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Minutenprotokoll: Obama fordert Gaddafi zum Rückzug auf

US-Präsident Obama und Kanzlerin Merkel sind sich einig: Diktator Gaddafi muss unverzüglich abtreten. Frankreich und Großbritannien brachen ihre diplomatischen Beziehungen zu Libyen ab. Die Ereignisse des Tages im Minutenprotokoll.

Libyen: Massenflucht aus dem Krisengebiet Fotos
DPA

+++ Uno-Sicherheitsrat verständigt sich auf Sanktionen +++

[00.00 Uhr] Der Uno-Sicherheitsrat hat sich auf Sanktionen gegen das libysche Regime verständigt und will sie noch in der Nacht zum Sonntag in Kraft setzen. Nach Informationen aus Uno-Kreisen ist die Abstimmung über die Resolution für 2.00 Uhr deutscher Zeit anberaumt. Das höchste Gremium der Vereinten Nationen hat zuvor die Zustimmung der libyschen Delegation in New York zu den geplanten Strafmaßnahmen erhalten. Botschafter Abdurrahman Shalgham befürwortete die geplanten Sanktionen: "Ich habe die Ehre, im Namen der libyschen Delegation zu bestätigen, dass wir die Maßnahmen gegen die Verantwortlichen der bewaffneten Angriffe auf libysche Zivilisten unterstützen."

+++ Facebook-Aufruf zu Protesten gegen syrischen Staatschef +++

[23.50 Uhr] Die Protestwelle in der arabischen Welt geht weiter: Bis Samstagabend unterstützten mehr als 25.000 Menschen einen Protestaufruf bei Facebook gegen die Regierung in Syrien und Staatschef Baschar al-Assad. Die Seite namens "Die syrische Revolution gegen Baschar al-Assad 2011" ruft zu friedlichen Demonstrationen in allen Städten Syriens auf. Auch in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, den USA, Kanada und Australien solle gegen Assad demonstriert werden. Das Online-Netzwerk diente auch den Oppositionellen in Tunesien und Ägypten dazu, Proteste zu organisieren. In den vergangenen Tagen hatten auch Facebook-Gruppen zur Organisation des Widerstands gegen die Führungen in Katar und in Saudi-Arabien regen Zulauf.

+++ Obama fordert Gaddafi zum Gehen auf +++

[22.45 Uhr] US-Präsident Barack Obama hat in dem Telefonat mit Angela Merkel am Samstag erstmals offen den Rücktritt des libyschen Herrschers Muammar al-Gaddafi gefordert. Wenn ein Herrscher Gewalt gegen das eigene Volk anwenden müsse, um sich an der Macht zu halten, sollte er das Richtige für sein Land tun und es sofort verlassen, sagte Obama der Bundeskanzlerin. Das teilte das Weiße Haus nach dem Gespräch zwischen Merkel und Obama mit. US-Außenministerin Hillary Clinton bekräftigte die an Gaddafi gerichtete Rücktrittsforderung und ergänzte: "Er hat das Vertrauen seines Volkes verloren und sollte ohne weiteres Blutvergießen und Gewalt gehen."

+++ Ex-Justizminister will Übergangsregierung bilden +++

[22.22 Uhr] Will der ehemalige libysche Justizminister wieder an die Macht? Wie das Online-Portal der Zeitung "Quryna" am Samstag berichtet, will Mustafa Mohamed Abud Ajleil eine Übergangsregierung in Bengasi anführen. Bengasi ist die zweitgrößte Stadt des Landes und bereits in der Hand der Regimegegner. Libyen solle vereint und frei sein und weiterhin Tripolis als Hauptstadt haben. Gaddafi allein trage die Verantwortung für die Verbrechen, die derzeit in Libyen geschehen - er würde dem Gaddafi-Clan aber vergeben, sagte der ehemalige Minister offenbar in einem Telefonat mit der Zeitung.

