Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Minutenprotokoll: So lief der Tag in Libyen

Der Montag brachte die gefürchtete Eskalation in Libyen. Laut Augenzeugen schossen die Streitkräfte mit scharfer Munition gegen Demonstranten, viele Menschen kamen ums Leben. Lesen Sie die Ereignisse im Minutenprotokoll nach.

+++ Die Lage in Libyen beruhigt sich +++

[00.35] Vorerst gibt es keine neuen Meldungen über Zusammenstöße von Demonstranten und Sicherheitskräften. Für Dienstag sind jedoch weitere massive Proteste angekündigt.

+++ Teile der Streitkräfte wenden sich gegen Gaddafi +++

[00.09] Revolutionführer Muammar Gaddafi verliert offenbar langsam auch den Rückhalt der Armee. Eine Gruppe libyscher Offiziere appellierte laut al-Dschasira an alle Armeeangehörigen, sich "dem Volk anzuschließen" und Gaddafi zu entmachten. Die Offiziere hätten die Armee zu einem Marsch auf Tripolis aufgefordert.

+++ Clinton bestürzt über Blutvergießen in Libyen +++

[00.02] US-Außenministerin Hillary Clinton hat die Gewalt gegen Demonstranten in Libyen verurteilt und die Regierung von Staatschef Muammar al Gaddafi zu einem Ende "dieses unverantwortlichen Blutvergießens" aufgefordert. Die Welt sei alarmiert über die Vorgänge in Libyen, sagte Clinton am Montag in Washington. Gaddafis Regierung müsse die Grundrechte achten, darunter die Meinungs- und die Versammlungsfreiheit.

+++ Gaddafi-Ansprache verzögert sich weiter +++

[23.53] Noch immer hat die angekündigte Rede von Machthaber Gaddafi nicht begonnen. Verschiedene Offizielle haben in Tripolis zwar mehrfach erklärt, die Ansprache stehe kurz bevor - noch verzögert sich ist die Übertagung des arabischen TV-Senders Al-Arabija jedoch.

+++ Gaddafi-Sohn dementiert Meldungen über Luftangriffe +++

[23.42] Der Führungszirkel um Machthaber Gaddafi hat Berichte über eine Bombardierung bewohnter Stadtgebiete zurückgewiesen. Die Informationen über Angriffe auf Tripolis und Benghasi seien falsch, sagte Gaddafis Sohn Saif al-Islam am Montag dem staatlichen Fernsehen zufolge. Ziel seien vielmehr Munitionsdepots, weit entfernt von Wohngebieten, gewesen.

+++ Diplomaten brechen mit Gaddafi +++

[23.38] Mehrere libysche UN-Diplomaten haben sich offen von Revolutionsführer Gaddafi distanziert. Gaddafi müsse aufhören, "das libysche Volk zu töten" und das Land so schnell wie möglich verlassen, sagte der stellvertretende UN-Botschafter Ibrahim Dabbaschi in New York. Angesichts der blutigen Niederschlagung der Proteste und der "Kriegserklärung" von Gaddafis Sohn Seif el Islam an das eigene Volk "können wir nicht mehr schweigen", so Dabbaschi. Gegenüber der BBC sagte er, das Ende des Revolutionsführers sei nur noch eine "Frage von Tagen". Entweder der Revolutionsführer werde selbst zurücktreten oder das Volk werde dafür sorgen, dass er gehe.

+++ Libysche Grenzer geben ihre Posten auf +++

[23.15] Libysche Grenzschützer haben ägyptischen Angaben zufolge ihre Stationen an der Grenze zwischen beiden Ländern verlassen. Das ging am Montag aus Mitteilungen des ägyptischen Militärs auf der Internet-Plattform Facebook hervor. Die libysche Seite der Grenze sei derzeit in der Kontrolle von Volkskomitees. Die ägyptische Armee richtete unterdessen an der Grenze zu Libyen zwei Feldlazarette sowie Auffanglager für Flüchtlinge ein. Zudem würden Flugzeuge nach Libyen geschickt, um dort lebende Ägypter außer Landes zu fliegen, teilte der Militärrat auf Facebook mit.

