Minutenprotokoll Libysche Rebellen drohen mit Marsch auf Tripolis

Die Aufständischen im Osten Libyens lassen sich von Gaddafis jüngsten Attacken nicht einschüchtern. Sie drohen nun mit einem Marsch gen Westen, sollte der Machthaber nicht weichen. Die Ereignisse des Tages im Minutenprotokoll.

REUTERS

+++ Haager Strafgerichtshof will Donnerstag Verdächtige benennen +++

[19.34 Uhr] Der Internationale Strafgerichtshof will am Donnerstag Einzelheiten über das Ermittlungsverfahren zu möglichen Gewalttaten gegen Regierungskritiker in Libyen bekannt geben. Chefankläger Luis Moreno-Ocampo hat für 13 Uhr eine Pressekonferenz angesetzt. Dabei will er auch Namen von Verdächtigen nennen. Der Uno-Sicherheitsrat hatte den Strafgerichtshof am Samstag mit Ermittlungen beauftragt.

+++ Großbritannien schickt weitere Fregatte +++

[19.18 Uhr] Großbritannien hat die Fregatte "HMS Westminster" von Gibraltar aus Richtung Libyen gesandt. Nach Angaben eines Armeesprechers hat das Schiff Medikamente, Decken und alltägliche Dinge an Bord. Es soll die "HMS York" vor Ort ablösen.

+++ Zahl der Flüchtlinge übersteigt 180.000 +++

[19.05 Uhr] Immer mehr Menschen flüchten vor den Unruhen aus Libyen. Laut Uno liegt ihre Zahl inzwischen bei mehr als 180.000. Allein 77.320 Menschen hätten die Grenze von Libyen nach Ägypten überschritten, gab das Uno-Flüchtlingshilfswerk bekannt. Etwa dieselbe Zahl Menschen sei nach Tunesien geflüchtet, 30.000 weitere warteten an der Grenze. "Viele, viele verängstigte Flüchtlinge", zumeist Ägypter und Tunesier, harrten in der Hauptstadt Tripolis aus. Sie hätten Angst, im Fall einer Flucht von Gaddafis Truppen angegriffen zu werden.

+++ Arabische Liga hält Flugverbotszone für möglich +++

[18.46 Uhr] Die Arabische Liga denkt über Schritte nach, um die Lage in Libyen zu beruhigen. Generalsekretär Amr Moussa sagte, es sei möglich, gemeinsam mit der Afrikanischen Union eine Flugverbotszone einzurichten, falls die Kämpfe in dem nordafrikanischen Land anhielten. "Die Arabische Liga wird nicht mit gebundenen Händen dastehen, während das Blut des libyschen Volkes fließt." Die Arabische Liga hat die Mitgliedschaft des Gaddafi-Regimes ausgesetzt.

+++ USA fürchten Zustände wie in Somalia +++

[18.21 Uhr] Die US-Regierung sorgt sich, dass Libyen ein Zufluchtsort für al-Qaida-Terroristen werden könnte. Außenministerin Clinton sagte, eine der größten Befürchtungen sei, dass Libyen ins Chaos abgleiten könnte - und ein großes Somalia werde. "Wir befürchten das nicht für die nahe Zukunft." Aber viele al-Qaida-Aktivisten in Afghanistan und auch im Irak seien ursprünglich aus dem Osten Libyens gekommen.

+++ Briten haben Maßnahmen für Flugverbotszone getroffen +++

[17.52 Uhr] Großbritannien hat bereits die Einrichtung einer Flugverbotszone über Libyen vorbereitet. Einseitige Maßnahmen schloss die Regierung in London aber aus. "Wenn sich die Ereignisse schnell entwickeln, muss man planen, sich auf alle Krisenmaßnahmen vorbereiten, genau das haben wir getan", sagte Vizepremier Nick Clegg. Dazu gehöre auch die Einrichtung einer Flugverbotszone. "Aber wir würden das nicht alleine machen." Es gebe rechtliche Fragen, und überdies sei Libyen ein sehr großes Land.

