das schon wissen
Katzenfreund, 22.02.2011
Im Augenblick ist es kaum möglich darüber Aussagen zu machen. Es steht ja noch nicht einmal fest wer in Libyen die Oberhand behält.Gelingt es G. an der Macht zu bleiben,oder nicht?
3. Geht ja schnell
Akku, 22.02.2011
Haben die Amerikaner schon jemand für seine Nachfolge festgelegt?
4. Militär
naabaya 22.02.2011
Zitat von AkkuHaben die Amerikaner schon jemand für seine Nachfolge festgelegt?
Irgendein General wirds schon machen. Wie soll man auf die Schnelle eine demokratische Regierung installieren? Weiter gehts nach Schema F!
5. Was passiert
Katzenfreund, 22.02.2011
Was passiert eigentlich,sollte das alte Regime stürtzen. In Libyen gibt es keine Parteien. Wer oder was soll die Regierungsgeschäfte führen? Wer bestimmt wer die Staatsgewalt übernimmt. Was werden die Clans machen? Werden sich die Clans gegenseitig bekämpfen? Oder werden die Clans zusammenarbeiten? Wer entscheidet wie die Gas und Öl Einnahmen verteilt werden? Wer sichert die Grenzen? Es gibt viele Fragen und keine Antworten.
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Liveticker-Übersicht zu Libyen
Getty Images
Vom Beginn der Massenproteste bis jetzt - lesen Sie hier die Minutenprotokolle der Aufstandstage in Libyen:

Fotostrecke
Unruhen: Flucht aus Libyen

Fläche: 1.676.198 km²

Bevölkerung: 6,253 Mio.

Hauptstadt: Tripolis

Staatsoberhaupt und Regierungschef:
Fayez Sarraj (Präsident des Präsidialrates)

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