+++ Al-Arabija berichtet über baldige Ansprache Gaddafis +++

[22.50] Gaddafi will nach Angaben des arabischen TV-Senders Al-Arabija demnächst eine Ansprache halten. Einzelheiten über den Inhalt der Rede wurden nicht bekannt.

+++ Gaddafi soll noch im Land sein +++

[22.45] Gaddafi hält sich nach Regierungsangaben noch immer in Libyen auf. "Der Staatschef ist in Libyen, ebenso wie alle Regierungsvertreter", sagte Vize-Außenminister Chaled Kaim am Montagabend im libyschen Fernsehen.

+++ Neue Attacken aus anderen Städten gemeldet +++

[22.01] Auch aus anderen Städten Libyens werden Angriffe durch Flugzeuge gemeldet. Laut al-Dschasira wurden in Misrata, 210 Kilometer östlich der Hauptstadt, Demonstranten attackiert. Nach Berichten von Augenzeugen ist Artilleriefeuer zu hören, Panzer sollen durch die Straßen rollen. Ähnliche Meldungen kamen auch aus Az-Zawiya.

+++ Westerwelle setzt auf Machtwechsel in Libyen +++

[21.39] Die Bundesregierung hofft nach den Worten von Außenminister Guido Westerwelle (FDP) auf einen politischen Umsturz in Libyen. Das System Gaddafi könne sich nur noch mit Mord und Totschlag über Wasser halten, sagte Westerwelle am Montag im ZDF. "Wenn eine Herrscherfamilie mit Bürgerkrieg gegen das eigene Volk droht, dann ist sie am Ende", sagte Westerwelle in Anspielung auf einen Fernsehauftritt von Gaddafis Sohn Saif. In Berlin hoffe man nun, dass es nach den gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Militär wieder eine friedliche Entwicklung geben werde.

+++ Augenzeugen schildern Hetzjagd auf Demonstranten +++

[21.30] In der libyschen Hauptstadt Tripolis machen regierungstreue Milizen nach einem Augenzeugenbericht Jagd auf Gegner von Staatschef Gaddafi. Mitglieder der "Revolutionskomitees" hätten das Stadtzentrum besetzt, sagte ein Bewohner, der in der Nähe des zentralen Grünen Platzes lebt. Die Situation am Montag beschrieb er als "sehr, sehr gewaltsam". Das Staatsfernsehen berichtete am Abend, das Militär habe "die Verstecke der Saboteure" gestürmt. Die Kommunikationsleitungen in die Stadt sind immer wieder unterbrochen, Handyanrufe nach Libyen vom Ausland aus nicht möglich.

+++ Berlusconi verurteilt Gewaltausbruch in Libyen +++

[21.20] Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat das brutale Vorgehen der libyschen Sicherheitskräfte gegen die Demonstranten scharf kritisiert. Das Verhalten sei "inakzeptabel", so Berlusconi. Die Situation in dem nordafrikanischen Staat nannte er "alarmierend". Der Politiker gilt als enger Vertrauter von Libyens Machthaber Gaddafi.

+++ Österreichische Maschine sitzt in Tripolis fest +++

[20.55] Ein Transportflugzeug des österreichischen Bundesheeres mit etwa 60 EU-Bürgern an Bord sitzt offenbar am Flughafen in der libyschen Hauptstadt fest. "Der gesamte Luftraum ist derzeit gesperrt", sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Wien. Die Maschine hätte um 18.30 Uhr in Richtung Malta starten sollen. Zunächst hatte sich der Abflug verzögert, weil viele Passagiere es nicht rechtzeitig zum Airport geschafft hätten. Laut Außenministerium sind unter den Passagieren 15 Österreicher und weitere 45 EU-Bürger.