+++ Gates: Flugverbotszone würde vorherigen Angriff bedeuten +++

[17.39 Uhr] US-Verteidigungsminister Robert Gates hat sich skeptisch über die Einrichtung einer Flugverbotszone über Libyen geäußert. Ein solcher Schritt würde unweigerlich einen Angriff voraussetzen. "Lasst uns die Dinge beim Namen nennen: Eine Flugverbotszone beginnt mit einem Angriff auf Libyen, um deren Flugabwehr zu zerstören. Erst danach kann man mit Flugzeugen über das Land fliegen und muss sich nicht darum sorgen, dass unsere Jungs abgeschossen werden." US-Außenministerin Hillary Clinton sagte, eine Entscheidung über eine solche Zone liege noch in weiter Ferne.

+++ Libysche Rebellen drohen mit Marsch auf Tripolis +++

[17.12 Uhr] Die Aufständischen in Libyen wollen ihren Kampf gegen Machthaber Gaddafi fortsetzen. Der Nationale Libysche Rat hat angekündigt, die Rebellen-Armee im Osten sei bereit für einen Marsch gen Westen, wenn Gaddafi nicht zurücktrete.

+++ Proteste in Adschdabija +++

Video auf YouTube

Demonstrationen in Adschdabija, etwa 150 km südlich von Bengasi. SPIEGEL ONLINE konnte Inhalt und Herkunft nicht überprüfen.

+++ Rebellen werfen afrikanischen Ländern Unterstützung Gaddafis vor +++

[17.01 Uhr] Der von den Rebellen gegründete Nationale Libysche Rat geht davon aus, dass Gaddafi Unterstützung aus dem afrikanischen Ausland bekommt. Ratssprecher Hafiz Ghoga sagte, Niger, Mail und Kenia hätten Truppen geschickt, um Gaddafi bei seinem Kampf gegen die Aufständischen zu unterstützen. "Es gibt Hinweise, dass die Regierung von Algerien hieran teilnimmt", sagte er. Der Rat hat von der Uno Luftschläge gegen Gaddafis "afrikanische Söldner" gefordert.

+++ Exil-Libyer: Gaddafi befahl Ministern Rücktritt +++

[16.49 Uhr] Abdulhamid Salim al-Haasi, ein Sprecher der libyschen Exil-Opposition in London, hat gesagt, mehrere in den vergangenen Tagen aus Protest gegen Gaddafis Politik zurückgetretene libysche Botschafter und Minister hätten auf Befehl aus Tripolis gehandelt. "Wir können uns keinen Reim darauf machen, welche Strategie Gaddafi damit verfolgt", sagte er. Die Information stamme von einer sehr glaubwürdigen Quelle im libyschen diplomatischen Korps.

+++ Ex-Justizminister soll Rebellengremium führen +++

[16.48 Uhr] Der ehemalige libysche Justizminister Mustafa Abdel Jalil soll dem von den Rebellen gegründeten Nationalen Libyschen Rat vorsitzen. Das teilte ein Sprecher des Gremiums mit. Es solle insgesamt 30 Mitglieder haben. Offenbar haben die Führer der Aufständischen nicht vor, mit einer neu gegründeten Firma Öl zu verkaufen. Das könne so verstanden werden, als wolle man Libyen teilen, sagte der Sprecher. Genau dies behaupte Gaddafi, und diesen Eindruck wolle man vermeiden.

+++ Libysche Menschenrechtler beschuldigen den Tschad +++

[16.43 Uhr] Libysche Menschenrechtler haben schwere Vorwürfe gegen den Tschad erhoben. Das Land spiele eine wichtige Rolle bei den ausländischen Söldnern im Dienste von Muammar al-Gaddafi. "Zwei tschadische Generäle befehligen die Söldner", sagte ein Sprecher. Er gab die Zahl der Söldner mit 3000 in der Hauptstadt Tripolis und weiteren 3000 in deren Vororten an.

+++ Welternährungsprogramm bereitet Hilfsmission vor +++

[16.31 Uhr] Die Uno will die Versorgung der Flüchtlinge an den libyschen Grenzen verbessern. Das Welternährungsprogramm WFP bereitet Hilfe für die mehreren zehntausend Menschen vor. Gemeinsam mit Partnern wie dem Roten Kreuz wolle das WFP die Flüchtlinge mit Nahrungsmitteln versorgen. Für die kommenden drei Monate würden umgerechnet 28 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Das WFP sei stark in Libyen präsent, werde Nahrung also dorthin bringen können, wo sie benötigt werde. Notwendig dafür sei ein sicherer Zugang vor allem zum libyschen Westen.

+++ Internationale Energie-Agentur will im Notfall auf Ölreserven zurückgreifen +++

[16.21 Uhr] Die IEA denkt darüber nach, die strategischen Ölreserven anzugreifen. "Wir beobachten die Situation stündlich sehr genau, wir stehen in engem Kontakt mit den Regierungen", sagte IEA-Chefvolkswirt Fatih Birol der "Financial Times Deutschland". Zwar sei in der vergangenen Woche bei Beratungen entschieden worden, derzeit noch kein Öl aus den Reserven auf den Markt zu werfen. Dazu sei man aber bereit. "Falls sich die Notwendigkeit ergibt, verfügen wir über substantielle Vorräte", sagte Birol. Sie seien mehr als ausreichend, um die frühere Produktion Libyens von 1,6 Millionen Barrel täglich auszugleichen.

+++ Rebellen fordern Luftschläge der Uno +++

[15.52 Uhr] Ein Komitee der Aufständischen im Osten Libyens hat ein militärisches Eingreifen der Uno gefordert. Der "Nationale Libysche Rat" hat die Weltgemeinschaft aufgefordert, die von Gaddafi angeheuerten Söldnertruppen aus der Luft anzugreifen. Hafiz Ghoga, Sprecher des in Bengasi ansässigen Gremiums, lehnte allerdings in einer Pressekonferenz weiterhin den Einsatz von Bodentruppen in Libyen ab.

+++ Den Haag leitet Ermittlungen gegen Libyen ein +++

[15.27 Uhr] Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag nimmt Ermittlungen gegen Libyen wegen möglicher Verbrechen gegen die Menschlichkeit auf. In einer Erklärung hieß es, Chefankläger Luis Moreno-Ocampo habe sich dazu entschieden. Zuvor habe er die bislang zusammengetragenen Informationen ausgewertet.

+++ Al Dschasira berichtet von Luftschlägen gegen Aufständische +++

[15.20 Uhr] Der arabische TV-Sender al Dschasira meldet, dass es Luftangriffe auf zwei libysche Städte gegeben haben soll: Brega und Adschdabija. Dabei soll es mindestens vier Tote und zehn Verletzte gegeben haben.

+++ Spanien will Gaddafi-Vermögen einfrieren +++

[15.07 Uhr] Spanien will einem Ministeriumsmitarbeiter zufolge das Vermögen Gaddafis einfrieren. Entsprechend habe sich Außenministerin Trinidad Jiménez geäußert. Von der Maßnahme sei unter anderem ein großes Anwesen Gaddafis in der südspanischen Stadt Málaga betroffen, sagte der Ministeriumsmitarbeiter. Außerdem werde geprüft, ob Gaddafi und Mitglieder seines Regimes noch andere Vermögenswerte in Spanien besäßen. Mit dem Schritt würde Spanien dem Beschluss des Uno-Sicherheitsrats folgen, der umfangreiche Sanktionen vorsieht. Zuvor hatten schon die Schweiz, Österreich und Großbritannien das Einfrieren von Gaddafis Vermögen angeordnet.

+++ Gaddafis Sohn verkündet baldiges Ende des Konflikts +++

[14.56 Uhr] Der Sohn von Machthaber Muammar al-Gaddafi geht davon aus, dass der Aufstand in Libyen scheitert. Das Land stehe vor der baldigen Rückkehr zur Ordnung. "In zwei Tagen wird alles wieder den gewohnten Gang nehmen", sagte Saif al-Islam Gaddafi der französischen Tageszeitung "Le Figaro". Die Lage sei ausgezeichnet und vom Fall des Regimes gar keine Rede. Die Situation im Osten des Landes sei etwas chaotisch, doch werde auch dort bald Ruhe einkehren, erklärte er weiter. Saif al-Islam Gaddafi gestand, dass es bei den Protesten mehrere hundert Tote gegeben hat, bestritt jedoch erneut die Luftangriffe auf Zivilisten. Er bezeichnete Libyen als Opfer einer Propaganda-Kampagne ausländischer Medien.

+++ EU verdreifacht Hilfe für Flüchtlinge +++

[14.48 Uhr] Die Europäische Union hat die Soforthilfe für Flüchtlinge aus Libyen auf zehn Millionen Euro verdreifacht. "Die Lage erfordert eine Antwort der internationalen Gemeinschaft", sagte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso in Brüssel. Er sprach von einer "humanitären Katastrophe". Er sei in engem Kontakt mit dem Uno-Flüchtlingshilfswerk. Nach jüngsten Schätzungen seien rund 140.000 Menschen auf der Flucht. Das Geld werde für humanitäre Zwecke eingesetzt, wie medizinische Geräte, Zelte und Matratzen.

+++ Libyens Kreditwürdigkeit auf Ramschniveau gesenkt +++

[14.46 Uhr] Die Ratingagentur Fitch hat die Kreditwürdigkeit Libyens auf Ramschniveau gesenkt. Angesichts der höchst unsicheren politischen Situation seien Anlagen in Libyen nur noch spekulativ, obwohl das Land über die größten bekannten Ölvorkommen Afrikas verfüge und keine Schulden habe. So begründete die in London ansässige Agentur die Herabstufung. Sie senkte die Bewertung des Landes um drei Schritte von BBB auf BB. Damit rät sie nun explizit von Investments in dem Land ab. Erst in der vergangenen Woche hatte die Agentur das Rating von BBB+ auf BBB herabgestuft.

+++ Gaddafi erklärt Libyens Ölanlagen für sicher +++

[14.28 Uhr] Die libyschen Ölanlagen sind ein wichtiger strategischer Faktor im Land - ebenso wie die Häfen. Beides sei "sicher" und "unter Kontrolle", sagt nun Machthaber Gaddafi. Er meint damit: unter seiner Kontrolle. Westliche Banken und andere Firmen im Land will er nach eigenem Bekunden durch Unternehmen aus China, Russland und Brasilien ersetzen.

+++ Ahmadinedschad warnt Nato vor militärischer Intervention +++

[14.23 Uhr] Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat sich gewohnt martialisch gegen eine militärische Intervention der Nato ausgesprochen. "Ihr solltet wissen, dass sich bei einer militärischen Invasion in einem nordafrikanischen Land oder im Mittleren Osten die Nationen der Region erheben und ein Grab für eure Soldaten schaufeln werden."

+++ Flughafen Brega laut Ex-Innenminister unter Rebellenkontrolle +++

[14.14 Uhr] Angeblich haben die Regimegegner nun die Kontrolle über den Flughafen der umkämpften Stadt Brega übernommen - das jedenfalls behauptet Abd al-Fattah Junis, der einstige Innenminister der Gaddafi-Regierung. Junis war nach Ausbruch der Proteste zu den Rebellen übergelaufen.

+++ Spanien stoppt Gaddafi-Baupläne +++

[14.06 Uhr] Spanien hat ein Bauvorhaben Gaddafis an der Costa del Sol gestoppt. Damit setze man die von der Europäischen Union und den Vereinten Nationen beschlossenen Sanktionen um, hieß es aus dem spanischen Außenministerium. Gaddafi besitzt an der südspanischen Mittelmeerküste ein größeres Gelände, auf dem er 2000 Wohnungen, einen Kongress-Palast und einen Golfplatz bauen lassen wollte.

+++ "Tausende Tote" im Fall einer Nato-Intervention +++

[13.46 Uhr] Al-Dschasira hatte zwischenzeitlich die Übertragung der Rede - der dritten TV-Ansprache Gaddafis seit Beginn der Aufstände - beendet. Nun beginnt die Übertragung von Neuem. Gaddafi warnt vor "Tausenden Toten", wenn die Nato sich auf libysches Territorium begebe.

+++ Gaddafi: Uno soll Kämpfe untersuchen +++

[13.45 Uhr] Gaddafi schlägt vor, die Uno solle in den umkämpften Städten Gremien einsetzen, die herausfinden sollten, wer wen umgebracht habe. Dann werde sich herausstellen, dass die Regierungstruppen keinen Schuss gegen friedliche Zivilisten abgefeuert hätten. Die Vereinten Nationen hätten Resolutionen gegen Libyen verabschiedet und sich dabei nur auf Medienberichte verlassen. Dabei gebe es in Libyen keinen einzigen politischen Gefangenen.

+++ "Libyen verteidigen bis zum letzten Tropfen Blut" +++

[13.32 Uhr] Laut Gaddafi ist die Situation klar: Der Aufstand sei eine Verschwörung, um die Kontrolle über Libyen und das libysche Öl zu gewinnen. "Wir werden Libyen verteidigen, Zentimeter für Zentimeter, bis zum letzten Tropfen Blut." Zudem kündigt er an, Libyen werde aufhören, Öl zu produzieren und zu exportieren.

+++ Gaddafi bezeichnet Rebellen als Terroristen +++

[13.27 Uhr] Gaddafi beschuldigt das Terrornetzwerk al-Quaida, hinter den Aufständischen zu stehen. Es sei eine absolute Lüge, dass auf friedliche Demonstranten geschossen worden sei. Es habe keine friedlichen Demonstrationen gegeben, sondern nur terroristische Angriffe. So hätten die Proteste begonnen. Die "Terroristen" verbreiteten Chaos und würden täglich Frauen vergewaltigen. Seine Gegner seien in Gefängnisse eingebrochen, hätten Verbrecher rekrutiert und ihnen Waffen gegeben.

+++ "Gaddafi hat keine Macht" +++

[13.20 Uhr] Gaddafi spricht gelegentlich von sich in der dritten Person - und wiederholt seinen Standpunkt: "Muammar Gaddafi hat keine Macht, er ist kein Präsident." Das ganze libysche Volk habe ihm gesagt, dass es bereit sei, für ihn zu sterben.

+++ "Wir können unseren Führer nie im Stich lassen" +++

[13.14 Uhr] Die ganze Veranstaltung ist allzu offensichtlich inszeniert. Eine Frau ruft in ein Mikrofon: "Sie sind ein Schwert, das nicht verbiegt…Gehen Sie nicht!" Die Leute im Saal rufen: "Wir schwören bei Gott, wie können unseren Führer nie im Stich lassen." Gaddafi: "Diese neuen Rufe stammen vom libyschen Volk" - ein mehr als durchsichtiger Versuch des Machthabers, das Ganze als spontane Aktion aussehen zu lassen, ebenso wie seine Aussage: "Bitte seid ruhig."

+++ "Ich übe keine Macht aus" +++

[13.05 Uhr] Gaddafi stellt sich als einer aus dem Volk dar. Er gratuliert dem libyschen Volk zum 2. März 1977: An diesem Tag habe das Volk die Herrschaft übernommen und sich das libysche Land und die libyschen Ölfelder von der Besatzung durch die USA und Großbritannien befreit. Er habe die Revolution ausgeführt und danach die Macht an die Menschen übergeben. Er sei lediglich ein Symbol gewesen. Die Macht liege in den Händen des Volkes und nur dort. Er habe die Macht 1977 abgegeben und stelle sich gegen jeden, der sage, dass er Macht ausübe.

+++ Gaddafi wettert gegen ausländische Medien +++

[12.59 Uhr] Gaddafi arbeitet sich an seinen Gegnern ab: Im ganzen Land gebe es große Veranstaltungen, bei denen er gepriesen werde. Die Herrschaft des Volkes in Libyen, so Gaddafi, sei "wahre Demokratie" - ohne Parlament oder Wahlen. Libyens System werde "von der Welt nicht verstanden", sagt er. Damit meint er offenbar auch die ausländischen Medien. Wenn man sich deren Berichte anschaue, könne man meinen, die ganze Welt habe Gaddafi als einen Kriminellen abgestempelt. Wie könne es dann sein, dass ihn alle Menschen im Land unterstützten? "Libyen mag keine ausländischen Korrespondenten."

+++ Gaddafi lässt sich öffentlich preisen +++

[12.50 Uhr] Der Sender al-Dschasira zeigt nun mehr Bilder von Gaddafis Auftritt. Es ist ein großer Saal, mehrere hundert Menschen füllen ihn. Gaddafi scheint den choreografierten Auftritt zu genießen. Die Medienvertreter im Saal werden genau angewiesen, wo sie zu stehen haben. Der offizielle Anlass des Treffens: Es ist die Feier zum Jahrestag der Durchsetzung der "Herrschaft des Volkes" 1977. Gaddafi wird gebührend angekündigt - als "geliebter Führer, der von Dichtern verehrt wird". Der siegreich sei und todesmutig. Ein Mann ruft: "Sei stolz, oh Großer. Hier ist der Held der Massen, der freien Menschen."