+++ Wo steckt Gaddafi? +++

[22.00 Uhr] Beobachter in Tripolis halten es laut dpa-Bericht für möglich, dass sich der Gaddafi-Clan in der Hauptstadt verbarrikadiert. Gaddafi kann derzeit in erster Linie auf die ihm treu ergebene, knapp 3000 Mann starke Präsidentengarde zählen. Diese ist mit modernsten Waffen ausgerüstet und bestens ausgebildet. Das übrige Militär in Libyen gilt nach amerikanischer Einschätzung als schlecht ausgerüstet und ausgebildet.

+++ Merkel telefoniert mit Obama zu Libyen +++

[21.10 Uhr] Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am Samstagabend mit US-Präsident Barack Obama telefoniert und mit ihm die Lage in Libyen erörtert. Beide seien sich einig darüber gewesen, dass der libysche Machthaber Muammar al-Gaddafi jegliche Legitimität verloren habe, sagte Vize-Regierungssprecher Christoph Steegmans in Berlin. Merkel und Obama hofften auf die rasche Verabschiedung von Sanktionen durch den Uno-Sicherheitsrat - die Aktionen Gaddafis gegen die eigene Bevölkerung müssten endlich ein Ende finden.

+++ Frankreich bricht Beziehungen zum Gaddafi-Regime ab +++

[20.56 Uhr] Frankreich hat am Abend seine Beziehungen zur Regierung Gaddafis abgebrochen. Das teilte das Außenministerium in Paris in einer Erklärung mit. Das Botschaftspersonal in Tripolis sei evakuiert worden.

+++ Auswärtiges Amt: "Noch rund 100 Deutsche in Libyen" +++

[20.46 Uhr] Vor dem Hintergrund der dramatischen Lage hat das Auswärtige Amt erneut die Reise- und Sicherheitshinweise zu Libyen verschärft: Die Reisewarnung für ganz Libyen wird beibehalten. Deutsche Staatsangehörige werden mit Nachdruck aufgefordert, das Land zu verlassen, sofern dies möglich und sicher erscheint. Nach Schätzungen des Auswärtigen Amtes befinden sich derzeit noch zwischen 100 und 150 Deutsche in Libyen, etwa die Hälfte halten sich offenbar im Landesinneren auf. Die Botschaft in Tripolis halte Kontakt zu ihnen, der Krisenstab sei mit Hochdruck bemüht, ihnen die Ausreise zu ermöglichen.

+++ Transall-Maschinen fliegen Ausländer aus +++

[20.45 Uhr] Am Samstag sind insgesamt 133 ausländische Staatsangehörige mit zwei Transall-Maschinen der deutschen Bundeswehr aus Libyen ausgeflogen worden. Darunter seien auch Dutzende Deutsche und weitere EU-Bürger, teilte das Auswärtige Amt in Berlin mit. Nach dpa-Informationen flogen die Maschinen von einem Nato-Stützpunkt auf der griechischen Insel Kreta aus in einen Ort im Landesinneren, in dem sich Ausländer gesammelt hatten. Von dort ging es wieder nach Kreta zurück. "Ich bin sehr erleichtert, dass diese Evakuierungsaktion geglückt ist", sagte Außenminister Guido Westerwelle. Transportmaschinen der Bundeswehr sollen offenbar in der Nacht zum Sonntag weitere EU-Bürger aus der Wüste Libyens ausfliegen. Auch zwei Fregatten und ein Versorgungsschiff der deutschen Marine sollen dabei helfen.

+++ Großbritannien schließt libysche Botschaft +++

[20.30 Uhr] Großbritannien hat seine diplomatische Vertretung in der libyschen Hauptstadt Tripolis vorübergehend geschlossen. Da sich die Sicherheitssituation verschlechtere, seien die Botschaftsmitarbeiter abgezogen worden, teilte die Regierung in London mit. Außerdem seien mehr als 150 Briten in Militärflugzeugen aus der libyschen Wüste evakuiert worden. Hunderte britische Öl-Arbeiter saßen offenbar in Libyen fest und warteten auf ihre Ausreise.