+++ Heimgekehrte Deutsche schildern dramatische Szenen +++

[20.48 Uhr] Etwa zwei Dutzend deutsche Staatsbürger sind am Abend aus Libyen kommend in Frankfurt gelandet. Nach der Ankunft berichteten sie von teils dramatischen Szenen in der libyschen Hauptstadt Tripolis: Gewehrfeuer, Brände, und leergefegte Geschäfte hätten das Stadtbild geprägt. "Ich hatte Angst wegen der Kinder", sagte Katja T. aus Berlin, die seit September an der französischen Schule in Tripolis gearbeitet hat. In den Straßen der Stadt hätten Feuer gelodert. Eine andere Frau, die seit dreieinhalb Jahren in Libyen gelebt hat, sagte: "Ich habe in Panik meine Sachen zusammengepackt." Mit den beiden Kindern fuhr sie zum Flughafen. Den Weg säumten ausgebrannte Fahrzeuge. Den Hausstand ließ sie in Tripolis zurück. In der Nacht sei praktisch permanent geschossen worden. Im Laufe des Tages sei die Lage immer chaotischer geworden.

+++ Nato-Chef Rasmussen schockiert über Gewalt in Libyen +++

[20.40 Uhr] Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hat die libysche Regierung aufgefordert, "die Unterdrückung unbewaffner Zivilisten" zu beenden und den Weg zur Demokratie zu gehen. In einer in Brüssel verbreiteten Stellungnahme zeigte er sich schockiert über die Gewalt gegen friedliche Demonstranten. Die legitimen Wünsche des Volkes müssten beachtet werden. "Auf lange Sicht kann keine Gesellschaft den Willen ihres Volkes missachten, denn der Wunsch nach Freiheit ist in jedem Menschen angelegt."

+++ Frankreich schließt Schulen in Libyen +++

[20.32 Uhr] Die französisch geführten Schulen in Libyen werden am Dienstag keinen Unterricht anbieten. Die Schulen bleiben vorerst geschlossen. Frankreich forderte seine Bürger auf Libyen zu verlassen.

+++ Niederlande wollen ihre Landsleute Dienstag aus Libyen holen +++

[20.18 Uhr] Inzwischen laufen in mehreren Ländern Planungen dafür, die eigenen Bürger aus Libyen auszufliegen. Etwa 150 Niederländer warten in Tripolis auf ihre Heimreise. Die Regierung in Den Haag organisiert für Dienstag einen Flug mit einer Militärmaschine.

+++ Libysche Uno-Diplomaten fordern Flugsperre über Libyen +++

[19.59 Uhr] Vertreter Libyens bei den Vereinten Nationen haben Machthaber Gaddafi zum Rücktritt aufgefordert. Der stellvertretende Uno-Botschafter Ibrahim Dabbaschi erklärte, "das libysche Volk werde sich Gaddafis entledigen", sollte er sein Amt nicht niederlegen. Außerdem drängte Dabbaschi die internationale Gemeinschaft, eine Flugsperre über seinem Heimatland zu verhängen, um zu verhindern, dass Gaddafi und seine Sicherheitskräfte aus dem Ausland mit Söldnern, Waffen und Vorräten versorgt werden können.

+++ Berlin hat keine Erkenntnisse über Flucht Gaddafis +++

[19.50 Uhr] Der Bundesregierung liegen nach Angaben von Außenminister Guido Westerwelle keine Hinweise auf eine Flucht des libyschen Staatschefs Muammar Gaddafi ins Ausland vor. Er könne Meldungen nicht bestätigen, nach denen sich Gaddafi möglicherweise nach Venezuela abgesetzt habe, sagte Westerwelle im ZDF. Zuvor hatte der britische Außenminister William Hague erklärt, es gebe entsprechende Hinweise darauf.

+++ Auswärtiges Amt verschärft Reisewarnung +++

[19.42 Uhr] Das Auswärtige Amt hat eine eindeutige Reisewarnung für Libyen ausgesprochen. Es wird nun vor jeglichen Reisen ins ganze Land gewarnt. Die Botschaft in Libyen organisiert derzeit die Ausreise der rund 500 Deutschen im Land. Noch fliegt die Lufthansa Tripolis an. Im Auswärtigen Amt hofft man, dass die Fluglinie Dienstag erneut und dann mit einem größeren Flugzeug Tripolis anfliegt - und vielen der in Libyen lebenden Deutschen die Ausreise ermöglicht. Von der Botschaft erreichen das Amt stündlich neue Meldungen über die brisante Lage vor Ort, diese bestätigten die Nachrichten der internationalen Nachrichtenagenturen, hieß es im Ministerium von Guido Westerwelle.