+++ Gaddafi tritt im Fernsehen auf +++

[12.24 Uhr] Der Machthaber zeigt sich in der Öffentlichkeit. Muammar al-Gaddafi absolviert einen Auftritt. Noch hat er sich nur feiern lassen und noch nichts gesagt. In dem Raum sind zahlreiche Anhänger Gaddafis, die wild gestikulieren. Ein Mann ruft: "Allah, Muammar und nur Libyen!" Wo genau sich der bizarre Auftritt zuträgt, ist unklar. Der Sender geht davon aus, dass sich Gaddafi in der Hauptstadt Tripolis zeigt.



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insgesamt 81 Beiträge
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Koana 02.03.2011
1. Mentschenentsorgung.....
.... die Zynik heutzutage ist, dass wir noch Reporter entsenden, die live aus der "Krisenregion" berichten. Abend am Fernseher können wir dann bei Bier und Chips den Kopf schütteln, uns fragen, warum helfen wir denen nicht, um uns bei der nächsten Einblendung die eine Mittelmeerinsel zeigt, die Frage im stillen selbst zu beantworten. Schönen Tag noch.
danduin, 02.03.2011
2. Eingreifen bevor Massenmord und Bürgerkrieg
Man sollte eingreifen, bevor es wieder zu einem Massenmord kommt, bei dem die Weltöffentlichkeit nur zuschaut und nichts tut.
danubius 02.03.2011
3. Offensive gegen die eigene Bevölkerung
Wer sind den nun eigentlich diese Rebellen? Einig sind sich alle, dass Libyen seine bisherige Regierung mit Gaddafi nicht mehr will und demzufolge Gaddafi weg muss. Warum dann eigentlich immer dieses dumme Gelabere, dass die Rebellen, Aufständische in weiten Teilen des Landes die Macht übernommen haben? Es ist das libysche Volk - nicht mehr und nicht weniger! Man könnte bei ausschliesslicher Lektüre dieses Beitrags sonst noch auf den Gedanken kommen, dass die USA und GB den bisherigen Herrscher in seinem Kampf gegen die "Rebellen" unterstützen wollen - weil Aufständische und Rebellen sind ja - staatsbezogen - illegitim, oder? Meine Damen und Herren Journalisten: um nicht in die Regenbogen-Journaille abzudriften: wie wär's mit etwas mehr sachlich orientierter Berichterstattung?
localpatriot 02.03.2011
4. Die UNO ist der einzige Weg
Zitat von danduinMan sollte eingreifen, bevor es wieder zu einem Massenmord kommt, bei dem die Weltöffentlichkeit nur zuschaut und nichts tut.
Man haette vor Lieferung der Munition und der Waffen eingreifen muessen. Es waere einfacher gewesen die Waffenlieferungen zu unterbinden. Nur die UNO kann hier rechtmaessig eingreifen und das bringt fuer die Zivilbevoelkerung eine katastrophale Aussichten, denn die UNO ist nicht auf schnelles Handeln ausgerichtet. Hier meine Gedanken; Ohne Zweifel hat Gedaffi die Mittel die eigene Bevoelkerung anzugreifen und schwere Verluste zu verursachen und man muss die Libier fuer diese Situation bedauern. Aber: Ohne Rechtsstaatlichkeit gibt es keine Demokratie und ohne echte Demokratie schlittern wir alle wieder in die Zeit des modernen Feudalismus in der die Eliten die Untertanen bei der Nase fuehren. Die UNO, die naechste Ebene des menschlichen Miteinanders kann ohne ein effektives Rechtgefuege langfristig keine Fortschritte machen. Waehrend die USA eine Weltmacht ist und GB sich als Weltmacht denkt, ist es nicht ueberraschend dass beide eigenstaendige Handlungen in betracht ziehen. Das sind die Privilegien der Weltmaechte. Deutschland dagegen ist auch heute noch ein ehemaliger Uebeltaeterstaat auf Probe der sich taeglich in der Weltpresse und in Schulklassen fast aller Laender bewaehren und bestaetigen muss.
XRay23 02.03.2011
5. Angesichts...
...der momentanen Gegebenheiten würde ich ein militärisches eingreifen auch befürworten.Derzeit sieht es aber so aus als würden unsere hiesigen Politiker nicht aus ihrer Ohnmacht erwachen.Wenn da jemand was unternimmt. wird es wohl die USA sein,der dann natürlich sofort wieder unterstellt wird das sie das alles selber inszeniert haben um an das Öl zu kommen...
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