+++ Uno-Sicherheitsrat verhandelt über Sanktionen gegen Libyen +++

[20.20 Uhr] Der Uno-Sicherheitsrat tagt in diesen Stunden: Am frühen Samstagabend ist in New York das 15 Länder-Gremium an den Verhandlungstisch zurückgekehrt. Noch am Wochenende sollen Sanktionen gegen das libysche Regime in Kraft gesetzt werden. "Wir sind uns einig, dass der Sicherheitsrat jetzt unverzüglich handeln muss", sagte der deutsche Uno-Botschafter Peter Wittig. Dem Sicherheitsrat liegt ein Resolutionsentwurf vor, dessen Sanktionen sich ausschließlich gegen Staatspräsident Muammar al-Gaddafi und 22 seiner engsten Vertrauten richten. Dem Clan drohen bei weiterer Gewalt gegen das eigene Volk Einreiseverbote und die Sperrung aller Auslandskonten. Darüber hinaus will das höchste Uno-Gremium ein Waffenembargo gegen Libyen verhängen. "Wir werden heute noch hart verhandeln. Wir wollen der Gewalt Einhalt gebieten und streben an, dass die libysche Regierung zur Rechenschaft gezogen wird", sagte Wittig. Deutschland ist seit Jahresanfang im Sicherheitsrat vertreten und war auch an der Ausarbeitung des Resolutionsentwurfes maßgeblich beteiligt.

+++ Al-Qaida fordert Aufstand gegen arabische Herrscher +++

[19.40 Uhr] In einer seiner letzten Ansprachen machte Libyens Diktator Muammar al-Gaddafi al-Qaida für die Revolte in seinem Land verantwortlich. Nun ruft der arabische Ableger des Terrornetzwerkes im Jemen offenbar tatsächlich zum Aufstand - nicht nur gegen Gaddafi. Die arabische Bevölkerung solle ihre Herrscher stürzen und Regierungen auf der Basis der islamischen Rechtsordnung Scharia bilden, heißt es laut der Nachrichtenagentur AP in einer etwa zehnminütigen Audio-Botschaft, die auf islamistischen Internetseiten veröffentlicht wurde. Gesprochen werde der Aufruf von Ibrahim al-Rubeish, einem früheren Häftling im US-Gefangenenlager Guantanamo. Er kritisierte unter anderem Saudi-Arabien dafür, dass es den gestürzten tunesischen Herrscher Ben Ali aufgenommen hat. "Ein Tyrann geht, nur um von einem anderen ersetzt zu werden", sage al-Rubeish.

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1. +++ Trittin fordert Aufnahme von 1000 libyschen Flüchtlingen +++
kundennummer 26.02.2011
Sehr witzig Herr Trittin, das hat ja schon öfters so prächtig geklappt, eine echte "Erfolgsstory". Fool me once, shame on you... PS: In den gründominierten Kiezen Ihrer Wählerschaft ist sicher jede Menge Platz! Gras roots ist gefragt, wer bürgt für eine Flüchtlingsfamilie? Ach so "die Gesellschaft" soll, schon wegen "Gechichte" usw? War ja klar
2. Wahrscheinlich schon tausende Tote
yato, 26.02.2011
Angeblich sollen es bis zu 10000 Söldner sein und wer 1 und 1 zusammenzählt kommt zum Schluß das die Zahl der Toten wahrscheinlich weit über den bisher genannten 1000 liegt. Libyen hat ca 6 Millionen Einwohner. Die direktesten Eindrücke bekommt man via YouTube. Bitte aber nur für Leute die starke Nerven haben. Wenn man die Videos dort sieht, Zivilisten mit Steinen gegen Maschinengewehre, dann kann man nur sage,n dass es ein Wahnsinn ist hier nicht militärisch mit der UNO einzugreifen, dies fordert mittlerweile auch Amnesty International. Bei Youtube eingeben: Libya February (und einen der letzten Tage z.B.) 25 oder den Link hier: http://www.youtube.com/results?search_query=Libya+February+24+2011&aq=f
3. Wenn
Bins 26.02.2011
Zitat von kundennummerSehr witzig Herr Trittin, das hat ja schon öfters so prächtig geklappt, eine echte "Erfolgsstory". Fool me once, shame on you... PS: In den gründominierten Kiezen Ihrer Wählerschaft ist sicher jede Menge Platz! Gras roots ist gefragt, wer bürgt für eine Flüchtlingsfamilie? Ach so "die Gesellschaft" soll, schon wegen "Gechichte" usw? War ja klar
man etwas über den Tellerrand hinausschaut, sieht man, dass Deutschland im Jugoslawienkrieg etwa 200.000 Menschen vorübergehend aufgenommen hat. Wäre es jetzt denn so schlimm, noch Mal Menschlichkeit zu zeigen oder - sind die Libyer Menschen 2. Klasse ??
4. Wir sind mitverantwortlich
Methana, 26.02.2011
Zitat von kundennummerSehr witzig Herr Trittin, das hat ja schon öfters so prächtig geklappt, eine echte "Erfolgsstory". Fool me once, shame on you... PS: In den gründominierten Kiezen Ihrer Wählerschaft ist sicher jede Menge Platz! Gras roots ist gefragt, wer bürgt für eine Flüchtlingsfamilie? Ach so "die Gesellschaft" soll, schon wegen "Gechichte" usw? War ja klar
So ein Blödsinn! WIR haben auch eine Verantwortung an der Lage in Nordafrika! Unser Wohlstand ist auch auf den wirtschaftlichen Erfolg unserer Waffenindustrie begründet, die mit den Nordafrikanischen Diktaturen über Jahrzehnte Geschäfte gemacht hat. Und, wenn man dann noch liest, daß es in öffentlichen Ämtern aus Kostengründen nicht erlaubt ist, z.B. Kaffee aus Fairtrade in den Kaffeemaschinen zu haben, dann braucht man sich nicht wundern, wenn es Flüchtlinge gibt. Unser Wohlstand begründet - auch heute noch - auf der Ausbeutung der dritten Welt (Bsp. Coltan für unsere Handys). Wir sorgen selbst für unsere Flüchtlinge der Zukunft. Es ist das Mindeste, daß wir Flüchtlinge aufnehmen, schon alleine, weil wir uns Christen nennen. Punkt.
5. Indische Kapazitäten
O.W. von Feinzinn 26.02.2011
Zitat von kundennummerSehr witzig Herr Trittin, das hat ja schon öfters so prächtig geklappt, eine echte "Erfolgsstory". Fool me once, shame on you... PS: In den gründominierten Kiezen Ihrer Wählerschaft ist sicher jede Menge Platz! Gras roots ist gefragt, wer bürgt für eine Flüchtlingsfamilie? Ach so "die Gesellschaft" soll, schon wegen "Gechichte" usw? War ja klar
Viel witziger fand ich diese Meldung: "Air India hat zwei Passgiermaschinen nach Libyen entsandt, um geschätzte 18.000 Landsleute aus der Unruheregion zu bringen." Da kamen mir sofort diese Bilder von bis aufs Dach vollbesetzten indischen Zügen - oder Bussen - in den Sinn. Was uns Wohlstandskrüppeln abgeht, ist die erstaunliche Fähigkeit von Schwellenlandbewohnern, den Gürtel enger zu schnallen, wenn es drauf ankommt!
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Libyen: Protest gegen Gaddafi

Liveticker-Übersicht zu Libyen
Vom Beginn der Massenproteste bis jetzt - lesen Sie hier die Minutenprotokolle der Aufstandstage in Libyen:


Fläche: 1.676.198 km²

Bevölkerung: 6,253 Mio.

Hauptstadt: Tripolis

Staatsoberhaupt:
Akila Salih Issa

Regierungschef: Fayez al-Sarraj (nominiert)

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