+++ Italien versetzt Luftstützpunkte in Alarmbereitschaft +++

[19.29 Uhr] Italien hat nach Angaben der Nachrichtenagentur ANSA sämtliche Luftstützpunkte des Landes in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Unter Berufung auf das Verteidigungsministerium in Rom meldete die Agentur, zudem sollten zahlreiche Hubschrauber der italienischen Luftwaffe und der Marine in den Süden des Landes geschickt werden. Demnach fielen diese Entscheidungen nach der Landung libyscher Flugzeuge in Malta.

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 291 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Endlich....
RaMaDa 21.02.2011
....ist das libysche Volk aufgwacht und hoffentlich jagd es Gaddafi und seinen Clan in die Wüste - nee, da wird er wohl doch nicht landen, er findet bestimmt Unterschlupf bei seinem Busenfreund Sarkozy.....
2. ...
TSunami61 21.02.2011
unbeschreiblich groß wäre meine freude, wenn auch die menschen in libyen mit ihrer revolution erfolgreich wären! aber es sieht im moment so aus, als würde ihr preis höher ausfallen, als der aller anderen zuvor. ich hoffe die weltpresse hat einen ausdauernden atem und unerstützt diese bewgung in libyen, wie alle zuvor und wendet sich nicht bereits gelangeweilt ab.
3. Titellos glücklich!
kjartan75 21.02.2011
Zitat von TSunami61unbeschreiblich groß wäre meine freude, wenn auch die menschen in libyen mit ihrer revolution erfolgreich wären! aber es sieht im moment so aus, als würde ihr preis höher ausfallen, als der aller anderen zuvor. ich hoffe die weltpresse hat einen ausdauernden atem und unerstützt diese bewgung in libyen, wie alle zuvor und wendet sich nicht bereits gelangeweilt ab.
Ein Reporter aus Kairo berichtete gerade auf Phoenix, dass es anscheinend eine Zusammenarbeit gibt zwischen den ägyptischen und libyschen Jugendlichen (Verbreitung von Informationen, Hilfslieferungen). Man muss diesem Mut wirklich Respekt zollen, gerade auch, was die Selbstorganisation angeht. Ohne das wären erfolgreiche Revolten nicht möglich. Wollen wir hoffen, dass die Menschen ihr Ziel erreichen.
4. Wenn
Spiegeleii 21.02.2011
Lybien seine Grenzen nicht mehr schützen kann dann quillt Italien über mit Flüchtlingen.
5. Wo bitte soll der Ölhafen Ra's al-Hanuf sein?
kalauvo123 21.02.2011
Zitat von sysopIn Libyen überschlagen sich die Ereignisse: Bengasi im Osten des Landes scheint bereits in der Hand der Opposition zu sein - aber auch in der Hauptstadt Tripolis und im Ölhafen Ra's al-Hanuf revoltieren die Menschen. Polizeireviere und Regierungsgebäude brennen. Verfolgen Sie die Lage*im Liveticker. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,746813,00.html
Äh, liebe SPON-Redakteure, wo genau soll das sein? Der "Ölhafen Ra's al-Hanuf" findet sich nicht bei Google, auch nicht bei Google Maps, habe eben die ganze Küste Libyens abgescannt. Man will ja wissen wo's brennt, nicht wahr? Von daher erscheint der Wahrheitsgehalt der Tickermeldungen natürlich problematisch .... oder?
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Libyen: Städte, Ethnien, Ölleitungen

Karte

Fläche: 1.676.198 km²

Bevölkerung: 6,253 Mio.

Hauptstadt: Tripolis

Staatsoberhaupt:
Akila Salih Issa

Regierungschef: Fayez al-Sarraj (nominiert)

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Libyen-Reiseseite



Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: